Steuerhinterziehung Der älteste Volkssport der Welt

Es ein risikoreiches Geschäft und wird trotzdem seit jeher betrieben: Heute schmuggeln Anleger Geldscheine in Plastiktüten oder Wanderstöcken über die Grenze, im Mittelalter ernteten die Bauern nachts, um der Entrichtung des "Zehnten" zu entgehen.
Von Grit Beecken

Hamburg - Die Steuerhinterziehung ist der kleine Bruder der Steuergesetze: Bereits kurz nach der Einführung der Steuern nahmen die Bürger den ältesten Volkssport der Welt auf und zahlten weniger Abgaben als gesetzlich verlangt.

Im alten Germanien gab es noch keine Zwänge, hier war nur die "freiwillige Ehrenabgabe" an den Fürsten bekannt. Dass die Römer versuchten, eine generelle Steuererhebung durchzusetzen, gab angeblich den Anlass zur Schlacht im Teutoburger Wald. Doch die römische Finanzverwaltung setzte sich durch und Steuersünder widersetzen sich nunmehr seit Jahrhunderten.

Den Steuerhinterziehern stets auf den Fersen sind die Finanzbeamten. Im Mittelalter, als die Städte die Abgaben eintrieben, waren die Strafen kreativer als heute: "Beispielsweise kauften die Städte den Steuerhinterziehern ihr gesamtes Vermögen ab. Und zwar zu dem Preis, mit dem es in der Steuererklärung angegeben worden war", sagt Eberhard Isenmann, Professor für Steuergeschichte an der Universität Köln. "Da verlor so mancher Teile seines Vermögens auf schmerzhafte Weise." In manchen Fällen sei der Steuersatz auch schlankerhand verdoppelt worden.

Später verloren die Strafen an Einfallsreichtum. So wanderte Al Capone, einer berüchtigtsten Verbrecher Amerikas 1931 lediglich ins Gefängnis. Seine zahlreichen Morde konnten Al Capone nicht nachgewiesen werden, er wurde schließlich für Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldwäsche belangt. Ein Gericht verurteile den Gangster zu 50000 Dollar Strafe, zusätzlich knapp 8000 Dollar Gerichtskosten und elf Jahren Gefängnis.

Steuerhinterzieher Adolf Hitler

Ohne eine Anklage wegen Steuerhinterziehung kam Adolf Hitler davon. Dank des Propagandawerks "Mein Kampf" Multimillionär, vermehrte er laut dem britischen Historiker Ian Kershaw sein Vermögen durch jahrelange Steuerhinterziehung. Demnach zahlte Hitler schon lange vor der Machtübernahme 1933 trotz hoher Einkünfte nur sehr wenig Steuern. Dass er wegen der Straftat angezeigt wurde, darf als unwahrscheinlich gelten. Historiker gehen davon aus, dass Hitler seine Steuerschuld dank massiven Drucks auf den zuständigen Beamten schmälerte.

Der laufende Steuerskandal wurde von einem ehemaligen Liechtensteiner Banker ausgelöst, der die Daten verkauft hat. Auch im Mittelalter wurden Steuerhinterziehungen durch Beschuldigungen entdeckt: "Die Nachbarn meldeten die Steuersünder", sagt Isenmann. Und in Florenz habe es sogar Denunziationen gegeben, die manch einen erfolgreichen Kaufmann in den Ruin getrieben haben.

Dennoch geht der Experte für Steuergeschichte davon aus, dass die Stadtsteuern des Mittelalters freiwilliger gezahlt wurden als dies bei heutigen Abgaben der Fall ist. Denn früher sahen die Bürger unmittelbar, wohin die Steuergelder flossen. "Man wusste, dass man die Belastungen für Kriege oder Städtebau mitzutragen hatte", sagt Isenmann: "Wurde die Steuerlast jedoch zu hoch oder bereicherten sich Beamte selbst, so kam es zu Aufständen."

Zu Aufständen wegen zu hoher Steuersätze ist es in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht gekommen. Das Geld ist still und leise ins Ausland geflossen.

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