Jim Rogers Der Zucker-Zocker

Mit Rohstoffen wie Zucker oder Kupfer Geld zu verdienen, ist die Passion von Jim Rogers. Und es ist einfacher, als viele denken, erklärt der Nestor der Geldanlage. Zumal sich das Thema nicht nur über vermeintlich komplizierte Finanzkonstrukte spielen lässt.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Zucker wird teurer; Milch ebenso - war es das schon mit dem Superzyklus?

Rogers: Der ist noch lange nicht vorbei. So ein Zyklus läuft erfahrungsgemäß und mit Blick auf die Historie zwischen 15 bis 20 Jahre lang. Abgesehen davon sehe ich aktuell kein anderes Anlagethema von der Tragweite - Sie?

mm.de: Nein, aber ich frage Sie.

Rogers: Ich sehe Rohstoffe, und alles was mit ihnen zusammenhängt, als das die Zeit prägende Anlagethema. China ist ein Aspekt davon, da die Chinesen für ihren Aufschwung Rohstoffe en masse kaufen müssen. Insofern ist das Land wie 1908 die USA und 1808 Großbritannien der Ort, um zu investieren. Aber das schützt natürlich nicht vor Rückschlägen. Basismetalle sind im Laufe der Zeit 600 Prozent nach oben gelaufen und dann wieder um 50 Prozent gefallen. Erst wenn es Hochglanzmagazine über Rohstoffe in Deutschland gibt, dann sollte man über den Ausstieg nachdenken.

mm.de: Aber Gold und Öl, beides ist doch schon sehr teuer - kann der Preis denn noch steigen?

Rogers: Beide haben sich sicherlich gut entwickelt; das sind auch die Rohstoffe, die alle kennen. Und insofern kann das durchaus noch teurer werden. Auch wenn Rohstoffe als Anlage in Deutschland nicht sehr populär sind; Gold und Öl kennen alle. Gerade bei Gold spielt auch der Mythos, der Inflationsschutz eine Rolle. Aber auch andere Rohstoffe sind interessant.

mm.de: Zum Beispiel Silber?

Rogers: Silber wird tatsächlich gern übersehen. Es ist phasenweise besser gelaufen als Gold.

mm.de: Sind im Silbermarkt nicht viele Spekulanten unterwegs, die die Preise nach oben oder nach unten schicken können?

Rogers: Ist das nicht überall der Fall? Man sollte allerdings die langfristigen Perspektiven betrachten - und die sind gut.

"Zweitgrößter Markt der Welt"

mm.de: Ist die Rohstoffanlage nicht oft auch ein technisches Problem - zum Beispiel das richtige Vehikel für seinen Anlagewunsch zu finden?

Rogers: In Deutschland zum Beispiel waren Rohstoffe lange nur sehr schwer zu kaufen. Aber mit Futures und Zertifikaten ist das jetzt einfacher.

mm.de: Ist das nicht auch eine Frage des Verständnisses?

Rogers: Wir alle verstehen, was Weizen, Öl, Kupfer und so weiter ist, weil wir es jeden Tag benutzen. Eine Siemens versteht dagegen niemand, nicht einmal mehr das Management. Wie hoch ist das Angebot und wie hoch ist die Nachfrage, das ist die Kernfrage, und alles andere ist unerheblich. Aber die Deutschen lernen die Rohstoffe schon noch kennen.

mm.de: Wie?

Rogers: Ein Blick in das Commodity Yearbook ist schon einmal ein guter Anfang.

mm.de: Wie beurteilen Sie die Aussichten der Soft Commodities? Bei denen heißt es doch, das Timing sei schwierig, und der Markt reagiere angeblich sehr schnell, dass für Privatanleger kein Platz sei.

Rogers: Deren Timing ist nicht schwieriger als bei anderen Anlagen. Es ist ja nicht so, dass diese Rohstoffe bei Nachfrage sofort da wären. Kaffeepflanzen zum Beispiel brauchen von der Saat bis zur Ernte fünf Jahre und mehr, bei Gummi ist es noch mehr. Wer also behauptet, das Timing sei da so schwierig, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

mm.de: Wie groß ist eigentlich das Anlageuniversum inzwischen?

Rogers: Ich habe keine Zahlen an der Hand, aber nach dem FX-Markt, den Währungen also, ist der Rohstoffmarkt der größte der Welt. In der jüngeren Vergangenheit ist da auch viel Easy Money reingeflossen.

"Die Rezession ist da"

mm.de: Warum dann nicht in Afrika investieren - da kommen die Rohstoffe doch alle her?

Rogers: Dort bin ich seit 25 Jahren drin, aber aktuell wieder ausgestiegen und habe damit Gewinne gemacht.

mm.de: Und welche Rolle spielt die Politik - immerhin haben sowohl Rohstoffproduzenten wie Afrika als auch die Konsumenten wie zum Beispiel China nicht gerade den Ruf lupenreiner Demokraten.

Rogers: Da hat sich vieles geändert. China beispielsweise macht stetige kleine Schritte. Bei meinem ersten Besuch gab es eine Zeitung, einen Fernsehsender und so weiter. Inzwischen sind es über 1000. Und nebenbei gefragt - ist die US-Regierung denn so makellos? Sicherlich nicht.

mm.de: Um einmal technisch zu fragen: Wer ein Zertifikat kauft, dass Rohstoffindizes abbildet, läuft doch Gefahr, in die Contango-Falle zu tappen. Das heißt, der Kauf neuer Futures ist so teuer, dass die eigentlichen Gewinne eines Rohstoffs aufgezehrt werden.

Rogers: Viele wollen das Contango austricksen, auch die Banken. Bislang hat das meines Wissens nicht geklappt. Da heißt es dann, Geduld zu haben. Ein Index ist immer schlauer als der Markt.

mm.de: Sind die USA eigentlich schon in einer Rezession?

Rogers: Ja, die Maschinenbauer taumeln, die Finanzwerte ebenso. Und die Regierung lügt über die wahren Inflationszahlen.

mm.de: Könnte sich zum Beispiel China davon lösen?

Rogers: Nicht wirklich.

"Modethema BRIC"

mm.de: Und warum sein Geld nicht einfach in BRIC investieren - immerhin streut man dann über vier Länder?

Rogers: Das ist eine tolle Idee für die Erfinder. Indien ist ein tolles Land für den Urlaub - atemberaubend. Russland bleibt ein Desaster. Und Brasilien? Davon heißt es, es sei das große Land der nächsten Generation - allerdings schon seit Jahrhunderten. Gott schuf Brasilien - und dann die Brasilianer.

mm.de: Sie setzen auf Futures beim Rohstoffinvestment - warum nicht auf Aktien?

Rogers: Nicht dass wir uns missverstehen; Aktien sind in Ordnung, aber sie beinhalten das Unternehmensrisiko. Enron zum Beispiel war, man mag es heute kaum glauben, ein Gasunternehmen. Abgesehen davon können Sie mit Aktien nicht die volle Wertsteigerung eines Rohstoffs ausschöpfen. Der Ölpreis zum Beispiel verzehnfachte sich, nicht aber der Kurs von Ölunternehmen.

Man muss nur die Augen öffnen. Ich habe vor einiger Zeit mal eine Rede gehalten und den Menschen etwas über Rohstoffe erzählt und dabei auch Kaffee angesprochen. Hinterher kam einer der Zuhörer auf mich zu und sagte, er arbeite seit 40 Jahren in einer Kaffeebar, er habe sich aber noch nie Gedanken gemacht, woher Kaffee denn käme. Der wollte meine Füße küssen, weil ich ihm die Augen geöffnet hatte.

mm.de: Was ist denn mit den Themen Wald oder Uran, das einige Fonds- und Zertifikateanbieter inzwischen verkaufen?

Rogers: Das kann eine Idee sein, die Hälfte von China ist Wüste - gehen Sie, und kaufen Sie den Schwarzwald. Und Uran - solange Sie es nicht zu Hause aufbewahren. Im Ernst, der Preis hat sich in der Vergangenheit deutlich gesteigert. Und die Nachfrage dürfte weiter steigen.

mm.de: China hat eine stark alternde Bevölkerung. Ist das nicht ein Problem?

Rogers: Die Italiener sind zuerst dran, statistisch gesehen gibt es keine mehr in hundert Jahren. Abgesehen davon sind Prophezeiungen über einen so langen Zeitraum etwas schwierig. Wer weiß, vielleicht sind wir dann alle Moslems?

Die Italiener erwischt es jedenfalls zuerst, die gibt es in hundert Jahren nicht mehr. Bei den Japanern ist das ähnlich. Die dortige Regierung hat das Problem allerdings erkannt, daher habe ich "Babystocks" gekauft.

mm.de: Babystocks?

Rogers: Das sind die Aktien von Babymärkten und Spielwarenläden.

"Aus Verrücktheit"

mm.de: Sind Sie eigentlich bei Ihren Reisen auf solche Ideen gekommen?

Rogers: Nein, meine Reisen habe ich aus Verrücktheit oder auch Interesse gemacht. Ich glaube, da habe ich mir keine einzige Mine angeschaut. Ich fand es spannend zu sehen, wie sich die Dinge ändern. Zum Beispiel das Bild der Frau. Als ich zum ersten Mal in Südkorea war, das war in einer Touristengegend, da gab es dort keine Frauen. Ich machte ein bisschen Research und stellte fest, dass sich ein großer Mangel aufbaut.

mm.de: Inzwischen ist die Auswahl der Futures, Zertifikate und Fonds ins Unermessliche gestiegen - auf welche Rohstoffe sollten Anleger jetzt achten?

Rogers: Sie wissen, dass ich keine Empfehlungen gebe. Aber von der Angebots- und Nachfrageseite aus sind zum Beispiel Agrikulturprodukte oder Palladium interessant, um nur Beispiele zu nennen.

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