Anleihen Die Inflation der Inflationsangst

Anleihen sind langweilig, so das allgemeine Urteil. Doch bei den aktuellen Börsenschwankungen könnten sie eine echte Alternative sein. Oder macht die steigende Inflation alles kaputt? Nein, sagt Bernd Früh, Anleihenmanager von Tiberius.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Überall wird das Gespenst der Inflation beschworen - Anleihen sind aber bei steigender Inflation keine Lösung. Oder steigt die Inflation nicht so stark wie viele meinen?

Früh: Der starke Inflationsanstieg im letzten Jahr war im Wesentlichen auf den Lebensmittel- und Energiesektor beschränkt. Denn während die Gesamtinflation kräftig anzog, blieb die Kerninflation auf niedrigem Niveau - in den USA ist sie rückläufig, im Euro-Raum durchweg unter 2 Prozent.

Wenn man wie wir davon ausgeht, dass sich der enorme Preisanstieg bei Lebensmitteln und Energie 2008 so nicht fortsetzen wird, ist schon allein wegen statistischen Basiseffekten 2008 mit einem eventuell sogar sehr starken Rückgang der Gesamtinflation zu rechnen. Da wir zudem eine Rezession in den USA erwarten, dürften die preisdrückenden Kräfte im Verlauf und nach der Rezession so stark werden, dass die Kerninflationsraten deutlich sinken werden, vermutlich unter die Niveaus der letzten Rezession. Eventuell wird der Begriff Deflation wieder zum Thema an den Finanzmärkten.

mm.de: Mit anderen Worten: Solche Anleihen, die an die Inflation gekoppelt sind, sind also aktuell eine schlechte Idee?

Früh: Genau, TIPS und Linkers sind nicht zu empfehlen.

mm.de: Und was sind in Ihren Augen die Rentenpapiere der Stunde?

Früh: Inzwischen haben die Rentenmärkte eine ansehnliche Rallye hinter sich und es ist schon sehr viel Konjunkturpessimismus im jüngsten Zinsrutsch verarbeitet worden. Gleichzeitig befinden sich die Inflationsraten nach wie vor auf erhöhtem Niveau, beispielsweise im Euro-Raum im Januar mit 3,2 Prozent markant über dem Zielbereich der EZB. Auch die in den USA bereits erfolgten Zinssenkungen und mögliche konjunkturpolitische Maßnahmen könnten dem Lager der Konjunkturoptimisten Auftrieb geben. Daher gehen wir davon aus, dass die Rentenmärkte vor einer Konsolidierungs- oder Korrekturphase stehen. Auf kurze Sicht sollten daher Kurzläufer bevorzugt werden. Mittelfristig rechnen wir jedoch mit einem anhaltend freundlichen Umfeld für Staatsanleihen, wobei Langläufer dann die höchsten Kursgewinne haben werden.

Was machen die Zentralbanken?

mm.de: Welche Rolle spielen Unternehmensanleihen bei Ihnen?

Früh: Unternehmensanleihen werden von uns lediglich zur Beimischung berücksichtigt. In unseren Augen sind die Risikoaufschläge, die Spreads, nach wie vor nicht attraktiv und werden sich im Zuge des von uns erwarteten schwierigen konjunkturellen Umfelds noch erhöhen.

mm.de: Welche Rolle spielen die Notenbanken heute beim Rentenmanagement, wenn man einmal fünf Jahre zurückblickt?

Früh: Die Notenbanken geben das Zinsniveau am kurzen Ende der Zinskurve vor, das am langen Ende können sie nur bedingt beeinflussen. Unseres Erachtens ist die Fed derzeit Getriebene der aktuellen Entwicklungen.

mm.de: Und was erwarten Sie von der Fed und der EZB in der nahen Zukunft?

Früh: Bei der Fed wird es weitere Zinssenkungen bis 1,75 Prozent zum Jahresende 2008 geben, anschließend werden erneut die 1 Prozent angesteuert - 2009 oder 2010. Im Falle der EZB sehen wir 3,75 Prozent zum Jahresende 2008, anschließend weitere Zinssenkungen.

mm.de: Wie verarbeiten Sie den schwachen Dollar? Und wie sieht das für 2008 aus?

Früh: 2007 waren wir in unserem internationalen Rentenfonds in US-Dollar sehr stark untergewichtet und hatten zeitweise keine Position in US-Dollar. 2008 könnte der US-Dollar eine zumindest technisch bedingte temporäre Erholung erleben.

mm.de: Von Asset backed Securities, den ABS spricht keiner mehr, oder?

Früh: Der ABS-Markt ist seit Sommer 2007 nicht mehr wirklich fungibel. Die Immobilienkrise wird sich fortsetzen und es ist bis heute unklar, wie viele der 1200 Milliarden Dollar Subprime-Kredite letztlich ausfallen werden und welche strukturierten Kreditprodukte wie stark davon betroffen sein werden. Diese Unklarheit wird eventuell lange bestehen bleiben. Erst im fortgeschrittenen Verlauf der von uns erwarteten US-Rezession sollten ABS überhaupt in Betracht gezogen werden.

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