Aktien weltweit Die Ruhe nach dem Sturm?

Die meisten Aktienindizes der Welt verbuchen seit Beginn des Jahres Verluste. Mit am übelsten getroffen hat es den Dax. Anderen Indizes ging es besser. Geht es nun wieder bergauf für Aktionäre - oder liegt die Stunde Null noch vor uns? Ein Stimmungsbild unter Profianlegern.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Früher war alles besser. Zumindest einfacher. Der Anleger kaufte Aktien und freute sich auf das letzte Quartal des Jahres und das erste Quartal des Folgejahres. Denn das war normalerweise der lohnendste Zeitraum. Normalerweise, denn 2008 ist alles anders. Der Dax  verlor in Folge des Misstrauens an den Finanzmärkten bis zu 20 Prozent. Der europäische Index Eurostoxx 50 zeigte sich mit einem Minus 15 Prozent nur wenig stärker. Und in Asien verlor der Nikkei  um 14 Prozent an Wert. Mit anderen Worten - weltweit traten die Aktien die Talfahrt an.

Für einige ging diese Fahrt tiefer als für andere. Der Dax zum Beispiel litt jüngst darunter, dass er 2007 zu den wenigen Gewinnern gehörte und um über 20 Prozent zulegen konnte, während andere Indizes eher auf der Stelle traten. "Das ist eine technische Reaktion auf das gute vergangene Jahr - vielleicht hat auch der französische Banker der Société Générale etwas damit zu tun", meint auch Michael Keppler, Fondsmanager und Chef von Keppler Asset Management. "Immerhin hat der mit Dax-Kontrakten in zweistelliger Milliardenhöhe jongliert".

Tatsächlich zeigten sich die Vorjahresverlierer im noch jungen Jahr 2008 vergleichsweise robust - teilweise auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar. Der spanische Ibex 35 zu Beispiel fiel nur um rund 12 Prozent - obwohl die spanische Wirtschaft an einem überhitzten Immobilienmarkt krankt und der für die Gesamtwirtschaft wichtig ist. Der Anteil des Bausektors am Bruttoinlandsprodukt liegt dort bei rund 16 Prozent. In Deutschland sind es nur rund 10 Prozent. Aber auch der US-Index Dow Jones  musste weniger Verluste einstecken als der Dax. Gleichviel, für die Zukunft der Märkte bedeuten solche Vergangenheitswerte wenig.

Die aktuelle Situation ist für viele Aktienfondsmanager ein Alptraum, denn Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht, wenn Europa, Asien und Amerika gleichermaßen fallen. Obwohl, ganz so will Keppler das nicht stehen lassen. "Streuung bedeutet auch zeitliche Diversifikation, sprich Aktienanlage langfristig zu betrachten", sagt Keppler. "Bei einem Investmenthorizont von zehn Jahren aufwärts sehe ich keine Probleme." Und auch ein Index stellt nur einen Querschnitt der Aktien dar. Das bedeutet nicht, dass auch alle Aktien im Gleichschritt sinken. Anlagechancen müsste es also weiterhin geben. Im besagten Schnitt zumindest erwarten viele Experten in den nächsten sechs Monaten weiterhin volatile Aktienmärkte.

Damit kommen nicht alle Fondsmanager zurecht. Sei es aus individuellem Unvermögen, sei es wegen Vorgaben des Arbeitgebers. Wer genauer hinsieht, stellt dann auch fest, dass viele Fonds dem Index doch näher stehen als gedacht. Mit anderen Worten - vom Börsengeschehen können sich die wenigsten wirklich nachhaltig lösen. "Die Leute haben einfach verlernt, genau hinzusehen. Die haben Kreditpakete gekauft, mit Triple-A-Rating und roter Schleife und es sich ins Regal gestellt", sagt Keppler." Doch dann fing es an zu stinken und beim Öffnen sahen sie, dass das eher Triple-D war."

Hohe Risikoprämien

Hohe Risikoprämien

Am einfachsten wäre es also, wenn die Aktien nun wieder geschlossen aufwärts marschieren würden. So wie es 2003 bis 2006 war. Doch das scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Denn erst einmal muss das Vertrauen in die Märkte nachhaltig wiederkommen. Solange bleibt es unruhig, wenngleich Verluste in Höhe von jenen zu Jahresbeginn unwahrscheinlich sind. Auch Richard Urwin, Chefstratege von Blackrock, erwartet eine unruhige Zeit.

Zwar sei die Risikoprämie für Aktien im Vergleich zu Anleihen schon hoch, sagt er. Der Markt habe böse Überraschungen also bereits in die Kurse eingerechnet. Doch die Entwicklung der Unternehmensgewinne und das schwierige zyklische Umfeld könnten ein Problem werden. Könnten. Unter dem Strich empfiehlt Urwin, lieber jetzt als später zu den Aktienkäufern zu gehören. Auch Andreas Utermann sieht bereits jetzt "selektiv interessante Kaufgelegenheiten" für langfristig orientierte Anleger. Utermann ist oberster Aktienstratege der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Und Keppler ergänzt: "Viele Aktien sind um 30 Prozent gefallen, das können nun Käufe sein." Risiken gehören dabei zum Geschäft. "Die Deutschen wollen Aktien mit Garantien. Aber das ist keine Aktie mehr, das ist ein teures Sparbuch."

Etwas vorsichtiger sind die Behavioristen. Sie hören auf des Anlegers Stimme und die klingt aktuell verschnupft. Vor allem wegen des Dax. Der ist 2006 und 2007 besser gelaufen als andere Indizes. Und da Anleger psychologisch gesehen dazu neigen, eher Gewinne zu realisieren als Verluste, winken die Experten von Conquest ab, wenn es um den deutschen Vorzeigeindex geht.

Wohl also jenen Unternehmen, die für jede Stimmung das passende Produkt anbieten. Die Commerzbank  beispielsweise bewirbt auf ihrer Homepage ein Bonuszertifikat, das in Turbulenzen Sicherheit bieten sollen. Zumindest das Marketing funktioniert also auch in unruhigen Zeiten.

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