Mittwoch, 23. Oktober 2019

Vorsorge "Geld macht Frauen nicht sexy"

Viele Frauen geben ihr Geld lieber aus, anstatt für das Alter zu sparen. Das hat viel mit dem Frauenbild in unserer Gesellschaft zu tun, sagt Finanzexpertin Mechthild Upgang und warnt: Drei Viertel der heute 35- bis 50-Jährigen droht im Alter eine Rente unter Hartz-IV-Niveau.

mm.de: Frau Upgang, Sie haben 1999 den Bundesverband der unabhängigen Finanzdienstleisterinnen gegründet. Ein Ziel war es, einen Beitrag zu größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Frauen zu leisten. Ist das Ihrem Verband gelungen?

"Die Wirkung vermittelter Frauenbilder ist auf den Umgang der Frauen mit Geld nicht zu unterschätzen": Frauen haben ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer und müssen deshalb anders beraten werden, sagt Finanzexpertin Upgang. Die Unternehmerin hat den Bundesverband unabhängiger Finanzdienstleisterinnen gegründet.
Upgang: Es hat sich sicherlich einiges bewegt in den vergangenen Jahren. Nehmen wir das Beispiel der jetzt verbindlichen Unisex-Tarife in der Riester-Rente. Hier haben die "Finanzfachfrauen" genauso wie unser Verband versucht, für mehr Verständnis in Politik und Versicherungswirtschaft zu sorgen, dass Frauen bei der Tarifgestaltung gegenüber den Männern eben gleichberechtigt zu behandeln sind.

Und wenn es jetzt in vielen Frauenzeitschriften eine Finanzseite gibt, oder Banken spezielle Seminare für Frauen anbieten, dann ist das sicherlich auch ein Ergebnis dieser Entwicklung, die wir mit angestoßen haben. Jenseits dieser Arbeit versuchen wir in unseren täglichen Beratungsgesprächen, die konkreten Bedürfnisse von Frauen anzusprechen und ihnen in der Altersvorsorge gezielt zu helfen. Unter dem Strich betrachtet sind wir sicherlich ein gutes Stück weitergekommen.

mm.de: Ratgeber, Finanzbriefe, Internetforen, Umfragen, wissenschaftlich-historische Konferenzen - Frauen und Geld, das ist ein Thema. Was legitimiert diesen geschlechtsspezifischen Fokus, gehen Frauen mit Geld anders um als Männer?

Upgang: Frauen gehen mit Geld grundsätzlich schon deshalb anders um als Männer, weil sie in der Regel in anderen ökonomischen Zusammenhängen leben. Das heißt, sie agieren völlig realitätsnah.

mm.de: Was meinen Sie damit?

Upgang: Wenn zum Beispiel junge Frauen mit Familienwunsch und einem noch vergleichsweise niedrigen Einkommen zu uns in die Beratung kommen, dann wollen sie ihr Geld anders angelegt wissen als der junge Mann, der in erster Linie seine Karriere plant. In diesem Fall achten Frauen sehr darauf, dass das Geld zwischenzeitlich verfügbar ist. Sie sind weniger bereit, größere Summen monatlich zu binden und scheuen risikoreichere Investments.

mm.de: Sie sind Unternehmerin, leiten eine Finanzberatung, die sich auf individuelle Vorsorgekonzepte für Frauen konzentriert. Lassen sich Frauen in Geldfragen lieber von Frauen beraten?

Upgang: Wir beschäftigen mittlerweile auch Berater. Bei unseren Kundinnen stößt das auf große Akzeptanz, das hatten wir so nicht erwartet. Dennoch gibt es Frauen, die sich ausschließlich von Frauen beraten lassen möchten. Der primäre Fokus unserer Kundinnen und Kunden ist aber nicht das Geschlecht des Menschen, der ihnen gegenübersitzt, sondern die Beratungsqualität. Unsere Erfahrung ist, wer schlecht berät, wird beim Kunden keinen Blumentopf gewinnen, gleich ob es ein Mann oder eine Frau ist.

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