Donnerstag, 18. Juli 2019

Immobilienmärkte Europas Betonblasen

4. Teil: "Ernst zu nehmendes Ansteckungsrisiko"

"Ernst zu nehmendes Ansteckungsrisiko"

Die Kreditversicherung Coface befürchtet eine Zunahme der Kreditausfälle - bisher noch seltene Ausnahmen - und hat Spanien deshalb in ihrem Länderrating auf eine negative Watchlist gesetzt. "Spanien teilt den gefährlichen Cocktail aus Immobilienblase und Verschuldung der privaten Haushalte mit den USA und Großbritannien", erklärte Coface-Chefökonom Yves Zlotowski.

Sollten die Immobilienpreisblasen in Europa nicht von selbst platzen, könnte die US-Krise nachhelfen. Zum einen macht die strengere Kreditvergabe der Banken den Immobilienkauf teurer. Zum anderen würde eine Abnahme der Exporte die europäische Wirtschaft bremsen. Und schon das bloße Beispiel aus Amerika beschädigt das Vertrauen der Investoren in weiter steigende Preise.

Ein "ernst zu nehmendes Ansteckungsrisiko" hat Immobilienanalyst Tobias Just von der Deutschen Bank festgestellt. Auch wenn die Wohnungsmärkte in Florida und Schottland auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, gebe es "einen engen Zusammenhang zwischen amerikanischen und europäischen Wohnimmobilien". Eine Veränderung der amerikanischen Wohnungspreise um 1 Prozent bewege zum Beispiel die spanischen Preise um 1,3 Prozent in dieselbe Richtung. Die Ansteckungsgefahr könnte sogar den deutschen Markt treffen, der aus eigener Kraft eher vor einem soliden Aufschwung stehen würde.

Die gute Nachricht: Eine entscheidende Zutat zum US-Krisenmix fehlt in Europa. Der amerikanische Immobilienabschwung hat den internationalen Kreditmarkt vor allem wegen der vielen Subprime-Hypotheken so hart getroffen - Krediten an Schuldner, die von vornherein als kreditunwürdig eingestuft wurden. Auf dem Alten Kontinent gibt es zwar auch Hypothekenkredite mit besonders hoher Ausfallgefahr. Ganz so innovativ waren die hiesigen Banken aber nicht.

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