Samstag, 21. September 2019

Immobilienmärkte Europas Betonblasen

3. Teil: Fünf Länder mit Spekulationsblasen

Fünf Länder mit Spekulationsblasen

In fünf Ländern haben sie besonders "übertriebene" Preise gefunden: In Belgien, Dänemark, Großbritannien, Schweden und Spanien fiel der Anstieg 40 bis 50 Prozent höher aus als erwartet. In Deutschland dagegen lag er um 25 Prozent unter der Vorhersage des Modells. Die größte Überraschung der Studie sind Irland und die USA: Dort finden Miles und Pillonca fast den gesamten Preisanstieg fundamental begründet - was die Preise nicht davon abhält, wieder zu fallen. Schließlich sind sie weit über das Trendwachstum hinausgeschossen.

Spaniens Premier Zapatero: "Eine derartige Krise ist undenkbar"
Auch die Experten von ABN Amro halten britische Häuser für um 50 Prozent überbewertet, im Vergleich zu 25 Prozent in den USA. Neben Großbritannien gilt vor allem Spanien als Kandidat für das Platzen einer Spekulationsblase. Jährlich entstehen rund 800.000 neue Wohnungen, mehr als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen - und das in einem Land mit 45 Millionen Einwohnern.

In den vergangenen Jahren legten die Hauspreise mit zweistelligen Raten zu. In diesem Jahr rechnet die Regierung noch mit einem Plus von 5 Prozent, für 2008 erwartet sie eine Stagnation. In Madrid, Barcelona und an der Mittelmeerküste fallen die Preise jedoch bereits. Wer sich ein Ferienhaus an der Costa del Sol oder auf den Balearen als Investment zugelegt hat, dürfte den günstigsten Zeitpunkt zum Verkaufen verpasst haben. Makler und Bauentwickler gehen schon reihenweise Pleite.

"Von schweren Korrekturen oder einem Abschmelzen der Preise zu sprechen, ist lächerlich", erklärte dagegen jüngst David Taguas, der Wirtschaftsberater des Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. "Eine derartige Krise ist undenkbar." Für die spanische Wirtschaft, die noch mit stolzen 3,8 Prozent wächst, fällt die wichtigste Stütze weg. Der Bausektor trägt 16,5 Prozent zur Wertschöpfung bei, viel mehr als in anderen Industrieländern.

Hinzu kommt, dass die steigenden Preise die Spanier ermutigt haben, sich stärker zu verschulden. Die privaten Haushalte stehen mit 130 Prozent ihrer verfügbaren Jahreseinkommen in der Kreide, vergleichbar mit den Amerikanern (138 Prozent) und den Briten (163 Prozent). 95 Prozent der spanischen Hypotheken sind variabel verzinst, dürften die Schuldner also teurer kommen, während der Wert ihrer Häuser nicht mitzieht.

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