Mittwoch, 20. November 2019

Immobilienmärkte Europas Betonblasen

2. Teil: Korrektur dringender als in den USA

Korrektur dringender als in den USA

Ein weiterer Unterschied: Der auf den Crash folgende Immobilienboom fiel auf der Insel umso stärker aus. Nirgendwo auf der Welt ist Wohnraum teurer als in der Londoner Innenstadt. Bereits 2004 galt der Markt als überhitzt, ein Abschwung schien sich anzukündigen. Die Bank of England senkte rasch den Leitzins in der Hoffnung auf eine sanfte Landung. Doch der Immobilienmarkt setzte zu einem noch stärkeren Boom an.

Traum vom Eigenheim: Für immer mehr Europäer unerschwinglich
In den vergangenen zehn Jahren sind britische Häuser nach dem Index der Zeitschrift "Economist" um 211 Prozent teurer geworden. Der Preis hat sich real, also nach Abzug der allgemeinen Inflation, mehr als verdreifacht. Das lässt die Verdopplung, die in den USA zum Kollaps führte, blass erscheinen. Selbst der Case-Shiller-Hauspreisindex für zehn amerikanische Boomstädte verzeichnet nur ein Plus von 171 Prozent.

Großbritannien steht in Europa nicht allein. Auch in Dänemark, Belgien, Schweden, Frankreich und Spanien sind die Hauspreise schneller gestiegen als in den USA, in den Niederlanden ebenso schnell. In Irland wuchsen sie gar um rekordverdächtige 251 Prozent. Das irische Durchschnittshaus kostet heute knapp 400.000 Euro - fast doppelt so viel wie in Deutschland, dem einzigen Land, das in den vergangenen zehn Jahren einen realen Preisrückgang erlebte.

Ist eine Korrektur also in manchen europäischen Ländern noch dringender nötig als in den USA? Das wäre eine schlechte Nachricht, bedenkt man, wie stark die beginnende US-Immobilienkrise die internationalen Finanzmärkte schon in Not gebracht hat. Doch genau zu diesem Ergebnis kommen Morgan-Stanley-Ökonom David Miles und sein Kollege Vladimir Pillonca in einer neuen Studie.

Dabei berücksichtigen sie schon Gründe, die schnell steigende Hauspreise rechtfertigen. Denn der Immobilienboom findet gerade in den Wachstumsländern Europas statt. Miles und Pillonca haben ausgerechnet, welchen Anteil des Preisanstiegs wachsende verfügbare Einkommen, Bevölkerungswachstum, sinkende Zinsen und das Angebot an Wohnraum erklären. Was übrig bleibt, rechnen sie der Spekulation zu.

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