Lottomillionen Gewonnen - und dann?

Millionen Deutsche träumen vom Gewinn des 43-Millionen-Euro-Lotto-Jackpots. Aber die wenigsten haben eine ernsthafte Vorstellung davon, was danach zu tun ist. Wie ist das Geld am besten zu investieren? Und wichtiger noch: Wem kann dabei vertraut werden? manager-magazin.de gibt Antworten.

Hamburg - Ganz gleich, wie geheim Sie Ihren Millionengewinn halten, ein Gratulant ist Ihnen schon sicher: Der Kundenberater Ihrer Hausbank. Kaum ein deutsches Geldinstitut, bei dem im Falle einer 43-Millionen-Euro-Überweisung nicht die Alarmglocken schrillen.

Ganz Deutschland träumt zurzeit von dieser Überweisung. Seit dem 24. Oktober ist es niemandem mehr gelungen, die sechs Lottozahlen mitsamt der dazugehörigen Superzahl richtig vorherzusagen. Jetzt liegen 43 Millionen Euro im Pott - so viel wie noch nie in 50 Jahren Lotto in Deutschland.

Doch was tun, wenn es wirklich klappt? Wohin mit dem Geld? Und vor allem: Wem vertrauen, wenn es um die richtige Portfolioaufteilung geht? Neumillionären können diese Fragen durchaus Kopfzerbrechen bereiten. Nicht jeder ist schließlich an schnellen Autos, Schmuck und Motorjachten interessiert, mit denen sich das Geld recht einfach verjubeln ließe.

Klar ist: Die Gratulation zum Lottogewinn ist - sofern gewünscht - das Letzte, was Sie vom Finanzberater Ihrer Bankfiliale hören. 43 Millionen Euro haben oder nicht haben, das macht schließlich einen Unterschied. In der Bankenwelt ist es jener zwischen dem gemeinen Schalterkunden und dem vermögenden Privatkunden. Letzterer wird beispielsweise von der Deutschen Bank auf Wunsch in der diskreten Atmosphäre des "Private Wealth Management" betreut. Nicht nur die Beratung ist dort nach Aussage eines Sprechers "sehr individuell" - die Gebührenstruktur ist es ebenfalls.

Family Office Manager horchen auf

Doch nicht nur Banken nehmen sich für Ihre Beratung künftig besonders viel Zeit. Unzählige private Anlageberater und Vermögensverwalter sind Ihnen auf Wunsch ebenfalls zu Diensten. Seit vergangenem Samstag hat der Lotto-Jackpot zudem eine Dimension erreicht, die auch die elitären Manager sogenannter Family Offices, die sich sonst um die Kapitalmehrung der wirklich reichen Dynastien hierzulande kümmern, aufhorchen lässt.

"Ab einem liquiden Vermögen von 40 bis 50 Millionen Euro halten wir es für sinnvoll, einen professionellen Family Office Manager zu engagieren", sagt Stefan Freytag, Vorstandschef der Münchener Wilhelm von Finck AG, einem der bundesweit führenden Anbieter solcher Rundum-sorglos-Pakete für private Großanleger, gegenüber manager-magazin.de.

Kurzum: Legionen von Beratern buhlen um die Gunst neureicher Lottokönige. Alles Experten, alle ausschließlich um den Wohlstand ihrer Kunden besorgt, keine Frage. Da kann es schon mal schwerfallen, den Überblick zu bewahren. "Die Unterscheidung zwischen seriösen und unseriösen Beratern ist nicht einfach", bestätigt der Münchener Vermögensverwalter Hannes Peterreins. "Ratsam ist es in jedem Fall, nichts zu überstürzen. Bevor man jemandem sein Geld anvertraut, sollte man ausgiebig recherchieren und so viele Referenzen wie möglich einholen."

70.000 Euro pro Monat - ohne Risiko

70.000 Euro pro Monat - ohne Risiko

Einen Hinweis gibt laut Peterreins stets, mit welcher Offenheit das Thema Kosten und Gebühren behandelt wird. "Es gibt Banken, die laufende Gebühren selbst auf Nachfrage verschweigen", sagt der Experte. "Dass das nicht seriös ist, liegt auf der Hand."

Bleibt die Frage, wie das Geld im Idealfall anzulegen ist. "Die Aufteilung des Portfolios hängt vor allem vom Anlagehorizont und der Risikoneigung des Investors ab", sagt Peterreins. "Wer vollständig auf Nummer sicher gehen will, kann es sich leicht machen: Tagesgeldkonten bringen zurzeit 4 Prozent Verzinsung. Wer den gesamten Jackpot so anlegt, hat nach Steuern pro Monat 70.000 Euro zur Verfügung - ohne Kapitalverzehr."

Den meisten dürften allerdings auch risikolose 35.000 Euro monatlich ausreichen. Ihnen bleiben gut 20 Millionen Euro zur Anlage in Assets verschiedener Risiko-Renditeklassen. Peterreins rät, davon 20 Prozent in illiquide Anlagen wie Immobilien oder Hedgefonds zu investieren. "Der Rest sollte sich auf Aktien, Rohstoff-ETFs und europäische Staatsanleihen sowie inflationsgesicherte Anleihen verteilen", so der Vermögensverwalter.

Eine Rücksichtnahme auf die aktuellen Turbulenzen an den Kapitalanlagemärkten hält Peterreins für unangebracht. "Wir sprechen von einer langfristigen Anlage", sagt er. "Da sollten Aktien in jedem Fall übergewichtet werden. Taktische Überlegungen machen ohnehin lediglich 2 Prozent des Anlegeerfolgs aus, das haben Studien erwiesen."

Situation wie in den 30er Jahren

Eine alternative Portfolioaufteilung hat Eberhard Weinberger, Vorstand der Dr. Jens Erhardt AG, in petto. Sein Vorschlag: 20 Prozent Gold, 10 Prozent Rohstoffe, 10 Prozent Immobilien, 10 Prozent Investments im Agrarsektor, 15 Prozent Dividendenfonds und 15 Prozent Fonds, die in Schwellenländer investieren. Den Rest rät Weinberger vorerst liquide zu halten, "weil die Zeiten derzeit unsicher sind".

"Für Gold sprechen sowohl fundamentale Gründe als auch die aktuelle Inflationsentwicklung", begründet der Experte seinen Entwurf. "Zudem senkt das niedrige Zinsniveau die Opportunitätskosten dieser Anlageform." Bei den Immobilienanlagen mahnt er indes zur Vorsicht: "Dort muss genau selektiert werden. Von angelsächsischen Märkten sowie insbesondere Spanien sollten Anleger momentan besser die Finger lassen. Die Risiken sind aufgrund der Marktentwicklungen zu hoch." Attraktiv erscheinen Weinberger dagegen der deutsche sowie einige asiatische Immobilienmärkte.

Auch für Dividendenfonds spricht laut Weinberger derzeit einiges. "Wir haben eine Situation ähnlich wie in den 30er Jahren", sagt er. "Auch seinerzeit waren nach dem großen Börsencrash vor allem Dividendentitel erfolgreich." Zudem haben nach seiner Beobachtung viele Unternehmen in letzter Zeit ihre Bilanzen entschlackt und generieren gute freie Cash-Flows, was die Dividendenauschüttungen absichert. "Vor allem Bluechips halte ich für aussichtsreich", so Weinbergers Fazit.

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