Kreditkrise "Es war alles zu einfach"

Die Ursachen der Kreditkrise sind in seinen Augen nicht so kompliziert, wie viele es behaupten - Kredite wurden eben an die Falschen ausgegeben, sagt Ralph Divino. Doch genau darin sieht der Anleihenexperte von Blackrock im Gespräch mit manager-magazin.de auch Chancen.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Mr. Divino, was macht die US-Zentralbank, die Fed - senkt sie dieses Jahr noch einmal die Zinsen?

Divino: Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt. Die Märkte scheinen das ja vorwegzunehmen, haben die Fed ja schon zur letzten Senkung quasi gezwungen. Die Bank steht dabei in einem inneren Widerstreit: Sie soll das System mit ausreichend Liquidität versorgen, aber die Wirtschaft auch vor langfristiger Inflation schützen. Diese Balance könnte das Senkungspotenzial verringern.

Außerdem: Wenn sie auf die Marktverhältnisse eher kurzfristig reagiert, könnten die Anleger von der Anzahl der möglichen künftigen Zinssenkungen enttäuscht sein.

mm.de: Und was wird sie tun?

Divino: Für unseren Ansatz ist das egal. Bei Blackrock arbeiten wir normalerweise nicht mit der Duration oder der Vorhersage von Zinsentscheiden. Auf die Fed zu wetten, ist doch riskant. Lieber setzen wir auf attraktive Sektoren und Subsektoren.

mm.de: Sie werden sie uns verraten.

Divino: Gerne. Anleihen der Emerging Markets zum Beispiel halten wir für sehr attraktiv. Die Länder haben ihre Wirtschaft aufgeräumt. Sie finanzieren inzwischen unser Defizit, verleihen Geld und besitzen 75 Prozent der Weltwährungsreserven.

mm.de: Sie legen das Geld also in lokaler Währung an?

Divino: Genau. Damit umgehen wir das Dollar-Risiko. Und Sie erhalten neben dem Zinsertrag ein Aufwertungspotenzial. Denn die meisten Länder werden sich früher oder später vom Dollar lösen. Und dann dürfte die lokale Währung aufwerten.

mm.de: Was lässt sich sonst aktuell am Anleihenmarkt machen?

Divino: Linkers, inflationsgebundene Anleihen, sind interessant. Bei drohender steigender Inflation sind sie eine natürliche Absicherung gegen Kaufkraftverluste. Außerdem sind sie kaum korreliert zu Aktien.

mm.de: Steigt die Inflation denn tatsächlich dauerhaft?

Divino: Rohstoffe werden auf jeden Fall nicht billiger, dafür sorgt schon der Hunger von China und Indien. Dazu kommt der inflationäre Druck aufgrund der steigenden Nachfrage nach Agrarrohstoffen. Das mag Folgen für die Entwicklung der Preise von Molkereiprodukten und Fleisch weltweit haben. Strategisch ist eine Linkers-Beimischung daher gut.

Wo bleiben die Modethemen?

mm.de: Wenn man zu den Aktien schaut, gibt es immer wieder Trends oder Moden. Vor einem halben Jahr waren Immobilienaktien zum Beispiel ein "must", heute will sie niemand haben. Gibt es das bei den Anleihen auch?

Divino: Abgesehen von den Marktzyklen, die es hüben wie drüben gibt, nein.

mm.de: So gar kein Modethema wie BRIC oder Next11 am Horizont zu sehen?

Divino: Nein. Allerdings werden immer mehr Länder gerade in den Fokus des Emerging-Markets-Investors kommen, die jetzt noch nicht zu sehen sind. Das hat etwas von Next11, wenn Sie so wollen.

mm.de: Blicken wir zurück auf den Beginn der Kreditkrise - wo liegen die Wurzeln des Problems?

Divino: Der Kern des Problems ist "bad lending", schlechte Kredite an Leute, die sie sowieso nicht zurückzahlen können. Das ändert sich nun, allein mit dem Führerschein bekommt man keinen Kredit mehr. Das sind die guten Seiten der Krise.

mm.de: Und für Anleger?

Divino: Das Risikomanagement ist jetzt wieder wichtiger geworden. Die vergangenen Jahre waren wohl alles andere als normal, und alles war zu einfach; da entwickelte sich alles synchron. Nun sind wir wieder in der Normalität zurück.

mm.de: Der um sich greifende Trend zur Verbriefung ist kein Problem?

Divino: Aus meiner Warte waren die schlechten Kredite das Kernproblem.

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