Abgeltungsteuer "Das wird extrem schwierig für die Anleger"

Die Abgeltungsteuer kommt - und dürfte das Verhalten der Anleger ähnlich ändern wie seinerzeit der Wegfall des Steuerprivilegs der Lebensversicherung, sagt Eckhard Sauren, selbstständiger Dachfondsmanager aus Köln.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Sauren, bricht die große Zeit der Dachfonds an?

Sauren: Eigentlich hat sie das schon; wir verbuchen täglich neue Mittelzuflüsse in unsere Dachfonds. Und das dürfte noch mehr werden bis Ende 2008. Das ist ähnlich wie seinerzeit 2005, als das Steuerprivileg der Lebensversicherungen fiel und die Leute sehr viele Lebensversicherungen kauften. Ein echter Nachfragetreiber. 2009 wird es dann wieder ruhiger werden.

mm.de: Wie sieht denn die deutsche Fondslandschaft in ein paar Jahren aus?

Sauren: Es wird deutlich mehr Dachfonds geben als jetzt. Vielleicht tausend, das weiß keiner.

mm.de: Früher hieß es immer, Anleger sollten ein, zwei solide Basisinvestments halten und dazu ein paar riskantere Satellitenanlagen. Ist das nun hinfällig?

Sauren: Ich denke, die Anleger werden stattdessen künftig zwei, drei Vermögensverwalter oder Fondsmanager haben, die ihr Geld anlegen. Mehr braucht es künftig nicht.

mm.de: Also keine Exoteninvestments mehr?

Sauren: Davon halte ich sowieso nichts. Warum sollte man 80 Prozent seines Vermögens seriös investieren und die restlichen 20 Prozent in Optionsscheine stecken? Das erhöht nur das Risiko.

mm.de: Aber bislang galt es doch als Dogma, mit einem kleinen Teil des Vermögens riskante Investments zu fahren.

Sauren: Da waren wir schon immer anderer Meinung. Es wird allein auf die Gesamtallokation ankommen. In unserem Buch "Das Sauren Fonds-Konzept" gehen wir auf die enorme Wichtigkeit einer vernünftigen Asset Allocation für den langfristig erfolgreichen Vermögensaufbau ein. Schließlich trifft man künftig vor dem Hintergrund der Abgeltungsteuer eine Entscheidung für Jahrzehnte.

"Nicht nur der Steuer wegen"

mm.de: Kein Wunder, dass Sie als Dachfondsmanager so optimistisch wirken.

Sauren: Nun, die Regierung hat doch allen viel Zeit gelassen. Jeder kann sich darauf einstellen, Anbieter wie Anleger.

mm.de: Ein gutes Jahr Zeit haben Anbieter wie Anleger in der Tat noch. Soll man sein Geld eigentlich bereits jetzt umschichten?

Sauren: Jetzt ist es eine ideale Zeit, denn noch ist das Angebot nicht so groß und unübersichtlich, wie ich es für die Zukunft erwarte. Dann wird es für die Anleger extrem schwierig werden, weil die Auswahl steigt und die Unterscheidbarkeit sinkt. Und außerdem muss der Investor sein Geld wegen der Steuer ja nun sehr lange anlegen, jahrzehntelang. Da muss er sich vorher informieren.

mm.de: So wie Sie, die die große Bedeutung des Managers für die Qualität des Fonds hervorheben?

Sauren: Ja. Sie sollten wissen, wem Sie Ihr Geld geben. Welche Erfolge diese Person hat, woran das lag. War es Glück oder Können?

mm.de: Wenn immer mehr Menschen Dachfonds kaufen, besteht dann nicht die Gefahr, dass diese Produkte mit Geld überflutet werden und diese dann unbeweglich werden?

Sauren: Die Gefahr sehe ich nicht. Anders als ein Aktienfonds kann sich ein Dachfonds die Preise nicht selbst kaputt machen. Und eine Verwässerung ist kein bedeutendes Thema. Bis zu 25 Prozent eines Zielfonds darf ein Dachfondsmanager kaufen. Und die auszuschöpfen, nun, bis dahin ist noch viel Luft. Das kann auch nur bei Spezialitäteninvestments passieren. Wichtig ist aber, dass der Anleger sich zum Umbau seines Portfolios nicht nur aus steuerlichen Gründen entschließt.

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