Rente Das Niveau ist kaum zu halten

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, die Deutsche Rentenversicherung hat ihn jetzt geliefert. Das heutige Rentenniveau ist selbst mit privater und betrieblicher Vorsorge kaum zu halten, wie eine groß angelegte Studie zeigt. Vielen Menschen in Deutschland droht Altersarmut.

Hamburg - Trotz Riester-Rente - das Risiko von Altersarmut in Deutschland wächst für weite Bevölkerungsteile. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2005" (Avid), ein Forschungsprojekt der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Aus der Rentenstatistik und anderen Quellen können Experten heute zwar relativ genau die Einkünfte der heutigen Rentnergeneration beziffern. Mit "Avid 2005" habe aber erstmals eine Studie über Modellrechnungen versucht, diese Informationen repräsentativ für die Jahrgänge 1942 bis 1961 zu ermitteln - also Menschen, die in den nächsten fünf bis 25 Jahren in Rente gehen.

Dabei greift die Erhebung nicht nur auf die umfangreichen Umfrageergebnisse von 15.000 Personen in den vergangenen Jahren zurück, sondern ebenso auf zu erwartende Alterssicherungsanwartschaften außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung.

Im Alter weniger Geld

Dabei zeigt sich, dass zwar 95 Prozent der Westdeutschen und nahezu 100 Prozent der Ostdeutschen bei Eintritt in das Rentenalter Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben werden. Viele heute Erwerbstätige in Deutschland werden im Ruhestandsalter allerdings mit weniger Geld auskommen müssen als die heutige Rentnergeneration. Vor allem die Menschen in Ostdeutschland müssen wegen rückläufiger Beitrags- und Beschäftigungszeiten mit weniger Rentenanwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung rechnen.

Und selbst wenn jeder Arbeitnehmer privat zum Beispiel über eine Riester-Rente für das Alter vorsorgen sollte, dürften seine Renteneinkünfte zwischen 5 und 7 Prozent unter dem heute durchschnittlichen Niveau der Ruheständler liegen.

Bedrohlich könnte die Situation im Alter insbesondere für Langzeitarbeitslose, geringfügig Beschäftigte und kleine Selbständige werden, die keinem berufsständischen Versorgungswerk angehören. Diese Gruppen weisen die geringsten Rentenanwartschaften aus und drohen im Alter zum Sozialfall zu werden. Vor einer ähnlichen Entwicklung hat jüngst eine OECD-Studie gewarnt.

Die harten Konsequenzen

Nach wie vor tun viele Menschen nichts

Seit langem fordern Sozialverbände, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Deutsche Rentenversicherung deshalb, Selbständige und Freiberufler ohne obligatorische Altersvorsorge und berufsständische Versorgung in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Experten schätzen ihre Zahl auf rund 2,5 Millionen und damit rund die Hälfte aller Selbständigen und Freiberufler in Deutschland. Die Zahl der Geringverdiener unter dieser Gruppe, die monatlich weniger als 1100 Euro netto im Monat verdienen, soll laut Statistik des Sachverständigenrates mittlerweile bei rund einer Million liegen. Sie können kaum oder gar kein Geld für das Alter zurücklegen.

Zwar ergänzen mittlerweile viele Beschäftigte in Deutschland ihre Rentenanwartschaften über die betriebliche und private Altersvorsorge. So können der Studie zufolge etwa 40 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen auch eine Betriebsrente erwarten. Und gut die Hälfte aller von der Studie erfassten Personen betreibt private Altersvorsorge, zum Beispiel über einen Riester-Vertrag.

Gleichwohl aber tun nach wie vor viele Menschen nichts und verzichten damit auf staatliche Förderungen, weil sie weder privat noch über den Betrieb für das Alter vorsorgen: In Westdeutschland sind es laut Studie 15 Prozent der gesetzlich rentenversicherten Männer zwischen 46 und 50 Jahren, die nicht zusätzlich vorsorgen, im Osten sogar 27 Prozent der Männer. Bei den Frauen liegt die Quote dieser Altersgruppe im Westen bei 24 Prozent und in Ostdeutschland bei 18 Prozent.

Die harten Konsequenzen

Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Wer in dieser Altersgruppe heute nicht zusätzlich vorsorgt, kann voraussichtlich nur noch mit 88 Prozent des Alterseinkommens rechnen, das im Schnitt einem Rentner von heute zur Verfügung steht. "Wenn wir auch in Zukunft das heutige Versorgungsniveau im Alter halten wollen, muss mehr zusätzlich vorgesorgt werden", kommentiert Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung, eine Erkenntnis der Studie.

Die aktuell 20 Millionen Rentner in Deutschland werden indes in den kommenden Jahren mit steigenden Renten rechnen können. Das geht aus dem jüngsten Bericht zur Rentenversicherung 2007 hervor, den das Bundeskabinett jetzt vorgelegt hat.

Dank der guten Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung dürften die Altersbezüge der heutigen Rentner in den nächsten 15 Jahren im Schnitt jährlich um 1,7 Prozent steigen, prognostiziert der Bericht. In diesem Jahr sind die Renten nach drei Nullrunden lediglich um 0,54 Prozent gestiegen. Experten von Sozialverbänden erwarten zudem, dass die prognostizierten Rentensteigerungen die Inflation kaum ausgleichen werden.

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