Rentenversicherung Große Versprechen

Einmal einen großen Betrag einzahlen, dann lebenslang Rente mit Überschussbeteiligung beziehen - viele Sparer locken die Versprechen der Rentenversicherer. Doch oftmals sind die Erträge mager. Besser könnten die Versicherten fahren, wenn sie das Geld festverzinslich anlegen.

Hamburg - Die Versprechen der Versicherer sind verlockend: Die Kunden zahlen einmal eine Summe X in eine Rentenversicherung ein und bekommen dafür lebenslang eine garantierte Rente. Obendrauf zahlen die Versicherer dann noch einen Teil der erwirtschafteten Überschüsse an die Versicherten aus - dieser Teil der Rente ist jedoch nicht garantiert.

Die Frage für die Versicherten ist natürlich: Lohnt sich das für mich? Dafür macht es Sinn, sich einmal ein Angebot genauer anzuschauen. Wer als heute 60-Jähriger 100.000 Euro bei einem Direktversicherer anlegt, erhält lebenslang eine garantierte Rente von 390 Euro, mit Überschussbeteiligung können das bis zu 506 Euro werden - sicher ist das aber nicht.

Werden es am Ende wirklich nur die garantierten 390 Euro, bekommt der Sparer erst einmal über 21 Jahre nur sein eigenes Geld zurück - und hat keinen Cent Zinsen bekommen. Um eine Rendite von 2,5 Prozent zu erreichen, müsste die Rente insgesamt 30 Jahre und fast 4 Monate gezahlt werden. Und selbst bei 506 Euro Rente erhalten die Sparer bei der Rentenversicherung mehr als 16 Jahre nur ihr eingezahltes Kapital zurück. Und 2,5 Prozent Rendite erreicht man erst bei einer Laufzeit von über 21 Jahren.

Andersherum gerechnet wird die Unsinnigkeit von Rentenversicherungen noch deutlicher. Wenn Sparer selbst 100.000 Euro festverzinslich zu 4 Prozent anlegen, können sie sich monatlich eine Rente von 333 Euro leisten - ohne das Kapital überhaupt anzugreifen. Das heißt: Das Geld bleibt unangetastet, während es bei der Rentenversicherung in aller Regel verloren ist, wenn der Sparer früh stirbt und keinen entsprechenden Hinterbliebenenschutz vereinbart hat. Und selbst bei einer Rente von 550 Euro reicht das Geld bei einem Festzins von 4 Prozent über 23 Jahre lang.

Die Steuern nicht vergessen

Die Steuern nicht vergessen

In beiden Rechnungen darf man natürlich die Steuern nicht vergessen: Bei einem Rentenbeginn mit 60 Jahren würden 22 Prozent der Rente aus einer privaten Rentenversicherung besteuert werden. Von den 390 Euro würden bei einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent nur rund 26 Euro Steuern abgezogen werden. Wer festverzinslich spart, muss von den Zinsen 25 Prozent an den Staat abgeben. Die 333 Euro würden also um 83 Euro Steuern gemindert werden - dafür ist das Kapital anders als bei der Rentenversicherung allerdings noch vorhanden.

Eine besondere Form der Rentenversicherung gegen Einmalzahlung bietet das Rürup-Modell an. Bei einer Einmaleinzahlung können derzeit 64 Prozent der Beiträge steuerlich abgesetzt werden - begrenzt auf 12.800 Euro für Alleinstehende und 25.600 Euro für Verheiratete. Damit sind Steuerersparnisse von fast 11.000 Euro möglich, die allerdings teuer bezahlt werden. Denn auch die Rentenversicherung an sich wird durch die Rürup-Variante nicht zum Renditeknaller. Das gilt umso mehr, als die Rürup-Renten bereits heute mit 54 Prozent besteuert werden - und dieser Satz steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang an. Auch hier gilt also: Genau nachrechnen und nicht nur an die Steuervorteile denken.

Vor allem Bestandskunden von Lebensversicherern, die in den nächsten Jahren Policen ausgezahlt bekommen, werden jetzt verstärkt angesprochen und auf das Modell der Rente gegen Einmalzahlung hingewiesen. Deshalb gilt: Erst nachrechnen und Alternativen prüfen - dann erst einen neuen Vertrag unterschreiben.

Oliver Mest, ddp

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