Mark Mobius Des Altmeisters neuer Streich

Mark Mobius ist so etwas wie der Altmeister der asiatischen Aktien. Seit über 30 Jahren spürt er lokalen Anlagechancen hinterher. Nun bringt sein Arbeitgeber Franklin Templeton einen Fonds heraus, der an genau das anknüpft, was Mobius seinerzeit bekannt gemacht hat.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Er hat die Wahl - will er sich als Yul Brunner oder als Indiana Jones der Finanzbranche bezeichnen lassen? Beide Namen kursieren, und man darf vermuten, dass Mark Mobius sich von den Vergleichen mit den Filmhelden ein wenig geschmeichelt fühlt. Denn der Fondsmanager tritt gern auch mal etwas unkonventionell auf. Offenes Hemd statt Zweireiher, Amulett statt Krawatte. Er kann es sich leisten.

Er dürfte zu den bekanntesten Gesichtern der Kapitalanlage gehören. Einfach, weil er als einer der ersten Geld in Asien investierte und den Emerging Markets, den aufstrebenden Volkswirtschaften, seitdem treu geblieben ist. Weil er mit dem firmeneigenen Flugzeug den Anlagechancen hinterherjagt. Weil er mit seinem geschorenen Schädel so ganz anders aussieht als das Klischee des unauffälligen Investors. Nun will er zu seinen Wurzeln zurück.

Denn während es zuletzt etwas still um den zierlichen Mann geworden ist, lanciert sein Arbeitgeber Franklin Templeton nun einen Fonds, der genau nach Mobius' Geschmack sein dürfte. Was etwas sperrig Templeton Emerging Markets Smaller Companies Fund heißt, soll einfach Aktien kleiner und damit oftmals unentdeckter Unternehmen in den aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt bündeln.

Bis zu einer Milliarde Euro darf so ein Unternehmen schwer sein. Und die Zeit dafür sei reif, meint Manager Mobius. "Wir sehen derzeit in allen Emerging-Markets-Regionen eine Vielzahl von Investmentgelegenheiten in Small Caps: in Osteuropa, Afrika, Zentral- und Südamerika sowie in der Region Asien/Pazifik. Viele dieser Emerging Markets haben ein robustes BIP-Wachstum, Handelsüberschüsse, hohe Devisenreserven, eine niedrige Inflation und einen hohen Investitionsbedarf - ein Umfeld, in dem Small-Cap-Unternehmen florieren können."

Indiana Jones mit Wirtschaftsabschluss

Indiana Jones mit Wirtschaftsabschluss

Das klingt gewagt. Aber genau dieser aggressive Stil hat Mobius bekannt gemacht - er ging bereits früh dorthin, wo andere zurückzuckten. Und so weist Franklin Templeton auch darauf hin, dass Anleger "bereit sein sollten, für die höheren Chancen eines Investments in Schwellenländer auch ein erhöhtes Schwankungsrisiko in Kauf zu nehmen."

Freilich, einige dieser Risiken wird Mobius über die fondstypische Streuung abfedern. Obwohl gut 70 Prozent der bereits eingeworbenen 400 Millionen Dollar noch nicht investiert sind, hat er den Rest des Geldes in so verschiedene Branchen wie Energie, Transport oder Banken gesteckt.

Bei anderen Gefahren winkt er ab. Beim Währungsrisiko zum Beispiel. "Wir sichern unsere Währungsrisiken deshalb nicht ab, weil das schlichtweg zu kostenaufwendig wäre." Das klingt tatsächlich etwas wie Indiana Jones - Absicherung ist für Verlierer. Aber nach einem Indiana Jones mit Wirtschaftsabschluss.

"Der Hedge kostet normalerweise ebenso viel wie die erwartete Abwertung selbst. Außerdem steht die Absicherung für viele kleinere Währungen in den Emerging Markets nicht zur Verfügung." Es gäbe nur eine Ausnahme: "Stattdessen praktizieren wir eine Methode, die wir Natural Hedge nennen. Sollten unsere Kaufkraftparitätsstudien zeigen, dass die Währung eines bestimmten Landes überbewertet ist und eine Abwertung unmittelbar bevorsteht, so verkaufen wir Titel aus diesem Land, die unter einer Abwertung leiden würden und kaufen gleichzeitig Aktien, denen eine Abwertung förderlich wäre."

Tatsächlich dürften es genau solche Aktien gewesen sein, auf die Mobius zu Beginn seiner Karriere stieß. Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung eben. In der Qualität des Managements gäbe es da genau solche Perlen wie bei den Großen - und auch umgekehrt.

Doch während zum Beispiel in Europa die Zeit der Small Caps abzulaufen scheint, gilt in den Emerging Markets nach Mobius noch eine andere Zeitrechnung. "In Bezug auf Bewertungen hängen diese von den individuellen Märkten ab. In Märkten wie zum Beispiel Russland, der Türkei und Indien werden kleinere Unternehmen im Vergleich mit Großunternehmen mit relativ besseren Bewertungen gehandelt. Das Gegenteil ist der Fall, wenn wir Länder wie Ungarn, Indonesien und Südafrika betrachten."

Vom Tellerwäscher zum Fondsmanager

Vom Tellerwäscher zum Fondsmanager

Von Afrika über Lateinamerika bis Asien; das lässt dem Manager einigen Freiraum bei der Auswahl seiner "Picks", seiner Investments. Unter 17.000 Aktien kann er wählen, hat das Investmenthaus ausgerechnet. Viel Luft und Freiheit auch für Fehler. Seit einiger Zeit hinkt zum Beispiel Mobius' Flaggschiff, der Templeton Emerging Markets dem entsprechenden Index hinterher.

Den Manager, der häufig bereits vor der Arbeit ins Fitnessstudio geht, dürfte das nicht stören. Er hat in seiner Karriere gelernt, dass Geldanlage ein langfristiges Geschäft ist. Einer sehr amerikanischen Karriere. Sein Studium soll Mobius als Tellerwäscher und Klavierspieler finanziert haben. In Hongkong eröffnete er dann eine Agentur für regionale Marktforschung. Und 1987 legte Franklin Templeton den Emerging Markets Fund auf.

Die Zeiten haben sich seitdem allerdings geändert, sagt der Manager in einem seiner seltenen Interviews. Und es klingt fast ein bisschen wehmütig. Früher "waren wir die großen Jungs auf dem Platz, heute sind wir nur ein kleiner Teil eines großen Gebildes." Früher konnte ein Anleger nur in sechs Länder guten Gewissens investieren, heute sind es rund 40. Früher galt ein solches Investment als wagemutig, heute bieten die meisten Fondsgesellschaften entsprechende Fonds an.

Die Zeiten haben sich aber auch für Mobius selbst geändert. Damals war er jünger, heute ist er erfahrener. Damals verantwortete er nur einen Fonds, jetzt sind es zehn. Damals war er ein Niemand, heute fast so etwas eine Ikone. Das verpflichtet.

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