Altersvorsorge Abschied von der Lebensversicherung

Eine aktuelle Studie der Postbank stellt fest, dass die Deutschen inzwischen erkennen, nicht ausreichend Geld für ihr Alter zurückzulegen. Doch was ist wirklich nötig? Vermögensverwalter Markus Zschaber über das Einmaleins des langfristigen Sparens - und die Bedeutung der Lebensversicherung.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Zschaber, die Erkenntnis scheint nun langsam um sich zu greifen, dass wir alle für unser Alter privat vorsorgen müssen. Wie steigt man eigentlich am besten in diesen Prozess ein? Und wann spätestens?

Zschaber: So früh wie möglich. Je früher der Anleger die Möglichkeit hat, Kapital für die Altersvorsorge zurückzulegen, umso besser wird sich seine individuelle finanzielle Situation im Alter gestalten. Und dass so etwas nötig ist, liegt inzwischen auf der Hand.

Bereits heute ist abzusehen, dass die hohe Nachfrage der Rentner nach staatlicher Rente künftig nicht mehr in der Intensität wie zum heutigen Zeitpunkt befriedigt werden kann. Deshalb erklärt ja auch die Regierung, dass private Altersvorsorge zum Beispiel über die Riester-Rente unverzichtbar ist.

Daher muss sich der Anleger zwei Fragen stellen. Zum einen: Welche Leistungen sind im Alter zu erwarten? Und zum anderen: Welche Maßnahmen müssen eingeleitet werden, um den persönlichen Lebensstandard im Alter halten zu können?

mm.de: Und womit startet er am besten?

Zschaber: Ein junger Anleger mit einem Anlagehorizont von über 30 Jahren kann mit einem Fondssparplan mit einem Aktienfonds beginnen. Die Anlage in Aktien ist im langfristigen Vergleich noch immer die attraktivste Anlageform.

Hat Ihr Sparer nur noch einen Anlagehorizont von zehn Jahren, sollte er in vermögensverwaltende Strategien investieren, die einen aktiven Managementansatz verfolgen. Das heißt, sein Kapital wird je nach Marktsituation so ausgerichtet, dass der Partizipationseffekt am höchsten ist. Die sogenannten "Must-have-Produkte" gibt es allerdings nicht, da die Altersvorsorge immer individuell für jeden Anlegertyp zugeschnitten werden muss.

Im Einzelfall ist dann noch zu prüfen, inwieweit der Staat in ihre Altersvorsorge eingebunden werden kann. Zum Beispiel über die Riester-Rente - die kann durch staatliche Zuschüsse ebenfalls einen kleinen Baustein ausmachen.

Viel hilft viel?

mm.de: In welcher finanziellen Größenordnung soll man eigentlich anlegen - einfach nach dem Motto "Viel hilft viel"?

Zschaber: Auch darauf gibt es leider keine pauschale Antwort. Die Statistik sagt, heute müsste ein 27– jähriger Arbeitnehmer, der später einmal die gleiche Rente erzielen möchte wie eine Vergleichsperson im Jahr 2005, gut 6 Prozent seines Einkommens zusätzlich zurücklegen.

Berücksichtigt man dann die zahlreichen Einflussfaktoren wie steigende Gehälter oder Inflation, dann sollte eine flexible Ansparform wie zum Beispiel Fonds gewählt werden. Allerdings gilt: Je mehr ein Anleger für die Altersvorsorge ansparen kann, umso besser wird er im Alter leben können.

mm.de: Muss ich für meine Altersvorsorge also auch mal auf einen Urlaub verzichten?

Zschaber: Jeder Deutsche, der die Möglichkeit hat, für die private Altersvorsorge Kapital zur Seite zu legen, sollte das tun. Entweder mit seinem Vermögensberater oder allein für sich. Natürlich können entsprechende Veränderungen in der Lebenssituation dazu führen, dass temporär entweder die Geldanlage ausgesetzt werden muss - oder der Anleger eben sein Konsumverhalten etwas reduziert. Allerdings sollte die private Altersvorsorge das alltägliche finanzielle Leben nicht so beschneiden, dass sich der Anleger seinen Lebensunterhalt nicht mehr leisten kann.

Um das zu vermeiden, könnte man Sondereinnahmen wie zum Beispiel Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld investieren. Dieses Geld steht ja auch in den "normalen" Monaten nicht zur Verfügung.

mm.de: Banken bewerben ja gern Sparpläne in jeder Form - ist das wirklich so ein gutes Vorgehen? Wenn es auch diszipliniert, so raubt es ja doch Flexibilität.

Zschaber: Generell sind gerade für langfristige Anleger, die einen Anlagehorizont von über zehn Jahren oder sogar mehr haben, Sparpläne durchaus eine sinnvolle Anlagevariante.

Allerdings ist es auch richtig, dass die Flexibilität durch Versicherungsprodukte wie zum Beispiel eine fondsgebundene Rentenversicherung durchaus begrenzt ist. Dennoch hat der Anleger in der Regel auch bei solchen Produkten die Möglichkeit, meinetwegen Sparraten auszusetzen.

Im Bereich der Fondssparpläne kann der Anleger jederzeit die Rate ändern oder den Fonds austauschen. Das finde ich sehr flexibel.

Der eigenständige Anleger

mm.de: Je nach Börsenmode werden auch gern bestimmte Themen verkauft - nehmen Sie Technologie- oder Indien-Fonds. Wer sollte so etwas überhaupt kaufen?

Zschaber: Einzelländer- oder Brancheninvestitionen gehören auch auf Fondsebene zu den sehr spekulativen Anlageformen, da bei ihnen diverse Risikofaktoren wie zum Beispiel Konjunkturverlauf, Geldpolitik, Inflation, Wirtschaftswachstum oder Marktstimmungen bestehen, die ein privater Anleger in der Regel nicht einschätzen kann.

mm.de: Reicht eigentlich ein einziges Produkt, um auf der sicheren Seite zu sein?

Zschaber: Das lässt sich grundsätzlich nicht über die Anzahl der Produkte, sondern nur über die Qualität und den individuellen Ansatz definieren. Nehmen wir einmal den "typischen deutschen Anleger". Der hat in den vergangenen 30 oder 40 Jahren genau eines getan – die Ein–Produkt–Absicherung.

Und das war, neben der Überzeugung, dass die gesetzliche Rente auf Lebenszeit sicher sein sollte, die Lebensversicherung. Sie entsprach den Ansprüchen eines deutschen Anlegers: sicherheitsorientiert, konservativ, aber eben auch ertragsarm. Heute muss der Anleger mehr denn je lernen. Er muss sich eigenständig mit den einzelnen Angeboten der Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und so weiter beschäftigen und versuchen zu verstehen, wobei es bei den einzelnen Anlagen geht.

mm.de: Ist es nicht einfacher, alles in ein einziges Produkt zu stecken, zum Beispiel in einen Mischfonds?

Zschaber: Das geht schon. Es ist dann allerdings sehr wichtig, dass der Sparer nicht ein Produkt auswählt, welches starr als Mischfonds deklariert ist und zum Beispiel immer 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Renten hält. Besser ist eine wirklich flexible Fondslösung, die in Abhängigkeit der jeweils aktuellen Gesamtmarktbedingungen auch zum Beispiel zu 0 Prozent in Aktien oder zu 0 Prozent in Renten investieren kann und somit flexibler ist.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, so eine Fondslösung zu verwalten. Der Anleger sollte daher einen Experten suchen, der das seit mindestens einem Jahrzehnt erfolgreich macht.

Alle sechs Monate zur Kontrolle

mm.de: Was ist mit Bundesschätzen, was mit Tagesgeldkonten, was mit Zertifikaten?

Zschaber: Generell sollten in einem kompletten Anlagekonzept eine Vielzahl an Wertpapieren oder Sparprodukten integriert sein, aber auch hier gilt es, das Konzept je nach individueller Lebenssituation des Anlegers auszurichten.

Bei den Bundesschatzbriefen muss der Anleger auf den entsprechenden Zinssatz achten. Tagesgeld seinerseits sollte gerade für kurzfristige Liquidität genutzt werden. Dort sollte man eine Rücklage von zwei bis drei Monatsnettogehältern parken - für alle Fälle.

Zertifikate sollte nur ein Anleger nutzen, der wirklich eine hohe Expertise in diesem Segment aufweist. Denn zwischen den verschiedenen Zertifikatestrukturen bestehen zahlreiche Unterschiede und auch die steuerliche Situation spielt aktuell eine sehr wichtige Rolle - Stichwort Abgeltungsteuer.

mm.de: Wenn ich Geldanlage in diesem Sinne betreibe - muss ich dann noch eine Versicherung haben?

Zschaber: Mit Sicherheit gehört als "Must-Have-Produkt" die private Haftpflichtversicherung als Basis für die allgemeinen Gefahren im Leben zu jedem Anleger. Darüber hinaus kann auch über eine Hausratversicherung nachgedacht werden, sofern eine entsprechende wertvollere Einrichtung in einer eigen genutzten Immobilie vorhanden ist. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann, je nach Lebenssituation, ebenfalls interessant sein.

Eine Lebensversicherung ist generell zunächst einmal nicht notwendig, da ein Kapitalaufbau für die eigene Altersvorsorge mit den genannten Optionen durchaus attraktiver, vor allem aber flexibler gestaltet ist.

mm.de: Wie oft muss man eigentlich nach dem Rechten sehen?

Zschaber: Generell sollte ein Anleger alle sechs Monate sein Gesamtkonzept mit seinem Vermögensberater kontrollieren und bewerten, ob eventuell Anpassungen vorzunehmen sind. Außerdem kann somit auch bei rechtlichen Veränderungen entsprechend reagiert werden. Die Grundstruktur eines Portfolios sollte aber immer langfristig ausgerichtet sein.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.