Immobilien Makler streiten über Courtage

Seit Kurzem bietet ein Unternehmen Verkäufern die Vermarktung ihrer Immobilie zu einem Pauschalpreis an. Die Firma stellt damit das deutsche Courtagesystem infrage - und versetzt die Makler bundesweit in helle Aufregung.

Hamburg - Alle gegen einen heißt es zurzeit bei den deutschen Immobilienmaklern. Aber nicht gegen irgendeinen. Harald Blumenauer ist ein Urgestein der Szene, seit 40 Jahren im Geschäft, ausgestattet mit der goldenen Ehrennadel des Branchenverbandes IVD.

Blumenauers derzeitige Aktivitäten findet das Gros seiner Maklerkollegen allerdings alles andere als ehrenwert. Gestritten wird um vermeintliche rechtliche Grauzonen, um Beratungsqualität und um den Umfang der Maklerleistung. Vor allem aber geht es um das Allerheiligste der Branche, die Maklercourtage. Blumenauer stellt sie in Frage - und sieht sich dem geballten Zorn der Kollegen ausgesetzt.

Was ist passiert? Blumenauers neues Unternehmen iMakler basiert auf einem in Deutschland ungewöhnlichen Vergütungsmodell. Die Kosten der Immobilienvermarktung richten sich nicht, wie hierzulande sonst üblich, nach der Höhe des Kaufpreises. Stattdessen fällt für den Verkäufer ein erfolgsunabhängiger Pauschalpreis von 995 Euro an.

Für das Geld übernimmt iMakler zwar die Präsentation der Immobilie über geeignete Medien wie vor allem die gängigen Internetplattformen. Verkaufswillige müssen die Interessenten aber beispielsweise selbst durch die Räume führen. Laut Blumenauer hat sich das Konzept in Holland bereits bewährt.

"Ich habe festgestellt, dass im deutschen Maklersystem etwas grundlegend schief läuft", begründet der Immobilienvermittler sein Geschäftsmodell im Gespräch mit manager-magazin.de. "Immer mehr Makler kümmern sich um dieselben Objekte. Der Arbeitsaufwand steigt permanent während das Einkommen stagniert."

"Makler sind in Deutschland zu teuer"

Zudem besteht laut Blumenauer ein krasses Missverhältnis zwischen der wahrgenommenen Leistung des Maklers und der Höhe seiner Vergütung. "Mit Courtagen von bis zu 7 Prozent sind Makler in Deutschland schlicht zu teuer", sagt er. "In einer Umfrage, die wir in Auftrag gegeben haben, haben 75 Prozent der Befragten die Provisionen hierzulande als zu hoch bezeichnet." Es sei daher auch kaum ein Wunder, dass Makler in zu wenige Transaktionen eingebunden werden.

Während im Ausland - beispielsweise in den USA - die Quote der privaten Immobilientransaktionen, die durch Makler begleitet werden, laut Blumenauer bei 90 Prozent liegt, kommt Deutschland auf einen Wert von lediglich 50 Prozent.

Gegen die Höhe der Provisionen spricht nach Meinung von Blumenauer auch, dass viele der traditionellen Maklerdienstleistungen zusehends an Wert verlieren. "Heute können Sie im Internet komplette Exposes veröffentlichen, inklusive eines Rundgangs durch das Objekt sowie einer detaillierten Beschreibung der Makro- und Mikrolage", sagt er. "Dass das Makeln dadurch de facto einfach günstiger geworden ist, muss sich auch im tatsächlichen Preis niederschlagen."

"Makler fürchten um ihre Existenz"

Konkurrenz unerwünscht

Blumenauers Kollegen sehen das anders. Auf der Internetplattform maklersearch.de, die verkaufswillige Immobilienbesitzer nutzen können, um sich einen kompetenten und im Zweifel auch günstigen Vermarktungspartner zu suchen, ist der neue Wettbewerber unerwünscht. "Wir wollen einen einheitlichen Standard an professionellen Maklern auf unserer Plattform haben", sagt Geschäftsführer Daniel Giertz.

"Nur dann können sich unsere Kunden sicher sein, die erwartete, vollständige Maklerleistung zu erhalten, wenn sie bei uns fündig geworden sind." iMakler erfülle diese Anforderungen aufgrund des eingeschränkten Leistungsprofils nicht. Eine Mitarbeiterin von maklersearch.de macht allerdings keinen Hehl daraus, dass Blumenauers Unternehmen aufgrund seiner Preiskonditionen auch eine Konkurrenz darstellt.

Der IVD schießt gegen iMakler indes aus vollen Rohren. In einem Schreiben auf seiner Homepage bezeichnet der Landesverband Hessen/Thüringen das Geschäftsmodell als "Marketing-Gag" und "Mogelpackung", die sich am Markt nicht durchsetzen werde. Laut IVD reicht das Leistungsspektrum von iMakler nicht aus, um Käufer und Verkäufer zufrieden zu stellen. Fraglich sei auch, ob das Konzept "überhaupt im Maklerrecht als zulässig eingestuft werden kann".

"iMakler bietet eine Dienstleistung, die keine Maklerberatung darstellt. Diese Leistung ist im wesentlichen wie bei einer Werbeagentur, die Immobilienverkäufer bei ihrem Marktauftritt begleitet, nicht mehr und nicht weniger", sagt IVD-Geschäftsführer Sven Johns gegenüber manager-magazin.de. "Ein Maklervertrag kommt schon mangels erfolgsabhängiger Vergütung laut BGB nicht zustande. Wer die Dienste des Unternehmens in Anspruch nimmt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er die für eine erfolgreiche Immobilienveräußerung an sich unerlässliche umfangreiche Beratung eines Maklers nicht erhält."

"Makler fürchten um ihre Existenz"

Kämen zum Beispiel Fragen auf zu möglichen Umbauten am Haus oder dem präzisen Verlauf von Grundstücksgrenzen, könnten Privatleute selbst wenn sie seit Jahren ein Objekt bewohnen oft nur mit den Schultern zucken. "Der Makler kennt in der Regel die Antwort", sagt Johns. "Die Höhe der Provision kann ohnehin nur im Verhältnis zur tatsächlichen Leistung beurteilt werden."

Dabei kann der IVD-Geschäftsführer dem iMakler-Konzept sogar etwas abgewinnen. "In Deutschland sind Makler bisher nur an jeder zweiten privaten Transaktion beteiligt", sagt er. "Prinzipiell ist es eine gute Idee, auch an den übrigen 50 Prozent verdienen zu wollen. Es bleibt aber ein Verkauf von privat an privat."

Bleibt die Frage, weshalb der 6000 Mitglieder starke Bundesverband das Unternehmen aus Bad Soden nicht einfach gewähren lässt. Blumenauer glaubt die Antwort zu kennen: "Es gibt zwei Kategorien von Immobilienmaklern in Deutschland", sagt er. "Diejenigen, die wirklich gute Arbeit machen, wollen nicht wahrhaben, dass die Courtage als zu hoch angesehen wird. Und diejenigen, die eher Probleme haben, die Höhe ihrer Vergütung zu rechtfertigen, fürchten schlichtweg um ihre Existenz."

Der IVD dagegen nennt einen anderen Grund: Für Unmut sorgt demnach vor allem, dass iMakler - so ist es den Geschäftsbedingungen zu entnehmen - entgegen den Marketingaussagen sehr wohl weitere Beratungs- und Maklerleistungen anbietet. Über die dafür anfallende Vergütung macht das Unternehmen aber keine Angaben. Auch auf Anfrage von manager-magazin.de wollte sich Unternehmenschef Blumenauer in dem Punkt nicht festlegen.

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