Altersvorsorge Rürup-Rente, welche Rürup-Rente?

"Riestern" kann fast jeder, und immer mehr tun es. Auch die sogenannte Rürup-Rente fördert der Staat. Doch die eigentliche Zielgruppe, Selbständige und Freiberufler, interessiert die Policen kaum. 80 Prozent kennen sie noch nicht einmal, wie eine Umfrage zeigt. Dabei gewährt der Staat satte Steuererleichterungen.

Hamburg - Die Riester-Rente wandelt sich zusehends zu einer Erfolgsgeschichte - zumindest was die Anzahl der Verträge betrifft. Seit 2001 haben die Deutschen 9,7 Millionen dieser staatlich geförderten Altersvorsorge-Kontrakte abgeschlossen, 635.000 davon allein im abgelaufenen Quartal, berichtet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Damit kennt zwar bei weitem nicht jeder Bürger die Riester-Rente und tatsächlich sorgt auch immer noch eine Minderheit der Deutschen über Riester-Produkte für das Alter vor. Dennoch zeigen Aufklärungs- und Werbekampagnen allmählich ihre Wirkung.

Bei der vor knapp drei Jahren eingeführten und mittlerweile runderneuerten Rürup-Rente sieht die Sache anders aus. Die Assekuranz wird nach Verbandsschätzungen bis Ende dieses Jahres etwa 630.000 dieser Basisrenten-Verträge im Bestand halten. Konsens unter Experten ist, dass sich die Rürup-Rente in erster Linie an die Zielgruppe der nicht sozialversicherungspflichtigen Selbständigen und Freiberufler wendet, denn ihnen steht die staatlich geförderte Riester-Rente nicht offen.

Schätzungen und offizielle Statistiken lassen den Schluss zu, dass dieser Berufsgruppe gegenwärtig mindestens rund fünf Millionen Erwerbstätige in Deutschland angehören. Angesichts der Tatsache, dass grundsätzlich auch Arbeitnehmer und Beamte diese private Leibrentenversicherung abschließen können - die Statistik weist sie nicht gesondert aus - darf man durchaus von einem schwachen Durchdringungsgrad der Rürup-Rente in Deutschland sprechen.

Sicher: Steuerlich geförderte Rürup-Produkte sind noch nicht so lange auf dem Markt wie die Riester-Rente, die ebenfalls unter Geburtswehen litt. Auch ist erst seit Ende vergangenen Jahres sichergestellt, dass jeder Euro Beitrag zu einer Rürup-Police von Anfang an bis zu einer Höchstgrenze steuerlich absetzbar ist, wo zuvor noch in vielen Fällen ein Teil der Basisrentenförderung steuerlich verpuffte. Dennoch: Die Rürup-Rente ist bei ihrer eigentlichen Zielgruppe noch nicht angekommen, geschweige denn bekannt. Darauf verweist auch eine jetzt erhobene repräsentative Forsa-Umfrage ausschließlich unter Freiberuflern und Selbständigen im Auftrag der Condor-Versicherung.

Nur 8 Prozent haben eine, 56 Prozent wollen sie nicht

Demnach können knapp 80 Prozent der Freiberufler und Selbständigen in Deutschland nicht erklären, worin sich Riester- und Rürup-Rente unterscheiden. Sie fühlen sich schlecht oder überhaupt nicht über die Vorteile eines Rürup-Produktes informiert. Lediglich 8 Prozent der Selbständigen in Deutschland glauben, über die Basisrente gut informiert zu sein. Während letztere in der Regel auch eine Rürup-Rente abgeschlossen haben, kommt dies für 56 Prozent der Befragten nicht in Frage. 16 Prozent erwägen immerhin den Abschluss, 20 Prozent der Selbständigen wollten sich nicht dazu äußern.

Warum unter Selbständigen und Freiberuflern die Wissenslücken so groß sind beziehungsweise die Rürup-Rente noch auf so wenig Akzeptanz stößt, lässt die Erhebung leider offen. Für Condor-Vorstandschef Peter Thomas steht allerdings fest: "Wir haben hier noch sehr viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn wir können schließlich nur jedem raten, staatliche Unterstützung für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge zu nutzen, anstatt sie zu verschenken."

Nachteile der Basisrente

Restriktiver Charakter schreckt offenbar ab

Eine mögliche Erklärung liegt in dem nach wie vor restriktiven Charakter der Basisrente, die sich eng an der gesetzlichen Rente orientiert. Denn die für steuerliche Förderung einer Rürup-Rente gelten eine ganze Reihe Voraussetzungen.

Der Vertrag muss eine lebenslange monatliche Leibrente zusagen, die frühestens nach Vollendung des 60. Lebensjahres fließt. Im Gegensatz zur Riesterrente ist die Basisrente damit nicht kapitalisierbar, wohingegen der Riester-Sparer zu Auszahlungsbeginn immerhin über 30 Prozent des angesammelten Kapitals auf einmal verfügen kann, wenn er dies wünscht.

Nicht vererbbar, übertragbar, kapitalisierbar ...

Die Leistungen aus einer Rürup-Rente sind nicht übertragbar oder vererbbar, sondern werden ausschließlich an den Versicherten selbst gezahlt, solange er lebt. Mit seinem vorzeitigen Tod ist das Geld verloren. Es fließt dann an den Anbieter und damit an das Versichertenkollektiv zurück. Vertreter der Assekuranz argumentieren gegenüber manager-magazin.de, dieser Nachteil werde dadurch kompensiert, dass die Rürup-Rente im Vergleich zu anderen Produkten, deren Leistungen vererbbar sind, höher seien.

Aufgepasst bei zusätzlichen Bausteinen

Eine Witwen- und Waisenrente, wie sie die gesetzliche Rente per se kennt, gibt es bei der Rürup-Rente so nicht. Allerdings kann der Versicherte eine zusätzliche Hinterbliebenversorgung für seinen Ehepartner oder seine Kinder vereinbaren. Andere Personen sind von diesem Schutz ausgeschlossen. Im Todesfall erhält der Ehepartner dann eine lebenslange Hinterbliebenenrente, die Waisenrente wird maximal bis zum 25. Lebensjahr gezahlt. Beide Renten betragen in der Regel 100 Prozent der garantierten Rente. Mitunter lässt sich aber auch eine niedrigere Witwen- und Waisenrente als zusätzliche Hinterbliebenenrente abschließen.

Zugleich kann der Kunde mit seinem Vertragspartner zusätzlich Risikoschutz für den Fall der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit vereinbaren. Doch aufgepasst: Der Beitragsanteil für Zusatzbausteine wie eine Hinterbliebenen- und/oder Berufsunfähigkeitsversicherung muss weniger als 50 Prozent des gesamten Beitrags zur Basisrente ausmachen. Ansonsten geht die steuerliche Förderfähigkeit des Rürup-Produktes verloren.

Rückkaufswert bei Kündigung nicht vorgesehen

Vor diesem Hintergrund des grundsätzlich restriktiven Charakters der Basisrente versteht es sich indes fast von selbst, dass ein Versicherter seine Rürup-Police auch nicht beleihen oder verkaufen darf, wie dies zum Beispiel bei der klassischen Kapitallebensversicherung möglich ist.

Bei einer Basisrente hat der Versicherte keinen Anspruch auf einen Rückkaufswert. Stellt er seine Beitragszahlung ein oder kündigt der Kunde seinen Vertrag, kommt er an sein Geld nicht heran. Das bis zu diesem Zeitpunkt angesammelte Kapital verzinst sich weiter und wird im Alter als lebenslange Rente ausgezahlt, die dann aber verständlicherweise deutlich niedriger ausfällt.

Sollte die Rente unter 24 Euro monatlich liegen, besteht jedoch die Möglichkeit, sich die Rentensumme mit Eintritt in das Ruhestandsalter in einem Betrag auszahlen zu lassen, wie ein Sprecher des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt.

Vorteile der Basisrente

Die Basisrente geniest allerdings auch Vorteile. Wie die Riesterrente oder Betriebsrenten ist die Rürup-Rente bei Zahlungsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit vor einer vorzeitigen Verwertung geschützt. Das heißt: Weder mögliche Gläubiger, die Agentur für Arbeit noch das Sozialamt haben einen Zugriff auf die Basisrente.

Ein besonderer Vorteil zeigt sich indes in der Beitragszahlung. Einen Mindestbeitrag gibt es nicht. Das bedeutet: Je nach persönlicher Liquidität kann die Höhe der Beiträge variieren. Zudem kann der Versicherte seine Prämien monatlich, halbjährlich aber auch jährlich entrichten. Darüber hinaus hat er die Option, den steuerlichen Förderrahmen durch flexible Einmalzahlungen voll zu nutzen, was vor allem Freiberuflern und Selbständigen mit schwankenden Einnahmen entgegenkommen dürfte. Mehr als 20.000 Euro im Jahr können aber auch sie steuerlich nicht geltend machen.

Damit ist die staatliche Förderung der Basisrente angesprochen. Im Gegensatz zur Riester-Rente fördert der Staat Rürup-Produkte ausschließlich über den steuerlichen Sonderausgabenabzug, Zulagen gibt es nicht.

Die Abzugsfähigkeit ist zeitlich gestaffelt. Im diesem Jahr kann der Selbständige oder Freiberufler, der keine Beiträge in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlt, 64 Prozent der Höchstgrenze von 20.000 Euro (Verheiratete 40.000 Euro) und damit 12.800 Euro (Verheiratete 25.600 Euro) steuerlich geltend machen. Diese Abzugsfähigkeit erhöht sich jährlich um zwei Prozentpunkte - im Jahr 2025 ist damit die volle Abzugsfähigkeit der Beiträge erreicht.

Der rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer kann seine Beiträge zur Basisrente zusammen mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich ebenfalls als Sonderausgaben geltend machen. Das Finanzamt kürzt allerdings die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen um den steuerfreien Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Tabelle im nächsten Teil zeigt, wie eine Rechnung aussehen könnte.

Wieviel Steuern der Kunde sparen kann

In dem Beispiel zahlt der ledige Arbeitnehmer im Jahr 2007 den stolzen Betrag von 7463 Euro in eine Basisrente ein. Dieser Betrag wurde gewählt, um neben den anzurechnenden Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung das Maximum der steuerlichen Abzugsfähigkeit zu verdeutlichen. Jeder Euro, der in diesem Jahr über die Grenze von 7463 Euro hinausgeht, würde sich steuerlich nicht mehr auswirken.

Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und einer privaten Rente unterliegen bekanntlich der nachgelagerten Besteuerung. Voll steuerpflichtig sind demnach alle Renten im Jahr 2040. Bis dahin gilt eine Übergangsregelung. Geht der Versicherte im Jahr 2007 in den Ruhestand, unterliegen 54 Prozent der um den Rentenfreibetrag verminderten und ausgezahlten Rente der Steuer. Der steuerpflichtige Anteil der Rente wird je nach Renteneintrittsjahr festgelegt, damit zugleich lebenslang festgeschrieben und steigt bis 2020 jährlich um zwei Prozentpunkte, danach um einen Prozentpunkt.

Vor diesem Hintergrund könnte eine Rürup-Rente insbesondere für einen älteren Arbeitnehmer interessant sein, der in den nächsten Jahren in den Ruhestand wechselt und hohe Beiträge in eine Basisrente einzahlen möchte. Zum Beispiel auch dann, wenn er sich unter in Kaufnahme eines Rentenabschlags in der gesetzlichen Rentenversicherung vorzeitig in den Ruhestand versetzen lässt und eine etwaige Abfindung seines Arbeitgebers steueroptimiert in eine Basisrente einzahlt - womöglich über einige Jahre verteilt.

Steuerersparnis sollte nicht Hauptmotiv sein

Interessant ist diese Option womöglich deshalb, weil der Versicherte in diesem Jahr 64 Prozent seiner Vorsorgeaufwendungen zur Basisrente steuerlich geltend machen kann, während er aber "nur" 54 Prozent der ausgezahlten Rente zu versteuern hat. Dieses Verhältnis verschlechtert sich allerdings mit zunehmender Zeit und greift für jüngere Versicherte nicht.

Doch Vorsicht: Aus rein steuerlichen Erwägungen sollte kein Versicherter eine Basisrente kaufen, mahnen Verbraucherschützer. Das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten, die zum einen von der persönlichen Einkommenssituation abhängt und zum anderen von weiteren möglichen Aufwendungen, die die Steuerlast eines Arbeitnehmers oder Selbständigen unter dem Strich mindern können. Allgemein verbindliche Ratschläge gibt es daher nicht. Vor allem und nicht zuletzt sollte der Kunde seine Entscheidung von der Leistungskraft eines Versicherers abhängig machen.

Daher empfiehlt es sich, die Frage der Vorsorgeaufwendungen neben einem unabhängigen Berater gegebenenfalls auch mit dem Steuerberater zu klären. Womöglich stellt sich am Ende heraus, dass die klassische private Rentenversicherung dann vielleicht die bessere Alternative ist.

Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, empfehlen Verbraucherschützer und Assekuranz ohnehin, zunächst alle Fördermöglichkeiten der Riester-Rente voll auszuschöpfen, bevor sie ein weiteres Produkt für die private Altersvorsorge in Erwägung ziehen.