Öl-Investment "Viel billiger wird's nimmer"

Öl ist teuer - und wird auch nicht viel billiger, sagt Christian Zimmermann im Gespräch mit manager-magazin.de. Wie der Fondsmanager des Pioneer Global Ecology damit Geld verdienen will und welche Rolle Al Gore dabei spielt.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Zimmermann, das Öl wird immer teurer - ist das für Sie als Fondsmanager nicht auch eine gute Nachricht? Immerhin haben Sie mit Ihrem Pioneer Global Ecology auch Unternehmen wie British Petrol im Visier.

Zimmermann: Lassen Sie es mich so sagen. Das Barrel kostete ja vor gar nicht allzu langer Zeit zehn Dollar - das werden wir nicht wiedersehen. Es ist vielleicht etwas einfach dargestellt, aber so günstig wird das Öl nur, wenn man viele neue Vorkommen entdecken würde. Doch auf dem Festland sehe ich dazu keine Chancen. Wenn es neue Vorkommen gibt, dann liegen sie auf dem Grund des Meeres. Und die Förderung von dort ist nun einmal teurer als die an Land.

mm.de: Es bleibt also bei Preisen wie jüngst gesehen?

Zimmermann: Ich denke schon. Viel billiger wird's zumindest nimmer.

mm.de: Das bringt uns zu den erneuerbaren Energien. Ist Ihnen Al Gore, der seit Jahren auf die Notwendigkeit eines Kurswechsels in Sachen Umweltpolitik hinweist, eigentlich eine Hilfe beim Absatz des Fonds?

Zimmermann: Das hilft schon, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

mm.de: Schauen wir uns mal ein Unternehmen wie BP  an. Auf der einen Seite fördert es Öl, was kaum ein klassisches Investment für einen nachhaltigen Fonds ist. Auf der anderen Seite steht BP inzwischen für "Beyond Petrol", also alles, was über Benzin hinausgeht. Wie muss man so ein Unternehmen einordnen?

Zimmermann: Das ist in der Tat schwierig abzuschätzen. Deswegen greifen wir auf einen externen Dienstleister zurück, der die Vorauswahl für uns tätigt. Seine Einschätzung - BP ist dabei.

Das Dilemma der Branche

mm.de: Provokativ gefragt: Verdienen Firmen wie BP eigentlich mehr Geld, wenn der Ölpreis steigt?

Zimmermann: Nicht unbedingt, viele können die Preissteigerung gar nicht nutzen, weil sie mit den Förderkapazitäten kaum hinterherkommen. Es kostet einfach viel Geld, ein neues Feld zu erforschen und zu erschließen. Und es dauert.

mm.de: Neben BP, das bekanntermaßen ein Großer an der Börse ist, wird der Markt der Nachhaltigkeit doch eher von Unternehmen mit geringere Marktkapitalisierung geprägt. Wie bewegen Sie sich da mit dem Volumen von bald zwei Milliarden Euro, ohne den Kurs der Kleinen zu beeinflussen?

Zimmermann: Da haben Sie Recht, das kann schon einmal schwieriger werden. Wir haben daher auch unsere Strategie etwas geändert. Während wir vor einiger Zeit die meisten Aktien noch nahezu gleich gewichtet haben, kann ich seit März auch unterschiedliche Gewichtungen nutzen. Man könnte natürlich auch die Anzahl der Aktien im Fonds erhöhen; aktuell sind es so um die 80.

mm.de: Bringt der Kauf der Aktien von solchen Kleinunternehmen eigentlich etwas?

Zimmermann: Schon, das ist vor allem eine Wette auf die Zukunft. Im besten Fall werden solche Firmen von den Großen der Branche geschluckt.

mm.de: Ist es für einen nachhaltigen Fonds nicht eigentlich ein Widerspruch in sich, zum Beispiel in Weizenhändler zu investieren? Zwar ist dessen Geschäftsmodell grundsätzlich sicherlich sehr nachhaltig, aber auch der anderen Seite produziert Brasilien inzwischen die Hälfte seines Getreides für Bioethanol - und gefährdet damit die Ernährungssituation in der Welt.

Zimmermann: Das ist schon ein Dilemma. Ich denke aber, man kann dort dennoch investieren. So ist der Auftrag des Investors.

mm.de: Wie sehen Sie die Anlagewelt eigentlich in zehn Jahren - werden wir über nachhaltige Investments da noch gesondert reden?

Zimmermann: Ich denke nein. Vielmehr wird sich so ein Fonds wie der meine dann mit allen anderen weltweit anlegenden Aktienfonds messen lassen müssen. Und umgekehrt wird für diese anderen auch eine gewisse Nachhaltigkeitsprüfung normal sein.

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