Kreditkrise Super Idee Superfonds?

Selbst wenn der Stützungsfonds, den führende US-Banken planen, im nennenswerten Umfang marode Wertpapiere kauft, bedeutet das nicht das Ende der Finanzkrise. Die Probleme werden dadurch bestenfalls in die Zukunft verlagert. In der aktuellen Situation kann allerdings auch ein solcher Zeitgewinn sehr wertvoll sein.

Hamburg - Ist der geplante "Superfonds" nur ein PR-Gag, mit dem die Bankenwelt ihr angeschlagenes Image polieren will? Der Name legt die Vermutung nahe. Und es scheint klar, wie die Idee entstanden ist: Wichtige Teile der Finanzmärkte liegen seit Monaten lahm, bestimmte Wertpapiere - so genannte Structured Investment Vehicles (SIV) - sind praktisch unverkäuflich. Jeder misstraut jedem - und keiner rührt sich.

Was läge da näher als eine Solidaritätsadresse: Die Banken halten zusammen und packen die Probleme gemeinsam an. Angesichts solch demonstrativer Einigkeit, so das Kalkül, werden auch die Investoren wieder Vertrauen schöpfen und in die Märkte zurückkehren - und mit ihnen die zur Lösung der Krise so dringend benötigte Liquidität.

Auch ein erster Blick auf das Konstrukt "Superfonds" nährt die Zweifel an seinem praktischen Nutzen: Gegenwärtig sitzen die Banken auf einer kaum lokalisierbaren und kaum bezifferbaren Menge an kaum bewertbaren Papieren, die keiner haben will. Um sich aus dieser Bredouille zu befreien, tun sie sich zusammen und kaufen sich die Papiere quasi selbst ab. Ergebnis: Die Banken sitzen auf einer geringfügig besser lokalisierbaren und bezifferbaren Menge an kaum bewertbaren Papieren, die nach wie vor eigentlich keiner haben will.

Bankenprobleme hausgemacht

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Zeit spielt in der gegenwärtigen Situation auf den Finanzmärkten eine vielleicht entscheidende Rolle. "Die Zeit wird benötigt, damit die Investoren ihr Vertrauen zurückgewinnen und in die Märkte zurückkehren können", erläutert Bankenanalyst Konrad Becker von Merck Finck. "Mit der Liquidität eines wie auch immer gearteten Stützungsfonds könnte diese Zeit gewonnen werden."

Der Hintergrund: Durch ihre Weigerung, in mit Krediten besicherte Papiere zu investieren, bringen die institutionellen Investoren in aller Welt momentan zahlreiche Banken in zunehmende Schwierigkeiten. Denn viele Banken haben Liquiditätsgarantien für die Conduits und andere Zweckgesellschaften, die zur Refinanzierung der Verbriefungen ins Leben gerufen wurden, ausgesprochen.

Dabei sind die Probleme der Banken hausgemacht. Denn die Institute sind bei der Refinanzierung der Papiere von ihren eigenen eisernen Grundsätzen abgewichen: Sie stellten langfristigen Verbindlichkeiten kurzfristige Forderungen gegenüber, die laufend erneuert werden mussten. Jetzt gelingt die Erneuerung nicht mehr - und die Banken müssen einspringen. Was dabei passieren kann, haben hierzulande bereits die Beispiele IKB  sowie SachsenLB gezeigt.

"Erst der Anfang"

"Erst der Anfang"

Die Banken geraten dadurch sogar doppelt in die Klemme: Einerseits müssen sie wertvolle Liquidität einsetzen. Andererseits gelangen die bislang ausgelagerten Wertpapiere in die eigenen Bücher. Letzteres kann fatale Folgen haben. "Wenn nicht schnell ausreichend Liquidität in die Märkte kommt, werden die Notverkäufe von Forderungen weiter zunehmen", sagt Becker. "Da es für die Papiere jedoch kaum Nachfrage gibt, könnte es zu einem weiteren Wertverfall kommen. die Preise der Papiere können letztlich im Extremfall gegen Null tendieren."

Konsequenz: Die Banken müssten weitere Wertberichtigungen vornehmen und Forderungen abschreiben. Schon jetzt gehen die Verluste, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurden, in die Milliarden. Und mit Citigroup  und Morgan Stanley  haben mindestens zwei Top-Häuser für das vierte Quartal bereits weitere Verluste angekündigt.

Der Stützungsfonds, den die drei US-Banken Citigroup, Bank of America  und J.P. Morgan Chase  mit zunächst 75 Milliarden Dollar ausstatten wollen, könnte genau an dieser Stelle wertvolle Hilfestellung leisten. Denn er würde halbwegs vernünftige Preise stellen, wo sich Banken und Fonds mit dem Rücken zur Wand zum Verkauf von Papieren aus den Zweckgesellschaften gezwungen sehen. Notverkäufe ließen sich möglicherweise abfedern.

Vor dem Hintergrund wird klar, dass vor allem zwei Fragen entscheidend sind: Werden sich ausreichend Banken am "Superfonds" beteiligen, damit die benötigte Liquidität in die Märkte gelangt? Und wird das so geschaffene "Meta-Conduit" eine ausreichende Laufzeit haben, während derer sich die Märkte wieder beruhigen können?

"Es fragt sich vor allem, weshalb die - bisher - weniger stark betroffenen europäischen Banken den wesentlich stärker betroffenen amerikanischen Banken helfen sollten", sagt Analyst Becker. "Sie werden das vermutlich nur tun, wenn sie die Gefahr einer sich ausweitenden Krise entsprechend hoch einschätzen."

Tatsächlich ist das wirkliche Ausmaß der Probleme noch immer nicht klar erkennbar. Die Schätzungen zum Umfang der Conduits, die gegenwärtig insgesamt im Umlauf sind, schwanken je nach Quelle zwischen 300 und 400 Milliarden Dollar.

Allein 80 bis 100 Milliarden sollen davon auf die Citigroup entfallen. Laut einem Bericht des "Spiegel" summieren sich die Abschreibungen der zehn größten Verlierer schon jetzt auf mehr als 40 Milliarden Dollar. "Und das ist erst der Anfang", schreibt das Magazin.

"Es geht um mehrere Billionen Dollar"

"Es geht um mehrere Billionen Dollar"

Inwieweit die Banken bei ihren Abschreibungen bislang in die Zukunft geblickt haben, ist offen. Klar ist jedoch, dass auf dem US-Subprime-Hypothekenmarkt, auf dem die Krise ihren Anfang nahm, der Höhepunkt der Schwierigkeiten noch bevorsteht. Erst im kommenden Jahr erreicht der größte Teil der variabel verzinsten Hausfinanzierungsdarlehen dort die Phase der höheren Zinszahlungen. Erst dann kommt das inzwischen gestiegene Zinsniveau bei diesen Kreditnehmern zum Tragen - und dann wird vermutlich auch die Ausfallquote noch einmal deutlich ansteigen.

Hinzu kommt, dass inzwischen auch über mögliche Ausfälle im Bereich der Kreditkartenschulden und Autofinanzierungen gemutmaßt wird. Denn wer seinen Hauskredit nicht mehr bezahlen kann, so die Überlegung, kann auch für andere Verbindlichkeiten kaum noch aufkommen.

Das Problem: Auch diese Kreditforderungen sind auf dem Wege der Verbriefung auf die Kapitalmärkte gelangt. "Alles in allem geht es um ein Anlagevolumen von mehreren Billionen Dollar", schätzt ein Banker gegenüber manager-magazin.de.

Hierzulande üben sich die Verantwortlichen indes in Beruhigung und Beschwichtigung. "Die Märkte normalisieren sich allmählich", sagte beispielsweise Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vergangene Woche der Nachrichtenagentur reuters.

"Ich erwarte keine schlechten Nachrichten mehr", gab auch Klaus-Peter Müller, Chef der Commerzbank  und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, auf der Pressekonferenz des Verbandes am Montag in Frankfurt zu Protokoll. Eine endgültige Beurteilung der Belastungen aus der Krise sei zwar erst nach Vorlage der testierten Jahresabschlüsse im kommenden Frühjahr möglich. Bei den deutschen Großbanken hielten sich die Belastungen aber in Grenzen.

Entsprechend zurückhaltend sind die Äußerungen der deutschen Banken zu einer möglichen Beteiligung an dem geplanten Krisenfonds. "Ein Engagement wird geprüft", sagt etwa eine Sprecherin der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de - und wiederholt damit lediglich ein Statement, welches bereits vor Wochen von dem Institut zu hören war.

Auch bei der Deutschen Bank  will mit Blick auf die Möglichkeit, sich am "Superfonds" beteiligen zu dürfen, offenbar noch keine rechte Vorfreude aufkommen. Die knappe Antwort des Branchenprimus auf eine entsprechende Anfrage: "Kein Kommentar."

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