Anlage Lust und Last der Fondsmanager

Wer Fondsmanagern über die Schulter schaut, stellt fest, dass sie oft vor ähnlichen Problemen stehen wie die Anleger selbst. Nämlich der großen Vielfalt der Anlagemöglichkeiten.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Das Leben eines Fondsmanagers könnte so einfach sein. Eine Aktie kaufen, die gefällt, sie halten und diese Übung vierzig- bis fünfzigmal wiederholen. Schon hat er ein Portfolio beisammen, das den Wohlstand der Anleger mehrt. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn nur wenige Fondsmanager schaffen es, genau so ein Portfolio zusammenzustellen. Infolgedessen gelingt es nur den wenigsten, regelmäßig besser zu sein als der zugrunde liegende Börsenindex.

Kein Wunder also, wenn immer mehr Fondsgesellschaften darüber nachdenken, ihre Konzepte zu ändern. Und ihren Fondsmanagern mehr Freiheit zu schenken. Mehr Freiheit, so die Kalkulation, das könnte bedeuten, dass Fondsmanager mehr aus der Aktie machen können. Der Gesetzgeber hat das inzwischen ermöglicht. Seien es Hedgefonds, seien es die neuen 130/30-Fonds oder einfach die UCITS-III-Fonds, die Freiheit der Geldverwalter ist dank dieser Produktkategorien groß geworden.

Manager wie Steffen Grusckka nutzen sie. Er hat lange für die DWS gearbeitet und unter anderem mit russischen Aktienfonds Erfolg gehabt. "Ich wurde in Polen geboren, spreche unter anderem Russisch, das hilft". Im vergangenen Jahr hat er sich dann selbstständig gemacht. Statt der Frankfurter Chromtürme der DWS ein kleines Büro unweit des Piccadilly Circus.

Statt Aktien nur zu kaufen und darauf zu setzen, dass deren Wert steigt, kann er sie auch "shorten". Er verkauft die Aktien also, ohne sie zu besitzen. Eine Bank leiht ihm dazu die entsprechenden Wertpapiere. Erst am Ende der Laufzeit des Kontrakts muss er die Papiere zurückgeben. Wenn es gut geht, kann er sie dann günstiger einkaufen. Günstiger, weil der Kurs der Akte inzwischen gefallen ist. Wird die Strategie mit herkömmlichen Aktienkäufen kombiniert, nennt sich dieses Vorgehen "Longshort". Grusckka und sein Partner Ashwann Khanna haben sie in einem Hedgefonds verpackt. "Auch eine andere Rechtsform wäre inzwischen möglich, aber der Hedgefonds bietet uns die größte Freiheit."

Bedeutet mehr Freiheit mehr Erträge?

Bedeutet mehr Freiheit mehr Erträge?

Damit liegen Gruschka und Khanna im Trend. Auch größere Gesellschaften überdenken ihr Angebot. Threadneedle zum Beispiel, bislang als Haus für Aktienfonds bekannt, will sich stärker in Richtung Alpha-Lieferant ausrichten. Alpha, damit bezeichnen die Finanzexperten den Anteil der Wertentwicklung eines Portfolios, der nicht auf dem Wertzuwachs des Markts fußt. Anders gesagt - die originäre Managerleistung.

Freilich, von heute auf morgen sei das nicht machbar, erläutert Lorin Gresser, die bei der Fondsgesellschaft die Produktentwicklung verantwortet. "Bei der Produktumstrukturierung müssen die Behörden und die Regulatoren auch mitspielen. Und auch bestehende Kunden gilt es von den Lösungen zu überzeugen."

In der Theorie klingt das einleuchtend. Immerhin kann der Fondsmanager mit solchen Mitteln auch auf Abwärtstrends einzelner Aktien setzen. Analysiert hat der diese Wertpapiere ja sowieso. "Darum nutzen wir auch fast nur diese Strategie", so Gruschka. Das funktioniert, wie unser Fonds beweist." Über 25 Prozent Wertzuwachs hate der Explorer 2007 erwirtschaftet, 4 Prozentpunkt mehr als der Index, wobei die Volatiliaet der Erträge bei weniger als einem Viertel des Risikos des Marktes liegt.

Vielleicht ist es so, dass solche Strategien in ineffizienten Märkten am besten funktionieren. Jenen Märkten also, wo nicht jedes Wertpapier bereits mehrfach von verschiedenen Experten durchleuchtet wurde. Märkte wie Russland oder auch Indonesien. Gruschka glaubt daran. Und nennt die Angestelltenaktien. "Viele Mitarbeiter in Russland halten Aktien von ihrem Arbeitgeber. Werden diese verkauft, bieten dies oftmals einmalige Einstiegschancen." Auch mit anderen Ideen ließe sich Alpha erzeugen.

"Infrastruktur zum Beispiel. Die russischen Straßen oder Brücken sind im Schnitt 20 Jahre alt. Das alles muss überarbeitet oder erneuert werden. Und davon könnten Unternehmen wie Metrostroy profitieren, ein Konstruktionsunternehmen." Und legt für einen Moment das Handy aus der Hand. "Sehen Sie, viele russische Aktien sind noch immer günstig. Zum Beispiel Metrostroy mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von ungefaehr 5."

Steckt da ein kluger Kopf hinter?

Steckt da ein kluger Kopf hinter?

Und das Währungsrisiko? "Das lässt sich wegsichern. Allerdings ist eine hundertprozentige Sicherheit prohibitiv teuer." Tatsächlich lassen sich mit moderner Finanzmathematik viele Probleme lösen. Doch sie bieten auch so viel Freiheit, dass nicht nur Anleger sich darin verlieren.

Gruschka hat darum beschlossen, längst nicht die volle Klaviatur der Hedgefonds zu nutzen. "Das reicht uns. Und eine reine Short-Strategie? Es wäre sehr schwierig, damit Geld zu verdienen, da die Maerkte tendenziell immer noch guenstig sind." Auch Gresser von Threadneedle warnt vor all zu harten Schritten. "Man kann bestehende Produkte auch Schritt für Schritt öffnen. Unser Accelerando-Fonds zum Beispiel hat viele Freiheiten, Allerdings nutzt das Management noch nicht alle. Das entscheidet der Manager selbst."

Damit spricht Gresser einen entscheidenden Punkt an. Je komplexer das Produkt, umso wichtiger ist der Kopf, der dahinter steht. "Der Wettbewerb um diese Köpfe ist entscheidend", so Gresser. Gelockt wird mit Geld.

Investmentfonds, ihre Fortentwicklungen und Hedgefonds rücken daher immer näher zusammen. Nicht immer zu aller Freude. So mancher Fondsmanager stöhnt hinter vorgehaltener Hand über die wachsende Nähe der Anlageformen und die damit einhergehende Vergleichbarkeit der eigenen Leistung mit der der Konkurrenz. Doch die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, nur Auswüchse vermeiden.

Und wie lässt sich die neue Welt davor bewahren, ins Uferlose abzugleiten? "Die Assets begrenzen und für Stetigkeit im Investmentteam sorgen", empfiehlt Gruschka. Noch ist er davon weit entfernt, verwaltet rund 80 Millionen Euro. "Bei ca. 500 Millionen planen wir den Fonds zu schließen." Ob er der Versuchung widersteht, den Fonds offenzuhalten sowie das Volumen und damit das Gebührenaufkommen weiter anschwellen zu lassen? Noch stellt sich die Frage nicht. Auch Gresser sieht das ganz ähnlich. "Etwas Zeit wird noch ins Land gehen, bevor diese neuen Konzepte europaweit umgesetzt sind." Ganz so einfach ist das Dasein als Fondsmanager offenbar tatsächlich nicht. Und als Anleger sowieso nicht.

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