Studie Was Anleger fürchten

Angst kann in Geldfragen ein ebenso mächtiger Faktor werden wie Gier. Deshalb interessiert es die Banken, wie ernst ihre Kunden Klimawandel, Terror- und Kriegsgefahr nehmen. Viel mehr Angst, so das Ergebnis einer neuen Studie, haben die Anleger jedoch vor den Banken selbst.

Hamburg - Im Gespräch mit dem Bankberater spielen die Chancen der Geldanlage meist eine größere Rolle als die Risiken. manager-magazin.de hat von mehreren Fällen erfahren, in denen die Berater Kurs-Charts der vergangenen Jahre vorlegten und die erlebten Erfolge mit Aktien- und Fondsgeschäften in die Zukunft fortschrieben (nein, nicht nur im Neuer-Markt-Boom des Jahres 2000, auch 2007 ist dieses Verkaufsargument wieder beliebt).

Da erscheint es löblich, wenn sich Anleger die Gefahren bewusst machen - und auch eine Bank ein Gefühl für die Ängste ihrer Kunden entwickelt. Welche Sorgen am schwersten wiegen, wollte die Hamburger Sparkasse (Haspa) wissen. Sie gab den Meinungsforschern vom Forsa-Institut den Auftrag, nach den größten Risiken für die private Kapitalanlage zu fragen. 150 Hamburger "Spitzenverdiener" (mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 6000 Euro) wurden befragt. Das ist noch keine repräsentative Untersuchung, doch die Zielgruppe dürfte ausreichend erfasst sein. Wer viel hat, hat auch viel zu verlieren.

"Das Risikobewusstsein der Spitzenverdiener ist generell stark ausgeprägt", urteilt die Haspa. Mehr als jeder dritte Befragte (36 Prozent) wolle bei seinen Kapitalanlagen keinerlei Verlustrisiken eingehen und absolut sicherheitsorientiert investieren. 55 Prozent hielten zwar Ausschau nach attraktiven Renditen, seien bei ihren Anlagen aber bestrebt, die Verlustrisiken einzugrenzen. Lediglich 7 Prozent investierten auch spekulativ und nähmen für die Aussicht auf sehr hohe Renditen größere Verlustrisiken in Kauf.

Überrascht zeigt sich die Sparkasse darüber, dass die großen Angstthemen aus den Nachrichten keine große Rolle spielen: Die drohende Klimakatastrophe, Angst vor terroristischen Anschlägen oder einem Krieg beschäftigen nur ein Drittel bis die Hälfte der Befragten. Selbst soziale Unterschiede, Arbeitslosigkeit und steigende Energiepreise, die das Vermögen der Zielgruppe verhältnismäßig gering belasten, lösen mehr Angst aus. Globale Finanzkrisen nennen immerhin 76 Prozent als Gefahr. Die Turbulenzen seit dem Frühsommer haben ja auch deutlich gemacht, wie real die Gefahr ist.

An erster Stelle aber steht mit 80 Prozent der Nennungen die Angst vor schlechter Finanzberatung. "Das Ergebnis signalisiert, welch ein hoher Wert guter Finanzberatung zugemessen wird", kommentiert Jörg Finck, Leiter Private Banking der Haspa, die Erhebung. Übrigens sind auch Haspa-Berater schon mit allzu viel Zweckoptimismus aufgefallen.

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