Montag, 17. Juni 2019

Hirnforschung "Besser als Sex"

4. Teil: "Wissen, wie man funktioniert"

mm.de: Haben Sie angesichts der Erkenntnisse, die Sie während der Arbeit an Ihrem Buch erlangten, Ihr eigenes Anlageverhalten verändert?

Zweig: Ja. Ich habe beispielsweise die Aktien meines Arbeitgebers verkauft. Nicht, weil ich es für ein schlechtes Investment halte, sondern weil ich es unter emotionalen Aspekten für keine gute Idee halte, Aktien der eigenen Firma zu besitzen.

Mittlerweile besteht fast mein gesamtes Portfolio aus Index-Trackern. Dies ist natürlich ungünstig, wenn mich beim Small Talk auf Partys Leute, die wissen dass ich Finanzjournalist bin, nach Anlagetipps fragen und ich passen muss. Auch wenn sich Leute brüsten, wie viel sie mit dem einen oder anderen Investment verdient haben, habe ich dem nichts zu begegnen. Aber ich weiß, dass ich auf lange Sicht mit meinen Anlagen die Nase vorn habe.

mm.de: Welche Rolle haben diese psychologischen Mechanismen Ihrer Ansicht nach bei der aktuellen und vergangenen Krisen gespielt?

Zweig: Lassen Sie es mich so sagen: Wenn es sie nicht gäbe, also jeder Investor auf der Welt vollkommen rational handeln würde, gäbe es keinen funktionierenden Aktienmarkt. Wen ich rational handele und eine Aktie kaufen will, aber weiß, dass mein Gegenüber, der verkaufen will, auch rational handelt, dann sollte ich nicht kaufen. Ich würde mir sagen: Er muss etwas wissen, was ich nicht weiß. Und mein Gegenüber würde genau dasselbe denken und nicht verkaufen.

Gefühl ist ja nichts völlig Falsches. Es ist nur sinnvoll, etwas darüber zu wissen, wie man funktioniert.

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