Donnerstag, 27. Juni 2019

Hirnforschung "Besser als Sex"

3. Teil: "Gefühle als Kontraindikator"

mm.de: Warum ist die einfache Regel, billig kaufen, teuer verkaufen, so schwer umzusetzen? Welches sind die Fehler, die Anleger am häufigsten machen?

Zweig: Einer der verbreitetsten Fehler ist, dass Leute eine Aktie kaufen, weil der Preis nach oben gegangen ist und verkaufen, weil der Preis gesunken ist. Aber das ist falsch. Wenn eine Aktie kontinuierlich gestiegen ist, ist es - rein rechnerisch - sehr wahrscheinlich, dass sie es bald nicht mehr tun wird. Und wenn sie fällt, liegen die Dinge umgekehrt. Und die Folge ist, dass man meistens kauft, wenn man eigentlich verkaufen sollte, und verkauft, wenn man kaufen sollte.

Hirnforschung: "Wenn man gewonnen hat, lag es am Team, wenn man verloren hat, war der Platz schlecht"
Ein anderer, weitverbreiteter Fehler ist, zu ignorieren, was andere Leute wissen. Das gilt besonders für professionelle Investoren. Sie schauen sich ein Unternehmen genau an und bringen etwas in Erfahrung, von dem sie glauben, dass es sonst nur kaum einer weiß, beispielsweise ein Erfolg versprechendes neues Produkt.

Die Sache hat nur einen Haken: Wieso sollen ausgerechnet nur sie von dieser neuen Information erfahren haben? Was ist mit all den anderen Leuten, die sich den Wert angeschaut haben. Die haben wahrscheinlich andere Dinge erfahren, von denen man selbst wiederum nichts weiß. Und vielleicht ist das negativ. Um eine Aktie kaufen zu können, muss es immer jemanden geben, der verkauft. Und derjenige ist offenbar überzeugt, dass es woanders mehr Geld zu verdienen gibt.

Und ein dritter weitverbreiteter Fehler ist es, falsch auf die eigenen Emotionen zu reagieren. Wenn Leute Angst haben, tendieren sie dazu, zu verkaufen oder gar nichts zu tun. Wenn sie angeregt und gierig sind, tendieren sie dazu, zu kaufen - und das ist beides falsch. Das heißt nicht, dass Gefühle keinen Informationswert haben. Sie sind ein ziemlich guter Kontraindikator.

mm.de: Was für Regeln sollten Investoren unter neuroökonomischen Gesichtspunkten unbedingt beachten?

Zweig: Sie sollten insgesamt bewusster handeln. Die Beweggründe und Hintergründe des eigenen Handelns ständig hinterfragen - idealerweise systematisch. Und man sollte wichtige Entscheidungen noch einmal überschlafen. Wenn die Idee wirklich gut ist, ist sie das in der Regel auch am nächsten Tag noch.

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