Anlage Da hilft nur beten

Der Mainzer Dom als Anlageschlager - kaum denkbar. Für die Landesbank Rheinland-Pfalz schon. Sie legt die Mainzer-Dom-Anleihe auf. Doch zum Spenden ist das Papier nur zum Bruchteil geeignet, eher zum Spekulieren.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - "Geldliebe ist eine Wurzel des Bösen, stürzt den Menschen in Not und Leid und führt oft dazu, dass er seinen Glauben verliert." So zumindest sieht es die Bibel. Genauer, Timotheus 6,6 - 11. Geldanlage und Christentum scheinen sich also auszuschließen. Allerdings nur vordergründig.

Denn neben Anlegern profitiert auch die Kirche heutzutage von modernen Anlageideen. Das zeigt das Beispiel der Kooperation von Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) und dem Bistum Mainz. "Kardinal Karl Lehmann und Friedhelm Plogmann, Chef der LRP, sitzen beide im Stiftungsrat der Stiftung Hoher Dom zu Mainz, die das sakrale Bauwerk erhalten und pflegen will", sagt Bettina Kolbe, die Leiterin der Geschäftsstelle der Stiftung. Nun legt die Bank eine Anleihe auf, die Mainzer-Dom-Anleihe. Der Name täuscht in zweierlei Hinsicht allerdings ganz gewaltig. Das beginnt schon im ersten Teil des Namens.

Was Mainzer-Dom-Anleihe heißt, muss dem Mainzer Dom zugute kommen, könnte man meinen. Und läge nur zum kleinen Teil richtig, genauer, zu einem Prozent. Denn nur das Aufgeld in Höhe von einem Prozent fließt an den Dombauverein Mainz und soll dort zur Erhaltung des alten Bauwerks dienen. Den Löwenanteil legt die Bank an. Irritierend: Während die eingeworbenen Mittel zum Beispiel von Kriegsanleihen dem Staat voll zur Finanzierung von Kriegen zuflossen, ist es bei Dom-Anleihen nur ein Bruchteil. Ist der Name daher nicht falsch gewählt, vielleicht sogar irreführend? Der Name sei nach der Auswahl übriggeblieben, weil er griffig sei, heißt es von der LRP. Und auch die Kirche hat das Konzept offenbar abgesegnet.

Das hat sie in der Tat. "Der Produkt-Flyer weist auch auf die Risiken hin, die bei einer Anlage in Aktien immer bestehen", sagt Kolbe. Und mit Kardinal Karl Lehman hat sich ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche für das Papier ausgesprochen und ihm ein Grußwort auf den Weg gegeben, das inzwischen allerdings von der Homepage des Unternehmens verschwunden ist. Gleichviel, wenn nur ein geringer Teil des Geldes an die Kirche geht, was genau geschieht dann mit dem Löwenanteil?

So einiges. Und nichts, was Otto Normalanleger sich unter den Namen Anleihe vorstellen. Anleihen, das sind landläufig doch die Bundesschätze. Oder Papiere mit vergleichbarer Sicherheit. Grundsätzlich ist das richtig - die Ratingagentur S&P bewertet die Dom-Anleihe mit A+. Dabei geht es aber um die Bonität des Emittenten, der LRP, und nicht die Funktionsfähigkeit des Konzepts. Und das ist nicht ohne.

Zocken für die Kirche

Denn eine Zinszahlung wie bei normalen Anleihen gibt es nicht. Dafür eine Wette auf zwei deutsche Aktienindizes.

Der eine ist der deutsche Standardindex Dax , den die LRP über Optionen abbildet. Zum Dax gesellt sich der DivDax. Die Abkürzung steht für Dividenden-Dax. Dieser Index umfasst jene 15 Aktien des Dax mit der höchsten Dividendenrendite.

Mit dieser Kombination hat der Anleger noch kein Geld verdient. Dafür beginnt eine Wette zu laufen, DivDax gegen Dax. Steht der DivDax zu bestimmten Stichtagen der Laufzeit besser da als der Dax oder genauso gut, dann bekommt der Anleger sein Geld vorzeitig ausgezahlt - und 10 Prozent dazu. Läuft der DivDax dagegen schlechter, gibt es kein Geld und die Anlage läuft weiter. Im Folgejahr dann das gleiche Spiel. Optimal für Anleger wäre es, wenn erst im letzten Jahr der Laufzeit, 2012, der DivDax am Dax vorbeizöge. Denn dann würde das Darlehen zu 150 Prozent ausgezahlt. Steht der DivDax schlechter da, bekommt der Sparer am Ende der Laufzeit nur seinen Einsatz zurück - abzüglich des Agios, das in dem Dom verbaut wird.

Der Anleger wettet also darauf, dass Dividendentitel besser laufen als der Dax. Ob das jene Anleger in der katholischen Region verstehen, die eigentlich bloß dem Mainzer Dom zu neuem Glanz verhelfen wollen? Vermutlich nicht - denn das Konstrukt ist eine Spielweise der komplexen Alpha-Strategie, mit der professionelle Vermögensverwalter ihre Portfolios optimieren. Für die ist so ein Papier allerdings nichts Besonderes.

Deutlicher wird Hasso Mansfeld. "Die Dom-Anleihe ist ein hochspekulatives Produkt, welches mit dem Mäntelchen der Spende für einen guten Zweck verkauft wird", so der Finanzkommunikator. "Das Ganze ist ein weiteres Beispiel des Gutmenschen-Investments-Marketings." Und weiter: "Der Anleger wird hier bewusst in die Irre geführt. Durch die direkte und prominente Ansprache von Herrn Kardinal Lehmann erhält dieses spekulative Anlageprodukt einen sehr starken Empfehlungscharakter. Die angesprochene Zielgruppe wird daher den wahren Kern der Kapitalanlage ausblenden und im Vordergrund die Empfehlung der katholischen Kirche sehen. Seriöse Kommunikation sieht anders aus." Mit anderen Worten - der karitative Zweck Zweck ist löblich - und auch gegen das Produkt ist für sich genommen nichts zu sagen. Nur in der Kombination bleibt ein Nachgeschmack.

Ärgerlich ist es gleichfalls, wenn es im Flyer der LRP heißt, die Anlage richte sich speziell an risiko- und ertragsbewusste Privatanleger. Denn die gleichzeitige Konzentration auf Sicherheit und Rendite gilt unter Fachleuten als unmöglich. Die Kombination aus Anlage und Altruismus ist allerdings nicht neu.

Kirche im Dorf lassen

Der Panda Renditefonds DWS zum Beispiel leitet ein Drittel des Ausgabeaufschlags an den WWF weiter. Die Dekabank bietet die Weltbankanleihe an. Sie stellt der Weltbank Geld für Förderprojekte zur Verfügung, der Kupon liegt bei 3,85 Prozent im Jahr. Und bei der Union Investment gab es den Pro-Mundo-Fonds. Die Gestaltung der Mainzer-Dom-Anleihe dürfte allerdings ein Einzelfall bleiben.

Dabei ist die finanzielle Hilfe sicherlich notwendig. Immerhin rechnet das Bistum Mainz für 2007 mit 26,525 Millionen Euro Erhaltungskosten für Immobilien in ihrem Zuständigkeitsbereich. Das sind 10 Prozent des Gesamthaushalts. "Und die konkreten Kosten für den laufenden Unterhalt des Mainzer Doms belaufen sich auf 75.000 bis 100.000 Euro im Jahr", sagt Stiftungsgeschäftsführerin Kolbe. "Mit der Anleihe hoffen wir 200.000 Euro für den Erhalt des Mainzer Doms einzunehmen." Doch muss es ein so riskantes Papier sein? Da bleibt nur Jesaja 58,7: "Wer viel besitzt, sollte sein Geld lieber zum Wohl seiner Not leidenden Mitmenschen einsetzen ..." Stimmt. Und das Geld ohne Umweg schlicht und einfach spenden.

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