Vermögensverwaltung Wo die Superreichen leben

Wo kommen die Millionäre und Milliardäre her? Über welche Summen verfügen sie? Und vor allem: Wie wird sich die weltweite Vermögensverteilung künftig verändern? Fragen, die vor allem Banken und Vermögensverwalter brennend interessieren. Eine Studie der Boston Consulting Group liefert Antworten.

Hamburg - Die Blicke von Banken und Vermögensverwaltern werden sich künftig noch stärker als bisher schon auf den Mittleren Osten richten. Denn schneller als anderswo können die Banker dort auf die für ihre Geschäfte attraktive Klientel stoßen.

"In keiner anderen Weltgegend gibt es relativ gesehen so viele Millionäre wie auf der arabischen Halbinsel", sagt Ludger Kübel-Sorger, Geschäftsführer der Boston Consulting Group (BCG). "Und nirgends sind die Reichen so vermögend wie dort." Die BCG-Studie "Global Wealth 2007" belegt: Allein drei Länder aus der Golfregion befinden sich unter den Top 5 der Staaten mit der höchsten Millionärsdichte weltweit.

Ganz vorn rangieren - zusammen mit der Schweiz - die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). 6,1 Prozent der Haushalte dort werden von Dollar-Millionären geführt. Katar und Kuwait folgen auf den Plätzen 3 und 4. Dahinter ist die Lücke zu den USA (Rang 5), wo "lediglich" 4,1 Prozent Millionärshaushalte gemessen wurden, bereits beträchtlich. Zum Vergleich: In Deutschland verfügt nur etwa jeder 100. Haushalt über eine Million Dollar oder mehr.

Die Zahlen machen deutlich, wie sehr die Ölförderländer im Mittleren Osten vom Höhenflug des Ölpreises profitieren. Und sie dokumentieren laut BCG den Erfolg, den viele Länder dort bereits bei der Diversifikation ihrer Volkswirtschaften sowie der damit einhergehenden Loslösung vom Ölgeschäft erzielt haben.

Ein Ergebnis dieser Anstrengungen ist auch, dass die Dichte an vermögenden Haushalten - jene mit einem Besitz von mehr als 100.000 Dollar - in der arabischen Welt generell deutlich über dem Durchschnitt liegt.

Laut BCG-Studie kommen die vermögenden Haushalte in den Staaten des Gulf Corporation Council (GCC) auf einen durchschnittlichen Besitz von jeweils fast einer Million Dollar. Weltweit liegt der Durchschnitt etwa bei 400.000 Dollar.

In Russland lauern Risiken

In Russland lauern Risiken

Gemessen in absoluten Zahlen dagegen spielen die Staaten der Golfregion bei der weltweiten Vermögensverteilung eher eine untergeordnete Rolle. In dieser Betrachtung dominieren nach wie vor die Industriestaaten Nordamerikas und Europas.

So stieg das insgesamt weltweit verwaltete Privatvermögen im Jahr 2006 um rund 7,5 Prozent auf etwa 97,9 Billionen US-Dollar - laut BCG der fünfte jährliche Anstieg in Folge. Im laufenden Jahr, so BCG, wird das weltweite Vermögen die Schallmauer von 100 Billionen Dollar durchbrechen.

Auf den Mittlere Osten entfallen davon gegenwärtig lediglich 2,9 Billionen Dollar. Die vermögenden Einwohner der USA und Kanadas dagegen kommen zusammen auf einen Besitz von etwa 36,2 Billionen Dollar. Dahinter folgen die Europäer, für die 33 Billionen Dollar ermittelt wurden. Darin enthalten ist neben den wohlhabenden Staaten Westeuropas wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien auch Russland.

"In Russland haben wir eine bemerkenswerte Konstellation", sagt Victor Aerni, Co-Autor der BCG-Studie gegenüber manager-magazin.de. "Dort befinden sich rund 270 Milliarden Dollar allein im Besitz von nur 400 Familien. Jede dieser Familien verfügt über 100 Millionen US-Dollar oder mehr."

Ein Problem ist indes, dass Banken und Vermögensverwalter in Russland nach wie vor gegen zahlreiche Unwägbarkeiten zu kämpfen haben. So wird zum Teil erheblicher Aufwand betrieben, um die Seriosität von Neukunden zu verifizieren. Insidern zufolge müssen nicht selten zunächst vierstellige Dollar-Beträge für Berichte über einzelne Personen investiert werden, bevor mit diesen Geschäfte gemacht werden können.

Immer mehr Millionäre in Deutschland

Immer mehr Millionäre in Deutschland

Trotz dieser enormen Konzentration an Superreichen taucht Russland im Ranking der 15 Staaten mit den meisten Millionären nicht auf. Spitzenreiter in dieser Disziplin sind die USA, wo beinahe 4,6 Millionen Millionäre leben. Es folgen Japan, Großbritannien und Deutschland, wo die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr um 20.000 auf 350.000 anwuchs.

Direkt dahinter rangiert - noch vor Italien, Frankreich und der Schweiz - China. Mit 310.000 Millionären leben dort lediglich 40.000 Exemplare dieser aus Sicht der Vermögensverwalter so attraktiven Spezies weniger als in Deutschland.

Und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis das Reich der Mitte die Bundesrepublik überholt. Denn nirgends auf der Welt wächst das verwaltete Vermögen laut BCG schneller als in China.

23,4 Prozent betrug die durchschnittliche Wachstumsrate dort in den vergangenen Jahren. Kein Wunder, dass BCG-Geschäftsführer Kübel-Sorger dem Land ebenso wie weiteren Schwellenländern großes Zukunftspotenzial zurechnet: "Es ist naheliegend, dass die Branche in den BRIC-Staaten weiter wachsen wird."

Die Chinesen kommen

Trotz allem: Besondere Aufmerksamkeit sollten die Vermögensverwalter laut BCG dem Mittleren Osten zukommen lassen.

Ein idealer Einstiegspunkt in die Region ist nach Ansicht der Unternehmensberater Dubai. "Im Dubai International Financial Centre können ausländische Vermögensverwalter sogar 100prozentige Niederlassungen gründen", sagt Kübel-Sorger. "Außerdem sind die Gewinne steuerfrei."

Die Länder mit den meisten Millionären

Rang Land Anzahl
1 USA 4.585.000
2 Japan 830.000
3 Großbritannien 610.000
4 Deutschland 350.000
5 China 310.000
6 Italien 270.000
7 Frankreich 265.000
8 Taiwan 220.000
9 Schweiz 205.000
10 Brasilien 190.000
11 Niederlande 145.000
12 Belgien 135.000
13 Australien 135.000
14 Spanien 125.000
15 Kanada 110.000
Angegeben wird die Anzahl der Haushalte mit mehr als einer Million Dollar Vermögen.
Quelle: BCG Global Wealth Market-Sizing, Database 2007
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