Formaxx Aufruhr im Finanzvertrieb

Ein neuer Finanzdienstleister will MLP und AWD ab sofort das Fürchten lehren: Formaxx nimmt zum 1. Oktober sein Geschäft mit 300 Maklern auf. Doch bereits jetzt kämpft der Newcomer um seinen Ruf als unabhängiger Dienstleister. Vor allem die Verbindung zum Deutschen Ring sorgt für Unruhe und Gerüchte.

Hamburg - Für die in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend agierenden Finanzvertriebe war der Auftritt Ende Juni dieses Jahres eher ungewöhnlich. "Wir wollen kein kleiner Player sein", sagte Eugen Bucher in Hamburg und kündigte die Gründung eines neuen Finanzvertriebs in Deutschland an. Und weil die Branche insgesamt in der Öffentlichkeit nicht gerade den besten Ruf genießt, werde eine neue Intitiative alles daran setzen, das zu ändern, erklärte der ehemalige MLP-Vertriebsvorstand weiter.

Das ist jetzt drei Monate her. Zum 1. Oktober nun will die neue Formaxx AG ihren Geschäftsbetrieb offiziell aufnehmen - Sitz ist Hannover und der Konkurrent AWD quasi einen Steinwurf entfernt. Das ist pikant. Denn neben Bucher sitzt der ehemalige AWD-Manager Ralf Steinmeister mit im Vorstand. Steinmeister ist Formaxx-Gründungsmitglied und fungierte zuletzt beim Schweizer Arm der DVAG (Deutsche Vermögensberatung) als Mitglied der Geschäftsführung.

Klar ist, Formaxx will den etablierten Konkurrenten das Leben schwer machen. Noch im ersten Jahr peilt das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro an. In fünf Jahren will man zu den Top Drei der Finanzvertriebe in Deutschland zählen. Bis dahin sollen rund 2000 Berater für das Unternehmen arbeiten. Aktuell habe Formaxx 300 Makler unter Vertrag. "Und damit sind wir voll auf Ziellinie", sagt Steinmeister im Gespräch mit manager-magazin.de. Auch einen Börsengang schließt man in gut fünf Jahren nicht aus.

Offiziell gibt sich die Konkurrenz in Heidelberg (MLP), Hannover (AWD) und Frankfurt (DVAG) gelassen, gleichwohl beobachtet man den neuen Wettbewerber mit Argusaugen. Was jedoch in den vergangenen Wochen und Monaten über den selbstbewussten Newcomer zu vernehmen gewesen ist, dürfte der Konkurrenz eher ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Auch wenn man es im Hause Formaxx anders sieht, das Unternehmen scheint unter Startproblemen zu leiden.

Nießner schmeißt überraschend hin

So hat zum Beispiel Randolf Nießner, bis 2005 Vorstandsmitglied der Deutschen Proventus in Bremen, überraschend Mitte September die Brocken hingeschmissen. Einer manager-magazin.de vorliegenden, allerdings nicht unterschriebenen Rahmenvereinbarung zufolge, war Nießner ursprünglich als Gründer und Formaxx-Gesellschafter vorgesehen - genauso wie Bucher, Steinmeister und drei weitere Personen - unter ihnen der mit "JJ" abgekürzte Jörg Jacob, ehemals AWD-Generalmanager, den AWD-Chef Carsten Maschmeyer im Mai 2007 vor die Tür setzte und zugleich ein mehrjähriges Wettbewerbsverbot auferlegte.

Auch für die von ihm mit gegründete Initiative "Qualität für Zukunft", steht Nießner nicht mehr zur Verfügung. Auf deren Internetseite (www.qfz-initiative.de) tauchen lediglich nur noch Bucher, Steinmeister und Jacob als Initiatoren auf.

Steinmeister bestreitet nicht, dass man mit Nießner über eine Beteiligung an der Formaxx gesprochen habe. "Darüber gibt es aber keine rechtskräftige Vereinbarung", sagt der Formaxx-Vorstand. Man habe die Gespräche beendet, als in der Presse Berichte über ein gegen Nießner eingeleitetes Steuerstrafverfahren veröffentlicht wurden.

"Weitere Partner werden sich von Formaxx trennen"

Angebliche IT-Partner abgesprungen

Nießners Name ist eng mit der European Brokerage & Financial Solutions AG (EBFS) und den beiden IT-Dienstleistern Maxxbase und Finbase verknüpft. Sitz der EBFS-Holding ist Zürich, die für Deutschland zuständige Hauptverwaltung ist in Heusenstamm (Kreis Offenbach) angesiedelt. EFBS bezeichnet sich als "eines der am schnellsten wachsenden Finanzdienstleistungsunternehmen in Deutschland und Österreich". Das Unternehmen biete Brokerage-Dienstleistungen an und zähle zu den "führenden Vertriebsgesellschaften im Bereich alternativer Investments." Die Unternehmensgruppe beschäftige insgesamt mehr als 3650 freie Finanzberater.

EBFS hat vor gut einer Woche mitgeteilt, dass Nießner die "Zusammenarbeit" mit Formaxx "mit sofortiger Wirkung" aufgekündigt habe und auch für die Qualitätsinitiative QFZ ab sofort nicht mehr zur Verfügung stehe. Ferner hätten zum 11. September die Firmen Maxxbase und Finbase "ihre bisherige Zusammenarbeit" mit der Formaxx AG fristlos aufgekündigt. Beide Dienstleister hätten sich EBFS angeschlossen.

"Durch die Kündigungen wurden der Formaxx AG sämtliche Ressourcen in den Bereichen Produktmanagement und Softwarekomeptenzen entzogen", heißt es in der Mitteilung weiter. Daher fehlten Formaxx auch die für den Vertrieb notwendigen Strukturen. EBFS-Vorstand Uwe Becher wird zudem mit den Worten zitiert: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Partner von der Formaxx AG trennen werden, da die von der Formaxx AG propagierte Vision, einer der größten Finanzdienstleister Deutschlands zu werden, nicht mit der Realität in Einklang steht."

Formaxx-Vorstand Steinmeister sagt dazu gegenüber manager-magazin.de: "Es sind viele unsägliche Gerüchte im Umlauf. Ich glaube, dass interessierte Kreise im Augenblick versuchen, uns an allen möglichen Ecken und Enden Steine in den Weg zu werfen." Steinmeister erklärt weiter, dass Nießner die beiden Dienstleister im Zuge der Formaxx-Gründungsvorbereitungen als Kooperationspartner wärmstens empfohlen habe. Nießner sei Maxxbase-Generalbevollmächtigter und der "Kopf" der beiden Dienstleister.

Es habe auch Gespräche mit den beiden Firmen über eine mögliche Zusammenarbeit gegeben. Diese habe Formaxx aber abgebrochen und sich "frühzeitig" um andere IT-Löungen bemüht. Formaxx brauche weder Nießner noch die von ihm empfohlenen Maxxbase und Finbase. Steinmeister wörtlich: "Wir müssen uns jetzt mit Gesellschaften und Typen auseinandersetzen, mit denen wir einfach nichts zu tun haben wollen, weil sie im Markt mit Blick auf die Qualität einen bestimmten Ruf genießen. Mit denen lassen wir uns nicht in Einklang bringen. Und da haben wir ganz konsequent gehandelt und eine Zusammenarbeit abgelehnt."

Weder Vorstand, Aufsichtsratsmitglieder noch ein Pressevertreter der EBFS sind für manager-magazin.de in den vergangenen Tagen zu sprechen gewesen. Auch Nießner scheint wie vom Erdboden verschluckt. Eine unter dem Namen Condus AG (www.condus-online.de) firmierende Schuldnerberatung mit feinster Adresse in Hamburg ist unter der angegebenen Telefonnummer nicht mehr erreichbar - Vorstandsvorsitzender: Randolf Nießner.

Gerüchte um den Deutschen Ring

Ex-AWD-Spitzenkräfte bald Formaxx-Gesellschafter?

Merkwürdig wirken nicht nur die widersprüchlichen Darstellungen um Nießner, sondern auch um den Gesellschafterkreis der Formaxx AG. Steinmeister macht im Gespräch mit manager-magazin.de keinen Hehl daraus, dass Formaxx den ehemaligen AWD-Manager Jörg Jacob sowie den einstigen AWD-Gründer Kai Lange gern im Gesellschafterkreis sähe. Lange war bis Mitte Juni dieses Jahres noch als Vorstand des Hamburger Finanzvertriebes HMI tätig, einer Tochtergesellschaft der Hamburg Mannheimer.

Auch Lange ist in der nicht unterschriebenen Rahmenvereinbarung (mit dem Kürzel "KL") als Gründer und Gesellschafter aufgeführt. Für ihn dürfte aber vermutlich eine ähnliche Treuepflicht gelten wie für Jacob. Mit anderen Worten: Sollten die beiden bei Formaxx als Gesellschafter einsteigen, könnten sie Probleme bekommen. "Hinsichtlich der rechtlichen Bindungen gibt es aber unterschiedliche Auffassungen", sagt Steinmeister. Im Fall Jacob stellt AWD fest, dass mit der Kündigung für den Ex-AWD-Manager ein dreijähriges Wettbewerbsverbot bestehe und er somit rechtlich kein neues Unternehmen gründen dürfe.

"Gute Leute ziehen gute Leute nach sich"

Der Wechsel von Spitzenkräften in der Finanzvertriebsbranche zur Konkurrenz ist für jene Unternehmen, die ihre Leute ziehen lassen müssen oder ihnen gekündigt haben, nicht ungefährlich. Denn immer wieder ziehen diese Vertriebsprofis andere Mitarbeiter und Berater ihres ehemaligen Arbeitgebers mit auf die andere Seite - und kurbeln damit den Umsatz an. Darauf scheint auch Formaxx zu setzen. "Gute Leute ziehen gute Leute nach sich", sagt Steinmeister. Bislang hätten sich acht Spitzenkräfte von MLP und AWD dem neuen Konkurrenten angeschlossen - freiwillig versteht sich. "Wir haben die Leute nicht abgeworben", betont Steinmeister.

Spekulationen um Deutschen Ring kochen hoch

Doch zurück zum Theater um den Gesellschafterkreis. Dem nicht unterschriebenen Rahmenvertrag zufolge hat Formaxx in seiner Finanzierungsplanung offenbar auch auf den Deutschen Ring als Gesellschafter gesetzt, der sich über einen Treuhänder zunächst mit 9,9 Prozent an der Formaxx beteiligen soll. Der Deutsche Ring führt bereits Regie bei den Finanzvertrieben OVB und Zeus. In Insiderkreisen ist zudem davon die Rede, dass der Hamburger Versicherungskonzern, der unter das Dach der Baseler Versicherung geschlüpft ist, über einen zweiten Treuhänder später weitere 9,9 Prozent an der Formaxx erwerben soll.

Darüber hinaus wird darüber spekuliert, dass vom Deutschen Ring als Aufgeld 21,9 Millionen Euro in die Kapitalrücklage fließen sollen und der Konzern zugleich ein Darlehen von acht Millionen Euro gewähre, das über gekürzte Provisionen zurückgezahlt werden soll. Insider vermuten nun, dass der Deutsche Ring über seine millionenschwere Beteiligung die Formaxx AG vor allem als Verkaufsplattform für eigene Produkte nutzen wolle. Die Glaubwürdigkeit von Formaxx, das nach außen größten Wert auf seine Unabhängigkeit in Beratung und Geschäft legt, wäre damit zumindest infrage gestellt.

"Es gibt keinen Zweifel an unserer Unabhängigkeit"

Formaxx-Vorstand Steinmeister erklärt gegenüber manager-magazin.de, dass er so eine Rahmenvereinbarung nicht unterschrieben habe. Es gebe lediglich eine Vertriebsvereinbarung mit dem Deutschen Ring wie mit vielen anderen Produktanbietern auch. "Wenn Abhängigkeiten zu einem Produktpartner bestehen, müssen wir sie als Makler in der Erstinformation für unsere Kunden ausweisen. Wir haben in dieses Feld aber nichts einzutragen. Insofern gibt es keinen Zweifel an unserer Unabhängigkeit", sagt Steinmeister.

Nach Steinmeisters Angaben kontrollierten er und sein Vorstandskollege Bucher je zur Hälfte 75,3 Prozent des Formaxx-Kapitals. Die restlichen 24,7 Prozent lägen bei einer Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft. Weitere Fragen zu einer möglichen Beteiligung oder Darlehen des Deutschen Ring wehrt der Formaxx-Vorstand mit der Bemerkung ab, dass er seiner Aussage nichts hinzuzufügen habe.

Eine Sprecherin des Deutschen Rings bestätigt gegenüber manager-magazin.de die mit Formaxx geschlossene Vertriebsvereinbarung: "Das entspricht unserer kommunizierten Strategie. Wir wollen im Maklerbereich und den freien Vertrieben aktiver werden. Wir halten das für Erfolg versprechend." Fragen zu einer möglichen Beteiligung an Formaxx beantwortet die Sprecherin nicht, entsprechende Spekulationen wolle sie nicht bestätigen.

Ein Insider und Branchenkenner dagegen hält die Verbindung zwischen dem Deutschen Ring und Formaxx gleich in zweifacher Sicht für problematisch. "Formaxx holt sich damit in vielen Fällen unterirdische Qualität ins Portfolio." Und sollte sich der Hamburger Konzern tatsächlich noch bei Formaxx einkaufen, könne der Newcomer unter den Finanzvertrieben "seine Qualitätsinitiative gleich einstampfen".