BGI/Indexchange "Müller heiratet Müller"

Der amerikanische Fondsanbieter Barclay Global Investors und die deutsche Indexchange machen Ernst und starten ihre bereits 2006 beschlossene Ehe unter dem gemeinsamen Namen BGI. Ein Schritt in die richtige Richtung, findet Indexchange-Geschäftsführer Götz Kirchhoff.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Was länge währt, nun, ja, der Ausspruch ist bekannt. In diesem Fall aber könnte es zutreffen. Zumindest aus der Sicht von Götz Kirchhoff. Denn nachdem Barclay Global Investors, kurz BGI, die deutsche Indexchange bereits 2006 von der HypoVereinsbank  übernommen hatte, folgt jetzt der Feinschliff - der Name Indexchange verschwindet, das Unternehmen heißt ab Oktober Barclay Global Investors, die Produkte Ishares.

Kein Grund zu Besorgnis, findet Kirchhoff, der Geschäftsführer von Indexchange ist. "Da wird es keine Verwirrung bei den Anlegern geben. Bei uns heiraten sozusagen Müller und Müller, und beide machen ETFs." Insofern ergänze sich das gut. Außerdem habe man bei der ehemaligen HypoVereinsbank-Tochter bereits Erfahrung mit Zusammenschlüssen. "Erst gingen Hypo- und Vereinsbank zusammen, dann Unicredit und HypoVereinsbank, dann gingen wir zu Barclays ."

Tatsächlich entsteht durch den Zusammenschluss, den beide am Freitag bekannt gaben, ein Schwergewicht in der ETF-Branche. Insgesamt bündelt das neue Unternehmen nach eigenem Bekunden allein in Europa fast 40 Milliarden Euro. Konkurrent Lyxor soll es nur auf die Hälfte bringen.

ETF, das steht für Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds. In aller Regel sind das passive Produkte, die einen Index wie zum Beispiel den Dax  abbilden. Doch statt die klassischen Börsenbarometer nachzubauen, stößt BGI nun in jene Märkte vor, die bislang den aktiven Fondsmanagern vorbehalten waren - die Nischenmärkte. Die BRIC-Länder zum Beispiel, also Brasilien, Russland, Indien und China, gelten als ineffiziente Märkte, auf denen geschickte aktive Fondsmanager mehr herausholen können als ein Produkt, das nur einen Index nachbaut. So zumindest lautet die Standardaussage der aktiven Geldverwalter.

In einem Konkurrenzverhältnis zu ihnen sieht sich Kirchhoff allerdings dennoch nicht. "Aktives Management ist wichtig. Ohne die aktiven Manager hätten wir ja keine Kurse, die die Indizes bewegen." Bei den Anlegern scheint die Botschaft anzukommen. Während Aktienfonds im August noch Abflüsse in Deutschland haben hinnehmen müssen, vereinnahmte Indexchange "einen Betrag im hohen dreistelligen Millionenbereich." Und da immerhin 80 Prozent der Produkte des Hauses in Aktienindizes stecken, "ist das ein gutes Ergebnis."

Für die Zukunft sieht Kirchhoff das Unternehmen daher gut aufgestellt. "Allein schon das Thema Altersvorsorge spielt in unsere Hände. Aktien müssen einfach sein." Aber bitte mit Streuung. Und das ginge über einen ETF sehr einfach. "Kaufen Sie sich einen breit streuenden Index und dazu noch zum Beispiel einen Jumbopfandbrief."

Wachstumspotenzial sieht Kirchhoff noch einiges: "Wenn wir amerikanische Verhältnisse auch in Europa hätten und 4 Prozent der Summe, die in Investmentfonds steckt, in ETFs investierten, wäre das toll." Derzeit sind es 0,8 Prozent.