Kreditkrise Asterix, der Häuslebauer

Die Finanzmärkte im Spätsommer 2007. Alle Welt zittert vor den Auswirkungen der US-Hypothekenkrise. Alle Welt? Nein! Der deutsche Markt für Baukredite leistet tapfer Widerstand. Mehr noch: Er profitiert sogar von den Turbulenzen.

Hamburg - Während die Finanzkrise seit Wochen um sich greift und rund um den Globus ein ums andere Mal die Kurse einbrechen, haben die Baufinanzierer hierzulande ebenso wenig Anlass zur Klage, wie ihre Kunden, die deutschen Häuslebauer.

Der Grund: Die Anbieter von Krediten für den privaten Immobilienerwerb oder den Hausbau können ihre Zinsen senken - zwar zaghaft, aber immerhin. "Die Topkonditionen für eine Baufinanzierung mit zehnjähriger Laufzeit lagen Anfang Juli, nach zwei Jahren fast ununterbrochenen Zinsanstiegs, in der Spitze bei 4,9 Prozent", sagt Robert Haselsteiner vom Finanzierungsvermittler Interhyp . "Jetzt steht der attraktivste Zins für diese Laufzeit bei 4,6 Prozent."

Die Übersicht von manager-magazin.de über aktuelle Baugeldkonditionen zeigt allerdings: Mit solchen Niedrigzinsen gehen die Banken zwar gern in die Werbung. Diese 1-A-Konditionen erhalten aber lediglich jene Kunden, die mit hohem Eigenkapitalanteil von 40 Prozent und mehr zu Werke gehen. Für eine eher übliche Beleihung von 80 Prozent schlagen dagegen - immer noch attraktive - 4,8 bis 4,9 Prozent zu Buche.

Die vielfach kolportierte Befürchtung, die aktuelle Zurückhaltung der Banken bei der Geldvergabe könnte auch das Baugeld verteuern, hat sich damit in jedem Fall nicht bewahrheitet.

Im Gegenteil: "Die große Nachfrage nach sicheren Wertpapieren wie vor allem Staatsanleihen, die durch die Verwerfungen auf den Finanzmärkten ausgelöst wurde, hat die Zinsen für diese Anlagen unter Druck gesetzt", erläutert Max Herbst vom Finanzdienstleister FMH. "Als Konsequenz können die Banken auch Immobiliendarlehen günstiger anbieten als noch vor Wochen."

Es stellt sich die Frage, wie lange das überraschende Zinstief noch anhalten wird. Zwei Einflussgrößen sind vor allem ausschlaggebend: Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Wettbewerbssituation der Banken, die stark von der Nachfrage nach Krediten bestimmt wird.

Wann endet die Zinsbaisse?

Wann endet die Zinsbaisse?

Die EZB sah sich angesichts der Unruhen auf den Finanzmärkten zuletzt Anfang September veranlasst, eine eigentlich vorgesehene Erhöhung des Leitzinssatzes von 4 auf 4,25 Prozent zu unterlassen. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", forderte aber bereits kurz darauf Bundesbankpräsident Axel Weber. Und aus Kreisen des EZB-Rats war umgehend zu hören, dass die Notenbank grundsätzlich an einer weiteren Anhebung der Zinsen festhalte.

Rückhalt bekommt die EZB von Seiten vieler Volkswirte. Carsten-Patrick Meier vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel gegenüber manager-magazin.de: "Wir halten eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte zum Jahresende sowie darauffolgend ein vorläufiges Festhalten am Zinssatz für sinnvoll."

Als Grund für den früher oder später erforderlichen moderaten Zinsschritt trotz Finanzmarktturbulenzen nennt Meier die nach wie vor bestehende Inflationsgefahr aufgrund der noch immer kräftig wachsenden Wirtschaft im Euroraum.

Ob sich ein solcher Anstieg der Leitzinsen auf dem Baufinanzierungsmarkt überhaupt bemerkbar machen wird, ist indes offen. Denn bei ihrer Zinspolitik richten sich die Banken nicht nur nach den Vorgaben aus Frankfurt, sondern vor allem nach dem Wettbewerbsumfeld, sprich dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nach Baugeld.

Klar ist: Auf der Angebotsseite herrscht harter Wettkampf. Neben dem niedrigen Zinsniveau ist dieser nicht zuletzt der Grund dafür, dass seit einiger Zeit die 100-Prozent-Finanzierung wieder in Mode kommt. Anders als konservative Institute wie etwa die Sparkassen gehen Banken wie die ING-Diba, Marktführer unter den privaten Baufinanzierern mit einem jährlichen Kreditvolumen von rund zehn Milliarden Euro, sowie eine Reihe ausländischer Institute im Kampf um Marktanteile recht unverkrampft mit diesem Thema um. Auch Rabatte auf die KfW-Wohnungseigentumsförderung, wie sie neben der ING-Diba zum Beispiel die DSL Bank anbietet, sind Ausdruck heißen Wettbewerbs.

Auf der anderen Seite steht die Nachfrage nach Baugeld in Deutschland. Und die ist im Vergleich zum Ausland ziemlich gering. "Die Deutschen sind von Natur aus vorsichtiger als beispielsweise die Amerikaner oder die Briten", sagt Interhyp-Experte Haselsteiner. "Beim Immobilienerwerb gehen sie längst nicht so große Risiken ein."

Die Zurückhaltung der Deutschen in Sachen Immobilieneigentum lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Mit einer Eigentumsquote von rund 43 Prozent liegt die Bundesrepublik beispielsweise deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von rund 60 Prozent. Spanien etwa kommt ungefähr auf den doppelten Wert wie Deutschland.

"Keine Spekulationsblase in Deutschland"

"Keine Spekulationsblase in Deutschland"

Eine weiterer Beleg: Die Baugenehmigungen in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts im ersten Halbjahr 2007 um rund 38 Prozent eingebrochen. Am heftigsten war der Rückgang mit minus 49,6 Prozent bei den Zweifamilienhäusern - gefolgt von den Einfamilienhäusern mit minus 46,8 Prozent.

Die Kehrseite der Medaille: Angesichts der Zurückhaltung der Deutschen sind auch die Märkte hierzulande in den vergangenen Jahren nicht aus dem Ruder gelaufen.

"Ein Vorteil ist, dass wir Preisübertreibungen wie in den USA, Großbritannien und Spanien in Deutschland in den letzten Jahren nicht gesehen haben", bestätigt Haselsteiner.

"Eine Spekulationsblase, die eventuell platzen könnte, existiert hierzulande folglich nicht." Besonders drastisch bekommen zurzeit die Amerikaner die möglichen negativen Folgen des unbedingten Wunsches nach den eigenen vier Wänden zu spüren.

Mit diesem Schreckensbild vor Augen könnten die Deutschen in den kommenden Wochen in Sachen Immobilienerwerb nochmals vorsichtiger werden. Ein Anstieg der Nachfrage nach Baugeld ist daher trotz der günstigen Konditionen kaum zu erwarten.

Ohnehin gibt es nach Meinung von Verbraucherschützern keinen Grund zur Eile. "Momentan sinken die Zinsen sogar, steigende Zinsen sind eher nicht zu erwarten", sagt Christian Schmid-Burgk von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Es besteht kein Grund, jetzt in Torschlusspanik zu geraten und auf die Schnelle günstige Konditionen nutzen zu wollen."

Überblick: Hier ist Baugeld günstig

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.