Kreditkrise Die heimliche Hausse des Festgelds

Auch der EZB-Zinsentscheid wird es kaum ändern: Aufgescheucht durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten flüchten die Deutschen seit Wochen in sichere Anlagen. Neben Geldmarktfonds haben auch Tages- und Festgelder sowie Sparbriefe Hochkonjunktur. Aber Vorsicht: Nicht jede Offerte hält, was sie verspricht.

Hamburg - Wozu ein Risiko eingehen? Die Frage beherrscht zurzeit das Denken und Handeln an den internationalen Finanzmärkten. Auch die deutschen Anleger wollen den Unwägbarkeiten der Märkte momentan offenbar lieber aus dem Weg gehen. Seit Monaten schichten sie ihre Anlagen um.

Die Halbjahresstatistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) belegt dies eindrucksvoll: Aktienfonds und Rentenfonds verloren in den ersten sechs Monaten 2007 fast 18 Milliarden Euro.

Neben den vermeintlich sicheren offenen Immobilienfonds legten dagegen vor allem Geldmarktfonds zu. Von Januar bis Juni verzeichneten sie Zuflüsse von fast 28 Milliarden Euro.

Was jedoch bislang kaum beachtet wurde: Auch festverzinsliche Anlageangebote der Banken werden immer beliebter. In den Fokus der Anleger rücken dabei vor allem Anlagevehikel mit vergleichweise kurzen Laufzeiten von beispielsweise zwölf Monaten. Den Langläufern mangelt es vor allem deshalb an Zuspruch, weil die Zinsstrukturkurve seit einiger Zeit zusehends abflacht. Auf deutsch: Der langfristige Zins liegt kaum über dem kurzfristigen, der Aufschlag ist aus Sicht vieler Investoren zu gering, um die feste Bindung für einen längeren Zeitraum zu kompensieren.

"Viel Geld wandert in Festgeldanlagen"

Ein Blick in die Zinsstatistik der Bundesbank bestätigt: Das Neugeschäftsaufkommen der deutschen Banken bei Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr stieg in den vergangenen zwölf Monaten um fast 50 Prozent. Die Bestände der Institute mit vereinbarten Laufzeiten bis zu zwei Jahren nahmen in dem Zeitraum in etwa im gleichen Maße zu.

Der Trend wird in Bankenkreisen bestätigt. Ein Sprecher einer großen Direktbank gegenüber manager-magazin.de: "Im Zuge von Umschichtungen und Gewinnmitnahmen wandert gegenwärtig viel Geld auf Tagesgeldkonten und in Festgeldanlagen."

Hintergrund: Nicht nur die aktuellen Wirren an den Finanzmärkten spielen den Anbietern festverzinslicher Anlagen in die Karten. Auch die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre war in dieser Hinsicht förderlich.

Seit 2005 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins von 2 auf 4 Prozent verdoppelt. Nach der gestrigen EZB-Entscheidung wird es vorläufig bei diesem Niveau bleiben. "Die Geldanlagezinsen steigen kontinuierlich mit jeder Leitzinserhöhung, wenn auch zeitlich stark versetzt und so gut wie nie in voller Höhe", sagt Marcus Preu vom Finanzportal biallo.de. "Hier geht die Schere bei manchen Anbietern zunehmend auseinander."

Die aktuellen Topangebote in den Bereichen Sparbuch, Tagesgeldkonto, Festgeld sowie Sparbrief hat der Finanzdienstleister FMH exklusiv für manager-magazin.de zusammengestellt.

Experte rät zum Stufenzins

Experte rät zum Stufenzins

Der Überblick zeigt: Vor allem ausländische Banken gehen hierzulande mit aggressiven Konditionen auf Kundenfang. Viele Institute von jenseits der Grenzen starten ihre Markteroberung in Deutschland mit nur ein bis zwei Produkten. Die niederländische Amsterdam Trade Bank etwa umwarb die Deutschen zunächst ausschließlich mit hoch verzinstem Tagesgeld. Später kam eine Festgeldofferte dazu. Ähnlich gingen die luxemburgische Advanzia-Bank sowie die lettische Parex-Bank vor.

Letztere zahlt für Festgeld mit sechsmonatiger Laufzeit gegenwärtig 4,4 Prozent Zinsen - ein Spitzenwert. Bei Anlagen mit zwölfmonatiger Laufzeit rangiert das Institut mit sogar 5 Prozent Verzinsung ebenfalls ganz vorn im Feld.

Doch Vorsicht: Experten raten, bei attraktiven Offerten wie dieser besonders genau hinzuschauen. "Vielfach handelt es sich um Konditionen, die ausschließlich für Neukunden gelten", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale in Bremen. "Zudem ist das Angebot meist in Bezug auf die Anlagesumme oder zeitlich begrenzt." Und kaum jemand dürfte Lust haben, sich alle sechs Monate eine neue Bank zu suchen, so der Verbraucherschützer.

Als Alternative zu Festgeld und Sparbuch nennt Gottschalk so genannte Stufenzins-Angebote. "Diese bieten ebenfalls Zinsen jenseits der 4 Prozent und sind damit wesentlich attraktiver als beispielsweise Bundesschatzbriefe", sagt der Experte. Neben einem von vornherein festgelegten Zinsanstieg während der Laufzeit verfügen diese Produkte über vorzeitige Ausstiegsmöglichkeiten. "Vor dem Hintergrund kann man auch über ein Engagement für mehr als zwölf Monate nachdenken", meint Gottschalk.

Knackpunkt Anlagesicherheit

Ein Knackpunkt bei Festgeldanlagen ist auch die Einlagensicherung, die Frage also, ab welcher Höhe die Gelder der Kunden im Falle einer - meist allerdings eher unwahrscheinlichen - Insolvenz der Bank im Feuer liegen.

Die größtmögliche Sicherheit bieten die Sparkassen und - dank des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken - der weitaus größte Teil der privaten deutschen Banken.

Bei ausländischen Instituten dagegen sind die Einlagen längst nicht so stark abgesichert. "Das Thema Einlagensicherung wird grundsätzlich ab Summen von 20.000 Euro pro Person relevant", erläutert Preu. "Bis dahin sind bei niederländischen und vielen anderen ausländischen Banken 100 Prozent abgesichert, Beträge von 20.000 bis 40.000 noch mit 90 Prozent." Darüber hinausgehende Beträge drohen dagegen bei einem - wenn auch unwahrscheinlichen - Insolvenzfall verloren zu gehen.

Und damit nicht genug: Bei einigen ausländischen Instituten ist die Einlagensicherung selbst unterhalb der Grenze von 20.000 Euro limitiert. Als Beispiel kann - wiederum - die Parex Bank herangezogen werden. "Dort sind auch Beträge unter 20.000 Euro nur zu 90 Prozent gesichert", so Preu.

Sein Fazit: Wer mehr als 20.000 Euro anlegen will, sollte sich bei der Wahl der Bank auf Institute mit deutscher Einlagensicherung beschränken.

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