Städtevergleich Wo die Sparmeister wohnen

Welche Stadt hortet den größten Schatz? Erstmals hat sich jemand die Mühe gemacht, die Sparquote der privaten Haushalte für jede einzelne Gemeinde Deutschlands auszurechnen. manager-magazin.de zeigt, wo laut der Dekabank-Studie die größten Chancen für den Aufbau von Vermögen liegen.

Hamburg - Die Deutschen sparen zu viel. Oder zu wenig, je nachdem, ob es um die Konjunktur oder um ihre Altersvorsorge geht. Denn je mehr sie sparen, desto weniger können sie - bei gleich bleibendem Einkommen - für Konsum ausgeben. Die deutschen privaten Haushalte legen im Schnitt 9,1 Prozent ihres Einkommens zurück, um neues Geldvermögen zu bilden.

In den USA ist die Sparquote weitaus geringer. In den vergangenen Jahren zapften viele Amerikaner sogar mehr alte Ersparnisse an, als sie neue anlegten. Das war auf Dauer riskant, wie sich in der aktuellen Kreditkrise zeigt - aber es half, einen beispiellosen Boom anzutreiben. Der deutsche Aufschwung dagegen hat bei allen Erfolgen noch immer ein lahmes Bein, nämlich den privaten Konsum.

Sollten wir also alle einfach mehr ausgeben? Vermögensberater und Finanzinstitute sehen das anders. Schließlich können wir das, was wir heute verbrauchen, nicht Gewinn bringend anlegen, beispielsweise um für das Alter vorzusorgen. Je höher die Sparleistung, desto größer die Chancen für zukunftsträchtige Investments. Städte mit einer hohen Sparquote sind besonders interessant für den Vertrieb von Fonds, Versicherungen und anderen Finanzprodukten.

Doch bisher kannte man die Sparquote nur auf Bundesebene. Wie hoch sie in den einzelnen Städten und Regionen ausfällt, war ein Rätsel der Statistik. Die Dekabank, die Fondstochter der Sparkassen, hat nun "echtes Neuland" betreten, wie es in ihrem Monatsbericht für September heißt. Darin findet sich eine Studie, die genau dieses Problem angeht.

Auf den ersten Blick ist das Ergebnis wenig überraschend. Besonders hoch ist die Sparquote in reichen westdeutschen Städten wie München oder Düsseldorf, am Ende der Tabelle stehen fast nur ostdeutsche Städte mit niedrigem Durchschnittseinkommen. Je höher das Einkommen, desto höher ist die Sparneigung, weil die wesentlichen Konsumbedürfnisse schon erfüllt sind - eine Binsenweisheit der Ökonomie.

Geringverdiener geben in der Regel mehr aus, als sie einnehmen. Heraus kommt eine negative Sparquote, Volkswirte nennen das "Entsparen" - man kann auch "Schulden machen" dazu sagen. Das Gleiche gilt aber auch für sehr junge und sehr alte Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen. Während des Erwerbslebens steigt die Sparquote zunächst stark an, beginnt dann aber ab den frühen 30ern zu fallen. "Menschen sparen in jungen Jahren, um im Alter ihren laufenden Konsum zu decken", sagt Stefan Subroweit von der Dekabank, der Autor der Studie.

Die Einkommensstatistik reicht also nicht aus, um herauszufinden, wo in Deutschland die Menschen viel Geld zum Sparen übrig haben und wo eher nicht. Subroweit hat diese Erkenntnisse in seiner Studie umgesetzt. Er hat für jede einzelne Gemeinde in Deutschland erhoben, wie stark das verfügbare Einkommen der Haushalte und das Durchschnittsalter des Haushaltsvorstands vom Bundesdurchschnitt abweicht. Daraus hat er eine um die Faktoren Einkommen und Alter korrigierte Sparquote errechnet.

Alte Städte sparen weniger

Alte Städte sparen weniger

Die westfälische Stadt Paderborn, nach Einkommen im oberen Mittelfeld, rückt danach in die Spitzengruppe auf, weil die Familien dort sehr jung sind, also noch mitten in der Ansparphase stecken. Bergisch Gladbach dagegen, eine ruhige Wohnstadt vor den Toren Kölns, liegt in punkto Einkommen gleich nach München auf Platz zwei, hat aber einen hohen Altersdurchschnitt. Wegen des Alterseffekts vermutet Subroweit, dass die Sparquote im Bergischen etwas geringer ausfällt, wenn auch immer noch hoch.

Die 20 Großstädte mit der höchsten Sparquote ...

Stadt verfügbares Einkommen in Mio. Euro Sparquote in Prozent Sparleistung in Mio. Euro
München 30.948,3 11,6 3596,3
Erlangen 2330,1 10,8 251,4
Bonn 6729,4 10,4 703,1
Bergisch Gladbach 2575,5 10,4 267,0
Münster 5649,7 10,3 582,4
Wiesbaden 5978,4 10,2 612,1
Paderborn 2512,9 10,2 256,4
Düsseldorf 12.716,0 10,2 1293,7
Ingolstadt 2410,7 10,1 242,7
Mainz 3955,7 10,0 396,9
Fürth 2176,3 10,0 217,9
Neuss 3087,6 10,0 308,6
Köln 20.173,8 10,0 2014,2
Darmstadt 2968,0 9,9 295,2
Offenbach 2200,3 9,9 218,5
Stuttgart 11.948,4 9,9 1186,4
Ulm 2252,7 9,7 218,4
Frankfurt 13.071,7 9,7 1263,0
Hamburg 33.950,6 9,7 3278,3
Reutlingen 2156,7 9,6 208,0
Quelle: Dekabank:

Die thüringische Universitätsstadt Jena hat wie die meisten ostdeutschen Städte kein prächtiges Einkommen, liegt dank der jungen Bevölkerung aber nicht ganz so weit hinten - immerhin vor der Hansestadt Lübeck, deren Einwohner zwar überdurchschnittlich gut verdienen, aber auch überdurchschnittlich alt sind.

... und die mit der niedrigsten

Stadt verfügbares Einkommen in Mio. Euro Sparquote in Prozent Sparleistung in Mio. Euro
Witten 1868,2 8,3 155,2
Oberhausen 3799,7 8,3 313,5
Duisburg 8241,9 8,1 667,6
Potsdam 2352,4 8,0 188,7
Jena 1567,7 8,0 125,4
Saarbrücken 3258,0 8,0 260,4
Lübeck 3538,1 7,9 144,7
Salzgitter 1826,8 7,9 144,7
Gelsenkirchen 4356,6 7,9 344,4
Herne 2795,5 7,8 217,1
Bremerhaven 1791,0 7,5 134,4
Erfurt 3170,0 7,3 231,2
Dresden 7734,4 7,1 551,5
Cottbus 1649,5 7,0 116,0
Rostock 2889,2 6,8 196,4
Halle 3638,7 6,8 246,9
Leipzig 7172,3 6,5 468,4
Magdeburg 3386,3 6,3 214,5
Gera 1587,6 5,9 93,1
Chemnitz 3761,5 5,6 210,4
Quelle: Dekabank:

"Man könnte das bis auf die Postleitzahlenebene herunter rechnen", sagt Subroweit. Je kleiner die Gemeinde, desto weniger Aussagekraft habe die Rechnung aber. So verzeichnet das Eifeldorf Hisel in Rheinland-Pfalz mit nur 17 Einwohnern die niedrigste Sparquote: 1,0 Prozent. Hier schlug vor allem der negative Alterseffekt zu Buche - die meisten Haushaltsvorstände sind älter als 60 Jahre.

Mit dem anderen Extremwert können Finanzberater mehr anfangen. Der Münchener Nobelvorort Grünwald verliert zwar ebenfalls Punkte wegen seiner Altersstruktur. Das extrem hohe Einkommen macht diesen Effekt aber mehr als Wett. Die Dekabank schätzt die Grünwalder Sparquote auf 19,4 Prozent. Die 10.000-Seelen-Gemeinde kommt so auf eine mögliche Sparleistung von immerhin 111 Millionen Euro im Jahr - mehr als das zehnmal so große Gera in Thüringen. Statistisch gesehen könnte jeder Einwohner gut 10.230 Euro im Jahr auf die hohe Kante legen.

Damit lässt sich doch etwas für die Vermögensbildung anfangen - und für die Konjunktur sicher auch. manager-magazin.de zeigt, wie die 15 größten deutschen Städte im Vergleich der Sparquoten stehen:

Sparmetropolen: Wo viel übrig bleibt - und wo nicht

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