Infrastruktur Megamarkt mit Minirenditen

Mit der Einführung neuartiger Infrastrukturfonds sollen Investments in Häfen, Straßen und Schulgebäude zum neuen Anlagetrend werden. Eine Studie zeigt, wie gerne die öffentliche Hand inzwischen nach privatem Kapital greift. Doch mit welchen Renditen können die Geldgeber rechnen? Eine Analyse.

Hamburg - Sie streitet sich mit den Fußgängern, sie streitet sich mit den Radfahrern und mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben streitet sie sich auch. Die Herrentunnel Lübeck GmbH & Co. KG liegt im Clinch mit der halben Welt, könnte man meinen.

Und alles nur, weil bei weitem nicht so viele Autofahrer die Trave durch den mautpflichtigen Tunnel unterqueren wollen, wie ursprünglich geplant. Jetzt sind die Betreiber gezwungen, um jeden Preis Umsätze zu machen - ein kostenloser Busshuttle für Radfahrer und Fußgänger etwa steht daher auf dem Prüfstand.

Der Herrentunnel ist ein viel zitiertes Beispiel für die missglückte Investition privater Gelder in Infrastruktureinrichtungen. Rund 175 Millionen Euro wurden aufgewendet, um eine bis dato genutzte Brücke zu ersetzen. Wann die Gesellschafter, die Bauunternehmen Hochtief  und Bilfinger Berger , auf ihre angestrebte Rendite von rund 12 Prozent kommen, steht in den Sternen. "Die erreichen wir nie", sagt ein Insider gegenüber manager-magazin.de.

Weltweites Potenzial

Öffentlich-Private-Partnerschaften - kurz ÖPP - wie jenes in Lübeck, bei denen privatwirtschaftliche Investoren zur Finanzierung öffentlicher Einrichtungen wie Straßen, Schienen oder Schulgebäuden herangezogen werden, rücken immer mehr in das Interesse der Kapitalanlagemärkte. Über so genannte ÖPP-Fonds, die laut Investmentgesetznovelle demnächst eingeführt werden sollen, können künftig Privatanleger im großen Stil auf diesem Gebiet investieren. Schon heute haben sie mit einzelnen geschlossenen Fonds die Möglichkeit dazu. Höchste Zeit also zu fragen, welche Renditen mit solchen Investitionen möglich sind.

Eines ist klar: Der Markt, der sich hier für die private Anlage öffnet, hat gewaltiges Potenzial. Laut dem Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU) müssen in Deutschland allein auf kommunaler Ebene jährlich mindestens 70 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Zum Vergleich: Weltweit sind nach Berechnung des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton in den nächsten 25 Jahren gigantische 40 Billionen Dollar erforderlich.

"Im Bereich Infrastruktur haben wir einen Investitionsstau", sagt Michael Janetschek, Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH. "Gegenwärtig wird bestenfalls ein Drittel dessen investiert, was eigentlich erforderlich wäre." Grund genug also, weitere private Gelder zu mobilisieren. Mit den ÖPP-Fonds will der Bund den Anteil der Infrastrukturprojekte, die privat finanziert werden, auf bis zu 15 Prozent steigern. Gegenwärtig kommen lediglich etwa 1 bis 2 Prozent der Mittel aus privater Quelle.

Was kommt beim Anleger an?

Was kommt beim Anleger an?

Doch wer profitiert nun wirklich von der Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren? Die Kommunen jedenfalls sind bislang zufrieden. Das besagt eine Studie von Ernst & Young, in der sich 87 Prozent der Städte, die bereits öffentliche Einrichtungen privatisiert haben, positiv über das Ergebnis äußern. Jede sechste Gemeinde plant demnach auch künftig Privatisierungen. Unter den großen Städten ist der Anteil sogar noch größer.

Die Zufriedenheit kommt nicht von ungefähr. Über ÖPP-Projekte haben die Kommunen die Möglichkeit, Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent zu nutzen, zu denen privatwirtschaftliche Betreiber erfahrungsgemäß in der Lage sind.

Aber sind die Engagements auch auf privatwirtschaftlicher Seite lukrativ? "Zu Beginn jedes ÖPP-Projekt ist eine Wirtschaftlichkeitsanalyse durchzuführen und nur wenn diese die Vorteilhaftigkeit des Projekts zeigt, darf die öffentliche Hand dieses Projekt als ÖPP umsetzen" erläutert Professor Frank Riemenschneider vom Institut für Logistik und Facility Management der Fachhochschule Münster. "Dennoch ist eine gesicherte Aussage über den Erfolg oder Misserfolg von ÖPP-Projekten kaum möglich. Denn die Kooperationen haben in der Regel eine Laufzeit von 25 bis 30 Jahren. Und die ersten Partnerschaften wurden erst vor rund fünf Jahren gestartet."

Ein Sprecher der Bilfinger Berger AG, die sich bundesweit stark auf dem ÖPP-Sektor engagiert, wird deutlicher. "Wir kalkulieren bei Infrastrukturprojekten mit 12 bis 15 Prozent Eigenkapitalrendite", sagt er. Darin enthalten ist allerdings ein Aufschlag für die Unwägbarkeiten, die das Bauunternehmen insbesondere während der Bauphase beispielsweise von Verwaltungs- und Schulgebäuden in Kauf nimmt. Eine isolierte Betrachtung der Betriebsphase führt daher in der Regel zu wesentlich niedrigeren Renditewerten. Und ausschließlich in die Betriebsphase sollen die geplanten ÖPP-Fonds investieren dürfen.

Niedrige Renditen bei geringem Risiko

"Renditeversprechungen, wie man sie von opportunistischen Immobilieninvestments kennt, sind nicht realistisch", bestätigt Ernst & Young-Experte Janetschek. "Die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand, die über lange Laufzeiten gleichmäßige Cashflows sichert, führt zu einem sehr niedrigen Anlagerisiko. Im Gegenzug ist die Renditefantasie eingeschränkt."

Und selbst dies gilt lediglich bei Investitionsobjekten, die eine so lange Planung überhaupt erlauben. Verwaltungsgebäude sind ein Beispiel dafür. Für Schulbauten dagegen, die bislang einen Großteil der ÖPP-Maßnahmen in Deutschland ausgemacht haben, müssen bereits Einschränkungen gemacht werden. Denn die Schulentwicklungsplanung war in Deutschland bislang lediglich auf fünf bis zehn Jahre ausgelegt. Was darüber hinausgeht, kann im Rahmen eines ÖPP-Projekts bestenfalls von einem bereits im Vorfeld vereinbarten Change Management aufgefangen werden.

Bei Vorhaben wie dem Herrentunnel in Lübeck oder dem ebenfalls defizitären Warnowtunnel in Rostock dagegen hilft auch dies kaum. Das Geld ist investiert, Fehlkalkulationen aufgrund falscher Verkehrsprognosen sind kaum noch zu beheben. In Rostock wurde zwar gerade eine Verlängerung der Finanzierungslaufzeit von 30 auf 50 Jahre beschlossen. Ob im neuen Zeitraum schwarze Zahlen erreicht werden, ist aber völlig offen.