Tech-Aktien "Unklare Gefechtslage"

Es gleißt und flimmert auf der IFA, so viele neue Produkte präsentieren die Technologiekonzerne. Für Aktienanleger ist die Situation allerdings nicht ganz so einfach, erklären die Fondsmanager Karl Fickel und Gabriele Fertig von Lupus Alpha im Gespräch mit manager-magazin.de.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Stichwort IFA - welche Rolle spielen neue Produkte bei der Aktienkursentwicklung?

Fickel: Schon eine große. Das sieht man zum Beispiel an der Einführung des iPhones, das der Apple-Aktie  einen Sprung bescherte. Allerdings geht so eine Erwartungshaltung immer mit einem gewissen Risiko einher, nämlich möglicherweise zu hohen Erwartungen.

Beim Gang durch die Messehallen sieht man etwas und ist begeistert. Das muss man haben, sowohl als Produkt als auch als Aktie. Doch dann dauert es, bis das Produkt wirklich eingeführt wird. Häufig gibt es Verzögerungen bis zur Marktreife. Da müssen alte Lagerbstände zunächst abverkauft werden, und Produktionsabläufe müssen geändert werden, um das neue Produkt auch herstellen zu können.

mm.de: Und das dämpft den Aktienkurs?

Fickel: Ja. Manchmal liegt es auch nur an der Tatsache, bestimmte Entwicklungen falsch eingeschätzt zu haben. Nehmen Sie die Einführung der Flatpanels, der Flachbildschirme. Loewe  hat diesen Trend verschlafen und wurde entsprechend abgestraft. Als sie dann auf den Zug aufsprangen, war die Börse wieder zufrieden.

Fertig: Das ist auch das grundsätzliche Problem dieser Branche, die Vorhersagbarkeit ist schwierig. Es gibt ja inzwischen neue Formate für das Fernsehen, HDTV. Das ist gut.

Aber neue Technologien brauchen Zeit, um sich durchzusetzen, und manchmal erweist sich so etwas auch als Irrweg. Bei bestimmten Innovationen braucht man auch die Hilfe der Discounter Aldi oder Lidl, um den Vertrieb in der Breite anzuschieben. Alles das lastet dann zunächst auf dem Kurs der Aktie.

"Selbsterfüllende Prophezeiung"

mm.de: Das klingt fast so, als hätte sich seit dem Jahr 2000, dem Höhepunkt der Tech-Titel, nichts geändert. Gibt es noch immer die Abhängigkeit von nur einem Produkt?

Fickel: In der Hinsicht hat sich wirklich nicht so viel geändert. Ich würde es aber anders fassen und von einer Ein-Produktlinie sprechen. Sie haben dann eine Basis-Technologie und auf dem fußen einige produktspezifische Modifikationen. Wenn der Markt diese Technologie nicht mehr will, haben Sie ein Problem. Das sieht man zum Beispiel an Agfa, die mit dem Erfolg von Digitalkameras ihre Filme nicht mehr loswurden. Andere bauen Einspritzpumpen für die Autohersteller; aber eben nur Einspritzpumpen.

Fertig: Micronas war Weltmarktführer für bestimmte Chips, die man für herkömmliche Bildröhren brauchte. Dann kamen die Flachbildschirme und die änderten alles.

mm.de: Wo stehen wir im Vergleich zu 2000 im Hinblick auf Marktkapitalisierung, Renditerisikoprofil und Reife der Unternehmen?

Fickel: Wir stehen schon besser da. Damals wurden nur Geschichten an der Börse gehandelt, Stories, mehr nicht. Heute sind es reale Umsätze. Die Unternehmen haben sich deutlich weiter entwickelt, haben solide Bilanzen. Es sind keine virtuellen Werte mehr. Das schützt natürlich nicht vor Rückschlägen.

mm.de: Viele Aktien gleich welcher Sektoren, entwickeln sich immer näher zueinander - macht sich das auch im Technologie-Sektor bemerkbar?

Fickel: Lassen sie es mich so sagen. Der Verbriefungstrend und die damit einhergehenden Zertifizierungen betreffen den gesamten Aktienmarkt. Nimmt man aber einmal an, dass die Kreditkrise länger andauert und vielleicht sogar auf die Realwirtschaft übergreift, dann wird das auch die deutschen Aktien treffen. Allerdings unterschiedlich stark, ich denke, die Dax-Titel  werden dann eher leiden als Technologieaktien, einfach weil die Firmen im Dax internationaler tätig und damit anfälliger für globale Verwerfungen sind.

Fertig: Das Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft ist eher eine Art selbsterfüllende Prophezeiung. Die Banken werden nervös und fangen an, bei der Kreditvergabe zögerlich zu sein. Das wiederum schwächt die Unternehmen.

Fickel: Eine unklare Gefechtslage, würde ich sagen.

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