Kreditkrise Das Geschäft mit der Angst

Fonds wie der Frankfurt Trust ABS Plus wurden geschlossen, weil sie von der Kreditkrise in den USA in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Anleger kommen also nicht an ihr Geld. Nun will eine kleine Firma aus dem Taunus die Fondsanteile kaufen. Bis Freitag gilt ihr Angebot an die Anteilseigner.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Der Notausgang ist nah. Genauer, nur eine Unterschrift weit entfernt. Eine Unterschrift unter ein Angebot der SCI aus Usingen im Taunus. Mit ihr übertragen Anleger des Frankfurt Trust ABS Plus ihre Anteile an die SCI.

Dafür bekommen sie etwa 25 Euro pro Fondsanteil. Eigentlich recht wenig, immerhin notierte der Fonds zuletzt bei gut 41 Euro. "Wir halten das Angebot angesichts der sehr unübersichtlichen Lage an den Märkten für verbriefte Kredite für angemessen. Derzeit weiß doch keiner außer dem Fondsmanager, wo der innere Wert des Fonds liegt", sagt Oliver Wiederhold, Vorstand der SCI. "Auf die einzelnen Positionen des Fonds, insbesondere die CDO- und CLO-Positionen wurden Risikoabschläge vorgenommen, und so der Angebotspreis ermittelt. Wir geben den Anlegern die Liquidität zurück, die die Fondsgesellschaft ihnen vorenthält." Argumente, denen man bei Frankfurt Trust nicht folgen will. "In Anbetracht der Umstände und der indikativen Kursentwicklung des Fonds halten wir das Angebot nicht für angemessen", sagt Sprecher Thomas Kalich.

Tatsächlich dürfte SCI den Anlegern eines der letzten Schlupflöcher bieten, sich von ihren Anteilen zu trennen. Denn die Fondsgesellschaft selbst nimmt den Fonds derzeit nicht mehr zurück - wann das wieder möglich sein wird, weiß man noch nicht. Die Börse, jener inzwischen arrivierte Handelsplatz auch für Fonds? Zumindest die großen wie Hamburg oder Berlin haben den Handel ausgesetzt. Es bleibt der Verkauf an Dritte. "Wir haben geprüft, ob das zulässig ist", so Kalich. "Aber da können wir nichts machen."

Bislang ist Oliver Wiederhold mit dem Rücklauf der Angebote "nicht unzufrieden". Und gibt sich ganz entspannt: "In den vergangenen Tagen sind die meisten Annahmen gekommen und auch heute erwarten wir wieder einige". Wie viele ihre Fonds bereits verkauft haben, will er allerdings nicht sagen. Für Frankfurt Trust reicht auch das schon. "Wir schützen die Anleger durch die Schließung. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man nicht an sein Geld kommt - doch das ist deutlich besser als wenn andere Anleger panisch fliehen und den Kurs des Fonds damit nach unten treiben - zu Lasten der verbleibenden Anleger." Abgesehen davon sei der Fonds nicht als Geldmarktfonds verkauft worden, sondern als einer mit einem dreijährigen Anlagehorizont. Ist SCI damit in die Nähe der "Heuschrecken" gerückt, von Zockern, die das Geschäft mit der Angst betreiben?

Eine alte Masche

Eine alte Masche

Eher nicht. Dagegen spricht schon die Größenordnung des Geschäfts. Auch wenn SCI alle Anteile, die sie haben will, bekommt - das sind 100.000 - bündelt sie damit vier Millionen Euro, wenn man einen Kurs von 40 Euro pro Anteil zugrunde legt. Doch vier Millionen sind bei einem Fonds mit einem Volumen von rund 170 Millionen Euro keine prägende Größe. Entsprechend sieht sich SCI auch als strategischer Anleger, der erst dann aussteigt, "wenn die Fondsbewertung einen fairen Wert erreicht hat." Und ob der "dann über oder unter dem gebotenen Kaufpreis liegt, ist derzeit überhaupt nicht absehbar." Verbraucherschützer indes winken ab. "Für Fonds-Anteilbesitzer ist es daher wahrscheinlich nicht ratsam, panikartig zu Preisen zu verkaufen, die das aktuelle Liquiditätsproblem des Marktes widerspiegeln, nicht aber das tatsächliche Ausfallrisiko", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherschutzzentrale Bremen.

Das Unternehmen SCI hat sich auf "Special Situations", auf Sondersituationen am deutschen Aktienmarkt spezialisiert. Neu ist dieses Konzept nicht. Spezialisierte Unternehmen, die an Stelle der Fondsgesellschaft und der Börsen treten, gibt es schon länger. Als die offenen Immobilienfonds vor einigen Jahren wegen angeblicher Bewertungsfehler in Misskredit gerieten, wurden auch die Rücknahme der Fondsteile bei einigen ausgesetzt.

Im Fall der Deutschen Bank zum Beispiel der Grundbesitz Invest, heute Grundbesitz Europa. Von Dezember 2005 bis März 2006 konnten Anleger ihre Anteile entsprechend nicht zurückgeben. Doch angeblich versuchten Sparkassen die Anleger davon zu überzeugen, ihnen ihre Anteile zu verkaufen. "Nach unserer Einschätzung haben allerdings nur wenige Anleger diese Möglichkeit genutzt", sagt RREEF Deutschland-Sprecher Tim Oliver Ambros

Solche Angebote könnten sich künftig häufen. Immerhin haben auch Gesellschaften wie BNP Paribas die Rücknahme von Fondsteilen zwischenzeitlich ausgesetzt. Entsprechend ist die Einstellung des SCI-Vorstands. "Wir prüfen auch andere Fonds auf die Möglichkeit, die Öffentlichkeit dort zum Verkauf ihrer Anteile aufzufordern", so Wiederhold. Ins Leere laufen wird das Angebot der SCI im Falle des FT ABS Plus zumindest nicht, schätzt er. "Der Fonds wird nicht so schnell wieder aufgemacht, dafür ist die Situation an den Kreditmärkten zu unübersichtlich". Zumindest mit dieser Einschätzung dürften Fondsgesellschaft und SCI auf einer Linie liegen.