Samstag, 19. Oktober 2019

Anlagedesaster 143 Millionen Euro für ein Phantom-Hotel

Grauer Kapitalmarkt grotesk: Eigentlich sollten im Luxushotel "Maritim Dubailand" längst Gäste wohnen. Auf dem Wüstengrundstück befindet sich aber bislang nur eine Baugrube. Deutsche Anleger haben den Hotelflop mitfinanziert. Einem jungen Finanzwirt aus Hamm vertrauten sie Millionen an.

Hamm/Dubai - Drei Kräne, ein paar Baucontainer und eine riesige Baugrube - viel mehr gibt es nicht zu sehen auf dem Grundstück im Hinterland Dubais. Nur wenige Arbeiter sind zu entdecken - sie machen nicht den Eindruck, als wollten sie sich verausgaben.

Wunschvorstellung: Das Hotel "Maritim Dubailand" (hier eine Illustration) hätte eigentlich vor einigen Wochen schon eröffnet werden sollen
Was an gleicher Stelle zu dieser Zeit eigentlich geplant war, steht im Emissionsprospekt eines geschlossenen Immobilienfonds, des Hotelfonds Dubai 1000: Ein Luxushotel, ausgestattet mit 1000 Zimmern, 50 so genannten Ownersuiten und - als besonderem Bonbon - dem "Ein-Zimmer-Ein-Auto-Konzept", bei dem die Übernachtungsgäste eigens bereit gestellte Fahrzeuge kostenlos nutzen können. Schon im Juli dieses Jahres hätte das Haus die ersten Besucher aufnehmen sollen.

Tat es aber nicht. Und auch in nächster Zukunft wird kaum ein Gast im Hotel "Maritim Dubailand" absteigen. Denn im Moment ist kaum absehbar, wann der Bau fertig gestellt wird.

Zahlreiche deutsche Kapitalanleger kommt das teuer zu stehen. Denn diese haben den Fonds mit reichlich Eigenkapital ausgestattet. Wie viel die Anleger genau zum Investitionsvolumen von insgesamt knapp 143 Millionen Euro beigesteuert haben, ist allerdings offen. Initiator Georg Recker aus Hamm in Westfalen macht dazu keine Angaben. Die 70 Millionen Euro, die laut Markterhebung des Analysten Stefan Loipfinger zusammengekommen sein sollen, werden von Insidern als zu hoch gegriffen angezweifelt.

So oder so steht der Beteiligungsmarkt, in dem Jahr für Jahr zweistellige Milliardensummen eingesammelt werden, damit allen Bestrebungen und Beteuerungen für mehr Transparenz, Professionalität und Seriosität zum Trotz einmal mehr am Rande eines Anlagedesasters größeren Ausmaßes.

Was ist passiert? Am Anfang standen - wie so oft - große Versprechungen. In Hundertschaften hatte Recker vor rund zwei Jahren Anleger und potenzielle Vertriebspartner in Dubai begrüßt. Der Junginitiator - Anfang 30, Typ Dampfplauderer und bis dato vor allem als Steuerexperte und Seminarveranstalter aufgefallen - hämmerte seinen Gästen an zahllosen Wochenenden die Vorzüge seines ersten Beteiligungsangebots ein. Dubai boomt, der Fremdenverkehr ebenso. Was läge da näher als ein Hotel in der Wüste zu bauen?

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