Montag, 18. November 2019

Anlagedesaster 143 Millionen Euro für ein Phantom-Hotel

2. Teil: Das Projektteam löst sich in Luft auf

Das Projektteam löst sich in Luft auf

Aber nicht irgendeine Herberge sollte es sein. Diplom-Finanzwirt Recker wollte das größte Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum, mitten im Herzen des geplanten Mega-Freizeitparks "Dubailand" sollte es stehen. Ein neues Monument der Gigantomanie im an Superlativen ohnehin schon überfrachteten Dubai. Wenn schon, denn schon.

Wirklichkeit: Wo das Hotel bereits stehen sollte, gibt es zurzeit nur ein Bauloch, drei Kräne, ein paar Baucontainer und einen 500 Meter langen Zaun
Viele waren auf Anhieb begeistert. Und die wenigen, die Bedenken äußerten, wurden von Recker und seinen Jüngern gnadenlos abgebügelt. Risiken? Gelächter!

Unter jenen, die sich tatsächlich beteiligt haben, herrscht inzwischen Ernüchterung. Von Reckers Versprechungen hat sich noch kaum eine bewahrheitet. Insbesondere die prognostizierten Ausschüttungen von durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr sind nicht in Sicht.

Dabei sah das Vorhaben auf dem Papier zunächst wirklich vielversprechend aus. Eine Reihe prominenter Partner hatte Recker mit ins Boot geholt. Vom Edel-Interieur-Designer Bost in Berlin über die Siemens-Tochter SIAT sowie die weltweit renommierte Projektmanagementgesellschaft Drees + Sommer ("Zentrale Deutsche Post, Bonn", "Aqua City Palace, Moskau") bis zu Dewan, einem der führenden Architekturbüros im arabischen Raum, reichte die Liste der am Projekt beteiligten Unternehmen. Mit Maritim war auch schon ein namhafter Betreiber gefunden.

Inzwischen ist von Reckers Dreamteam nicht mehr viel übrig. Lediglich Designer Bost hält dem Jungunternehmer aus Hamm uneingeschränkt die Treue. Das Architekturbüro SIAT? Schon vor Monaten aufgelöst. Der Projektmanager Drees + Sommer? Recker kündigte den Vertrag bereits im April 2006 wegen angeblich mangelhafter Leistung.

"Wir sehen das natürlich etwas anders", sagt ein Mitarbeiter von Drees + Sommer gegenüber manager-magazin.de. "Wir waren mit dem Verlauf der Arbeiten bis dahin eigentlich zufrieden." Dass heute kein Kontakt mehr zum Initiator besteht, verwundert nicht. Denn laut Drees + Sommer wartet das Unternehmen noch darauf, dass für erbrachte Leistungen Forderungen "in erheblicher Höhe" beglichen werden.

Ähnliches ist von Dewan zu hören. Die Zusammenarbeit liegt seit beinahe einem Jahr auf Eis, zwischen den Parteien herrscht Funkstille. Auf Briefe von Dewans Anwälten, in denen diese auf die ausstehende Zahlung geschuldeter Gelder pochen, reagiert Recker nicht. Verständlich, dass Dewan auf der Baustelle keinen Finger rührt.

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