Abgeltungsteuer Vorteil Fondspolice

Die Abgeltungsteuer macht's möglich: Unter dem Strich - also nach Steuern - kann sich die Fondspolice gegenüber einem direkten Fondsinvestment für den Kunden bezahlt machen. Zähneknirschend nehmen Verbraucherschützer damit das Ergebnis eigener Berechnungen zur Kenntnis.

Hamburg - Verbraucherschützer sind bekanntermaßen keine Fans der klassischen Lebensversicherung, sprich der Kapitallebensversicherung. Kapitalanlage und die Absicherung von Risiken wie Tod oder Berufsunfähigkeit gehörten getrennt, so das Bekenntnis. Auch die auf dem Vormarsch befindliche Fondspolice findet in den Verbraucherzentralen wenig Freunde: Die meisten Fondsversicherungen seien mit Verlustrisiken verbunden, sie wälzten einen Großteil des Anlagerisikos auf den Versicherten ab und eigneten sich deshalb nur bedingt zur Altersvorsorge, heißt es immer wieder.

Nicht zuletzt bemängeln Verbraucherschützer die aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz von Fondspolicen. Denn hier wird der Anlagebetrag um die Abschlusskosten der Versicherung gemindert. Zudem zahlt der Versicherte Gebühren für das Fondsmanagement: Damit wird der Verbraucher zweimal zur Kasse gebeten: erstens für den Versicherungsmantel, zweitens für das Fondsprodukt.

Angesichts der ab 2009 greifenden Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge schreiben jedoch selbst Verbraucherschützer der reinen Fondspolice, deren Fonds vornehmlich in Aktien investieren, zusehends attraktive Merkmale zu - allerdings eher zähneknirschend.

Denn eigentlich sollte die Abgeltungsteuer eine gerechtere Besteuerung von Kapitalerträgen bewirken. Tatsächlich aber führe diese Pauschalsteuer insbesondere im Bereich der Aktienanlage zu "neuen Ungleichheiten und Benachteiligungen". Von dieser "ökonomisch widersinnigen Wettbewerbsverzerrung" werde die Fondspolice gegenüber der direkten Investmentfondsanlage profitieren, sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen in Gespräch mit manager-magazin.de.

Zur Untermauerung seiner These hat der Finanzexperte 45 in Deutschland angebotene private fondsgebundene Rentenversicherungen untersucht und sich dabei der Vergleichs- und Analysesoftware "LV-Win" des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen bedient. Dabei hat Gottschalk lediglich jene Tarife berücksichtigt, die keine garantierte Verzinsung wie bei der Riester-Rente bieten und bei denen im Todesfalle in der Ansparphase entweder die Beiträge erstattet oder das Fondsguthaben ausgezahlt werden.

Zahlt der Versicherte nun 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in so eine fondsgebundene Versicherung ein, deren Fonds jährlich eine unterstellte Rendite von 7 Prozent erzielen, dann ergäbe sich im Schnitt der 45 untersuchten Angebote eine Ablaufleistung von 93.700 Euro vor (!) Steuern. Zuzüglich erwarteter aber keineswegs garantierter Überschüsse wären es 100.900 Euro, so Gottschalk.

Investierte der Verbraucher dagegen die 100 Euro 30 Jahre lang in einen Aktienfonds, der - nach laufenden Kosten - ebenfalls eine Rendite von 7 Prozent erwirtschaftet, dann käme der direkte Fondsanleger auf ein Guthaben von 112.000 Euro vor Steuern. Gottschalk hat dabei einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent beim Kauf des Fonds unterstellt sowie eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3 Prozent und eine jährliche Wertsteigerung von 4 Prozent. Bei einem reduzierten Ausgabeaufschlag von 2,5 Prozent schlügen vor Steuern 114.800 Euro zu Buche.

Für die reine Kapitalbildung seien Fondspolicen - vor Steuern wohlgemerkt - damit das "eindeutig schlechtere Produkt, da es zusätzlich mit den Kosten des Versicherers belastet ist", sagt Gottschalk.

"Das schlechtere Produkt wird begünstigt"

Nach Steuern liegt die Fondspolice vorn

Nach Steuern sieht die Modellrechnung des Finanzexperten anders aus: Lässt sich der Versicherte seinen Fondspolicenvertrag nach dem 60. Lebensjahr auszahlen, muss er die Hälfte der Differenz zwischen Ein- und der Auszahlungen mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Von den durchschnittlich 100.900 Euro verblieben dem Versicherten bei einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent dann 91.200 Euro.

Dem direkten Aktiensparer wiederum verblieben von den möglichen 112.000 Euro Fondsguthaben künftig nach Abzug der Abgeltungsteuer auf Dividenden und Kursgewinne lediglich 81.200 Euro, rechnet Finanzexperte Gottschalk vor.

Das Fazit des Finanzexperten: "Die ungleiche steuerliche Behandlung führt dazu, dass der Staat das tendenziell schlechtere Produkt - nämlich die Fondspolice - begünstigt", sagt Gottschalk und schimpft über diesen "ökonomischen Widersinn in Reinkultur". Fakt ist aber, folgt man den Berechnungen des Verbraucherschützers, dass sich eine Fondspolice unter dem Strich für den Verbraucher in Euro und Cent auszahlen kann.

Dann also im Zweifelsfall doch lieber auf eine Fondspolice statt direkt auf einen Investmentfonds setzen?

Eher nicht, meint der Finanzexperte. Die Fondspolice sei gegenüber dem direkten Fondsinvestment anfänglich mit höheren Kosten belastet. Der mögliche Steuervorteil der Fondspolice rechne sich nur, wenn der Versicherte seinen Vertrag auch durchhält. Nahezu jeder zweite Verbraucher schaffe dies aber nicht und muss bei vorzeitiger Kündigung zumeist finanzielle Einbußen hinnehmen. Zudem mache sich unter dem Strich der Steuervorteil auch nur bei vergleichsweise kostengünstigen Policen bemerkbar.

Grundsätzlich empfiehlt Gottschalk Verbrauchern ohnehin, bei der privaten Altersvorsorge zunächst einmal alle Möglichkeiten der Riester-Rente auszuschöpfen. Denn diese staatlich zertifizierten Produkte werden nicht nur gefördert, sondern garantieren dem Kunden den Erhalt der eingezahlten Sparbeiträge und der staatlichen Zulagen.

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