Fondsmanager London calling

Mit der Schallplatte "London Calling" machte die Band The Clash bei Millionen von sich reden. Andere machen in London Millionen. Auch talentierte deutsche Fondsmanager eröffnen in der britischen Hauptstadt ihre eigenen Unternehmen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Mekka liegt an der Themse - zumindest für Fondsmanager. Dort, irgendwo zwischen denn Bahnstationen Bayswater und Tower Hill, können sie sich entfalten. Das sagt zumindest Karl Fickel. Und der müsste es wissen. Im Jahr 2000 hatte er in Frankfurt eine Fondsboutique aufgemacht. Inzwischen verwaltet er mit seinen Partnern Milliarden. "Schon damals war es schwierig, aber heute?", grollt der Bayer.

"Talentierte junge Fondsmanager verlassen daher nicht selten Deutschland, um beispielsweise in London einen Hedgefonds aufzumachen." Dort winkt die große Freiheit, hierzulande sei alles durchreguliert. Dabei hat Deutschland in der Theorie zumindest ein recht liberales Rechtssystem, was die Kapitalanlage anbelangt. Aber in der Praxis werden "Dinge mehrfach geprüft, alles dauert lange". In Großbritannien sei das schon etwas einfacher.

Steffen Gruschka kann da nur nicken. Lange war er einer der Vorzeigemanager der DWS. Nun hat er sich jüngst selbstständig gemacht und mit seinem Partner Ashwan Khanna einen Hedgefonds, Explorer Capital, aufgemacht. "Die grundsätzliche Entscheidung zur Selbstständigkeit beruhte auf dem Wunsch, ein eigenes Geschäft mit eigenen Händen aufzubauen. Das bedeutet mehr Flexibilitat bezüglich der Arbeitsweise unseres Teams und die Wahl des Hedgefonds erlaubt eine erweiterte Investmentstrategie gegenüber einem reinen Long-Only-Fonds."

Und weiter: "Der Finanzplatz London bietet für Hedgefonds den Vorteil eines breiten Publikums an Hedgefondsinvestoren und Serviceprovidern. Für eine Osteuropastrategie ist zudem die Tatsache, dass viele Investmentbanken und ihre Analysten hier ansässig sind, genauso von Vorteil wie die große Anzahl an osteuropäischen Unternehmen, die nach London kommen, um Investoren zu treffen." Fickel sekundiert: "Da braucht man nur den Primebroker, der drückt einem 20 Formulare in die Hand und das war's." Primebroker sind Institute, die dem Manager bei seiner Arbeit unterstützen.

Staatliche Überregulierung ist dabei ein Aspekt, der die Manager in die Flucht treibt, die individuelle Freiheit eines Managers die andere. Wer etwas bewegen will, braucht Spielraum, um seine eigenen Ideen zu verwirklichen. Zum Beispiel, indem er deutlich vom Index abweicht. Spätestens seit Jeffrey Vinnik sehen das die wenigsten Fondsgesellschaften gern.

Der gefürchtete Vinnik-Effekt

Der gefürchtete Vinnik-Effekt

Dieser Fidelity-Manager genoss seinerzeit allerlei Freiheiten, was er seinem Arbeitgeber durch gute Wertentwicklung des ihm anvertrauten Fonds zurückzahlte. Doch irgendwann lag er mit seiner Prognose der Märkte falsch - und ebenso sein Fonds. Fidelity entließ ihn und seitdem irrlichtert sein Name durch die Finanzbranche. Und steht für die Sorge der Verwalter, sich angreifbar zum machen, wenn sie zu weit vom Index abweichen. Gesellschaften wollen die Freiheit nicht einräumen, Durchschnittsmanager sie nicht eingehen.

Doch gute Manager wollen mehr und sind bereit, dieses Risiko einzugehen. In London scheint man sie öfter zu erhören. Michael Krautzberger, lange Rentenfondsmanager bei Union Investment, arbeitet nun bei Blackrock. Jürgen Kirsch hat sich schon vor Jahren aufgemacht und mit Griffin Capital in London an seinen Ruf als Osteuropa-Experte gefestigt. Ennismore, eine kleine Firma, die sich auf Europainvestments spezialisiert hat, wurde von Gerhard Schöningh und Geoff Oldfield gegründet. beide vorher bei großen Unternehmen beschäftigt. Wobei Schöningh angeblich im März 2006 das Unternehmen verlassen hat, um eine Auszeit zu nehmen. Und immer neue Unternehmen kommen dazu.

Freilich, auch in Deutschland gibt es Fondsboutiquen. Der Mainfirst steht Hans-Peter Schupp vor, ein ehemaliger Julius-Bär-Manager. Dazu stößt Olgert Eichler von Union Investment. Oder Christoph Bruns, der gleichfalls lange für Union Investment Aktienfonds verwaltete und nun aus Chicago und dem Oldenburgischen mit Loys einen eigenen Fonds verwaltet. Doch die Zahl der Selbstständigen scheint zu stagnieren. "Es ist schon ziemlich kompliziert, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen. Vor allem, wenn ein Manager sich alleine selbständig machen will, wird er Probleme bekommen, das ganze notwendige Set-Up aus eigener Kraft zu stemmen", so Fickel.

Allerdings könnte Fickel selbst vermutlich von dieser Entwicklung profitieren. Denn er hat vor gut einem Jahr ein Talenthotel gegründet, das jungen Fondsmanagern eine Art "Selbstständigkeit light" ermöglicht, wie er es nennt. Er stellt ihnen einen Arbeitsplatz, sie nutzen ihre Hedgefondsstrategien. Und wenn sie erfolgreich sind, können sie eigentlich gleich bleiben. In Frankfurt, nicht in London.

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