Kreditkrise Weiteren ABS-Fonds droht Schließung

Wie der Zahnbohrer dem Nerv nähert sich die US-Hypothekenkrise den deutschen Anlegern. Einige ABS-Fonds wurden schon geschlossen, weitere dürften folgen. Doch die Aussetzung der Anteilsrücknahme betäubt nur vorübergehend - nach der Öffnung kann es umso heftiger schmerzen.

Hamburg - Welcher Fonds wird als nächstes schließen? Und vor allem: Was ist ein Anteil noch wert, wenn die Schließung wieder aufgehoben wird? Fragen, die zurzeit tausende Anleger von Investmentfonds umtreiben. Zu Recht sorgen sich die Investoren um ihr Vermögen. Denn durch die Aussetzung der Rücknahme von Fondsanteilen wird deren Wert keineswegs eingefroren - im Gegenteil.

Vor allem Fonds, die in verbriefte Forderungen - wie zum Beispiel Asset Backed Securities (ABS) - investieren, stehen zurzeit im Brennpunkt des Interesses. Der Grund: Sieben ABS-Fonds wurden in den vergangenen Tagen bereits dicht gemacht. Darunter Produkte von renommierten Adressen wie Frankfurt Trust, der Fondstochter der BHF-Bank. Auch Union Investment, HSBC Trinkaus Investment Managers und die zurzeit ohnehin krisengeschüttelte WestLB ist über eine Luxemburger Tochter betroffen.

Die Anbieter nehmen die Anteile dieser Fonds vorerst nicht mehr zurück, geben aber im Gegenzug auch keine neuen mehr aus. Eine Übersicht, die die Ratingagentur Feri exklusiv für manager-magazin.de erstellt hat, zeigt alle ABS-Fonds, die gegenwärtig in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind.

Ein Blick auf diese Übersicht zeigt: Über den Frankfurt-Trust-ABS-Plus-Fonds und neben den sieben bislang geschlossenen Fonds von Union Investment, WestLB Mellon, SG Asset Management, HSBC, Hypo KAG, Natixis und BNP Paribas befinden sich zurzeit noch 21 weitere ABS-Fonds im Umlauf. Vergleichbare Risiken enthält zudem eine unüberschaubare Zahl von Geldmarkt-, Renten-, Dach- und Mischfonds. Denn diese investieren - wenn auch in weitaus geringerem Maße als die reinen ABS-Fonds - zum Teil ebenfalls in verbriefte Wertpapiere, um ihre Performance aufzubessern.

"Wir hatten aufgrund der US-Hypothekenkrise verstärkte Rückgabewünsche seitens unserer Anleger", erläutert ein Sprecher von Union Investment, die ihren Fonds ABS-Invest Ende Juli als eine der ersten verriegelte. "Auf der anderen Seite befinden sich die Investoren auf den internationalen Finanzmärkten derzeit in einer Phase, in der sie ihre Risikoeinstellungen neu justieren. Daher sehen wir keine Möglichkeit, unser ABS-Portfolio zu akzeptablen Preisen zu liquidieren, um die Rücknahmewünsche bedienen zu können."

Dauer der Fondschließungen offen

Dauer der Fondschließungen noch offen

Im Klartext heißt das: Die deutschen Kleinanleger, die jetzt ein Risiko in ihrer ABS-Anlage sehen, kommen nicht mehr an ihr Geld, weil auf der anderen Seite die institutionellen Großanleger in aller Welt, die sonst als Käufer der ABS-Papiere in Frage kommen, ebenfalls nicht mehr bereit sind, die Risiken zu den bisherigen Preisen einzugehen.

Vor dem Hintergrund ist klar, dass sich kaum jemand auf die Dauer der Fondsschließung festlegen will. Seit Wochen lässt die US-Hypothekenkrise die Finanzmärkte in aller Welt erzittern. Immer wieder brechen die Kurse an den Märkten ein.

Was jedoch entscheidend ist: Auch in den kommenden Wochen und Monaten wird sich die Lage nicht beruhigen. Schließlich geht es um Probleme in der Immobilienfinanzierung - und dort haben Kreditverträge in der Regel lange Laufzeiten.

Die Hypothekenkrise wird die Märkte daher weiter in Atem halten. Momentan reißt die Kette verunsichernder Nachrichten nicht ab. Die neueste: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) untersucht im Zusammenhang mit den Turbulenzen am US-Hypothekenmarkt das sogenannte Investmentvehikel "Ormond Quay" der SachsenLB. Eine Sonderprüfung laufe bei dem Institut aber nicht.

Die Folge solcher und anderer Meldungen ist eine Flucht der Anleger in sichere Werte. Immer mehr Investoren greifen beispielsweise zu als verlässlich geltenden Rentenpapieren. Am Freitag etwa verzeichnete der Bund Future Zugewinne, während es am Aktienmarkt weiter bergab ging. Der Bund Future gilt als Gradmesser für den europäischen Staatsanleihenmarkt.

Anleger zahlen die Zeche

Anleger zahlen die Zeche

"Immer mehr Leute flüchten sich wegen der Unruhe an den internationalen Finanzplätzen in den Markt für festverzinsliche Wertpapiere", sagt ein Rentenhändler in London. "Da die Krise nun auch den Geldmarkt erreicht hat, gibt es kaum eine sinnvolle Alternative zu Renten, wenn man das Gewitter jetzt überstehen will."

Bleibt die Frage, was passiert, wenn die Fonds, die zurzeit geschlossen sind, wieder öffnen. Laut Investmentgesetz kann die Rücknahme der Anteile verweigert werden, solange die Voraussetzung für die Ursache der Schließung gegeben ist. Besteht diese Ursache nicht mehr, muss wieder geöffnet werden.

Im derzeitigen Szenario heißt das: Sobald die Märkte sich wieder beruhigt haben, erhalten die Anleger auch wieder Zugriff auf Ihr Geld.

Dann jedoch werden auf den Weltmärkten Risiken vermutlich anders eingeschätzt als heute, und Assets anders - sprich niedriger - bewertet. Die Folge ist, dass die Portfolios der zurzeit geschlossenen ABS-Fonds dann vermutlich nicht mehr den Wert haben, der ihnen - zumindest auf dem Papier - gegenwärtig zukommt. Die Fondsanleger, die erst zu einem solchen Zeitpunkt wieder an ihr Geld kommen, dürfte das teuer zu stehen kommen.

Tabelle: Alle ABS-Fonds im Überblick

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