Finanzmärkte "Wo Angst ist, da ist Panik"

Wachsende Sorgen wegen der Krise auf dem Kreditmarkt haben die Börsen auf breiter Front einbrechen lassen. Vor allem Banken- und Finanztitel wie Goldman Sachs und Bear Stearns gerieten in den Strudel und verbuchten Verluste von mehr als fünf Prozent. Analysten sprachen von panikartigen Verkäufen.

New York/Frankfurt am Main - Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte stand am Donnerstag von Beginn an unter Druck und schloss 2,83 Prozent schwächer auf 13.270 Punkten. Sein Tageshoch hatte er mit der Eröffnung bei 13.652 Stellen gesehen. Der breiter gefasste S&P-500-Index  verlor 2,96 Prozent auf 1453 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  gab 2,16 Prozent auf 2556 Stellen nach.

"Die Angst geht um - und wo Angst ist, da ist Panik. Und wo Panik herrscht, da wird verkauft", kommentierte Analyst Mike O'Hare von JP Morgan Chase das Börsengeschehen.

Die Kreditprobleme rückten wieder verstärkt ins Zentrum, nachdem die französische Großbank BNP Paribas  wegen ihres Engagements am US-Hypothekenmarkt drei Fonds vorerst geschlossen hatte. In den vergangenen Tagen hatten bereits mehrere Banken und Fondsgesellschaften wegen der Kreditkrise ihre ABS-Fonds bis auf weiteres geschlossen.

Zudem berichtete das "Wall Street Journal", dass ein zweiter Hedgefonds von Goldman Sachs  in ernste Schwierigkeiten geraten sei. Zu den größten Verlierern gehörten denn auch die Papiere der Investmentbank, die 5,7 Prozent auf 182,25 Dollar abrutschten. Bear Stearns verloren und 5,8 Prozent auf 114,05 Dollar. Der Aktienkurs der Citigroup  gab um 5,2 Prozent nach auf 46,90 Dollar.

Dax verliert 2 Prozent

Auch in Deutschland hatte sich die Stimmung an den Börse zuvor deutlich verschlechtert. Befürchtungen, die Krise am US-Hypothekenmarkt könnte tiefere Kratzer in den Bilanzen hinterlassen haben als bekannt, ließen den Dax  um bis zu 2,4 Prozent auf 7426 Punkte fallen.

Auf der Verkaufsliste standen vor allem Finanzwerte: Die Commerzbank  büßte fast fünf Prozent ein, die Deutsche Bank  rund 4,4 Prozent und die Allianz  mit ihrer Tochter Dresdner Bank knapp 3,5 Prozent. Ausverkaufstimmung herrschte im MDax  - 16 Aktien der 50 dort notierten Anteilsscheine verloren mehr als 4 Prozent.

Die EZB hatte wegen der Hypothekenkrise heute erstmals seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 mit einem sogenannten Schnelltender frisches Geld in die Märkte gepumpt. Die Liquiditätsspritze in Höhe von 95 Milliarden Euro beruhigte die Märkte allerdings nicht im erhofften Ausmaß, sondern wurde eher als Bestätigung der Probleme aufgefasst.

US-Staatsanleihen im Aufwind

In New York verloren die Papiere von AIG : Der weltgrößte Versicherer konnte zwar trotz Verlusten im Hypothekengeschäft den Gewinn um gut ein Drittel steigern. Die anhaltende Krise am Immobilienmarkt belastete aber die Sparte für Hypotheken-Garantien. Zudem warnte AIG vor wachsenden Zahlungsausfällen auch bei besser besicherten Hypotheken. Die Aktien sanken um 3,3 Prozent auf 64,30 Dollar.

Ein weiterer Verlierer war Home Depot , dessen Kurs um 5,3 Prozent auf rund 35,79 Dollar nachgab. Die weltgrößte Baumarktkette bekommt womöglich weniger Geld für ihre Gewerbekunden-Sparte als zuvor vereinbart. Dem Konzern zufolge könnten die Verhandlungen mit den Käufern - die Finanzinvestoren Bain Capital Partners, Carlyle Group sowie Clayton, Dubilier & Rice - zu einer Reduzierung des Kaufpreises von 10,3 Milliarden Dollar führen.

An der New York Stock Exchange wechselten knapp 2,8 Milliarden Aktien den Besitzer. 702 Werte legten zu, 2648 gaben nach und 64 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,54 Milliarden Aktien 1062 im Plus, 1928 im Minus und 100 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen im späten Handel um 21/32 auf 99-26/32. Sie rentierten mit 4,774 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 15/32 auf 95-29/32 und hatten eine Rendite von 5,017 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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