Aktienmärkte Gekkos Rückkehr?

Die Krise an den Kreditmärkten treibt auch die Dresdner Bank um. Trotzdem senkt deren Chefanlagestratege Holger Boschke sein Dax-Kursziel nicht. 8200 Punkte müssten drin sein - schließlich wüssten die Marktteilnehmer mit den Gefahren umzugehen.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Vor 20 Jahren ist dem Raider Ivan Boesky und seinem Financier Michael Milken mit dem Film "Wall Street" ein Denkmal gesetzt worden. Boesky alias Gordon Gekko finanzierte Übernahmen mit Krediten. "Der Film kam in die Kinos - und kurz Zeit später crashte der Markt ", erinnert sich Holger Boschke. Jetzt sei ein zweiter Teil von "Wall Street" geplant, fügt der Chefanlagestratege der Dresdner Bank hinzu. Auch dieses Mal gibt es Probleme an den Kreditmärkten.

Derzeit ist für ihn wie für die meisten anderen Finanzexperten die Entwicklung an den Kreditmärkten einer der größten Risikofaktoren im internationalen Marktgefüge. 1987 war es der Raider Gekko, der erst durch die Junk Bonds des Michael Milken die Kaufsummen stemmen konnte. Heute sind es die Private-Equity-Häuser, die sich bei den Banken zum Kauf von Unternehmen billigen Fremdkapitals bedienen. Die Finanzhäuser wälzen dann die Kreditrisiken auf Hedgefonds über.

Der Transfermechanismus hat bis vor kurzem zur einträglichen Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert. Doch jetzt häufen sich die Meldungen, dass die Finanzinvestoren höhere Risikoprämien zahlen oder größere Sicherheiten bieten müssen. Denn der Refinanzierungskanal über die Hedgefonds wird für die Banken zunehmend enger.

"Realwirtschaft spricht gegen Crash"

Die Krise auf dem US-Markt für Immobilienkredite hat die Lage einschneidend verändert. Der Kollaps von zwei Hedgefonds der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns hat das Risikobewusstsein geschärft - und das verteuert das Fremdkapital.

Dresdner-Bank-Stratege Boschke verfolgt die Entwicklung mit Argusaugen. Allerdings sieht er gerade in der Entwicklung an den Kreditmärkten auch ein positives Zeichen. Die schlechten Nachrichten seien im Markt, sodass die Marktteilnehmer die Risiken nun wieder intensiver beobachten würden. Er geht davon aus, dass sich die Kreditspreads deshalb weiter normalisieren werden. Die Risikoaufschläge (Spreads) sind deshalb zuletzt wieder etwas ausgeweitet worden.

Zudem bildet seiner Ansicht nach die realwirtschaftliche Entwicklung einen Schutz vor einer Wiederholung des Crashs von 1987. Die Konjunkturexperten der Dresdner Bank sehen die Weltwirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs. Das Bruttoinlandsprodukt wird ihrer Prognose nach in diesem Jahr in den USA um 2,1 Prozent und 2008 um 2,7 Prozent zulegen, während sich die Wirtschaftsdynamik im Euro-Land von 2,7 Prozent auf 2,2 Prozent etwas abschwächt. Allerdings bleiben China und Indien die Boomer-Volkswirtschaften mit Raten von 10 und 8 Prozent.

China ist Hoffnung und Problem

China ist Hoffnung und Problem zugleich

Vor allem China spielt wegen der wachsenden Bedeutung im Welthandel eine immer zentralere Rolle für die globale Konjunkturdynamik. Dass aber China nicht nur zu einer treibenden Kraft für die Weltwirtschaft geworden ist, sondern ebenfalls auf die Liste der Risikofaktoren gehört, zeigte sich vor kurzem.

Die chinesische Regierung wollte den Spekulationsboom seiner Bürger dämpfen - und löste Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten aus. "Am chinesischen Aktienmarkt herrscht nach wie vor eine extreme Übertreibung", urteilt Boschke. Alain Bourrier geht noch einen Schritt weiter. "Die Bewertungen sind nicht mehr hinnehmbar, da sie nur noch Ausdruck einer Investment-Mania sind", schimpft der Fondsmanager des Vermögensverwalters Blackrock.

Mit seinem Urteil steht Bourrier keineswegs alleine in der Fondsmanagergilde. Konsequenzen aus seiner Analyse zieht indes auch Blackrock nicht. Aus gutem Grund. Reduziert die Investmentgesellschaft zu früh den Anteil Chinas in ihren Emerging-Market-Fonds, kann ihr Performance verloren gehen. "Es besteht einfach die Gefahr, zu früh aus dem Markt auszusteigen", sagt Bourrier. Wohl ist ihm dabei allerdings nicht, zumal seiner Ansicht nach andere Schwellenmärkte deutlich bessere Aussichten bieten.

Das mag auch daran liegen, dass Boschke seit 15 Jahren den osteuropäischen Markt analysiert und die Fonds steuert. Aber der aus Frankreich stammende Manager ist auch aus einem anderen Grund von Russland als Investment begeistert. Der Aktienmarkt in Moskau erreicht seiner Meinung nach die nächste Stufe der Entwicklung: Die Ölunternehmen am russischen Aktienmarkt verlieren an Dominanz. Stattdessen werden mit dem immer dynamischeren Wirtschaftswachstum die Konsum- und Finanzaktien langsam wichtiger. "Das eröffnet den Investoren mittelfristig eine steigende Zahl von neuen Anlagechancen", ist er überzeugt. Aktuell setzt er noch vor allem auf Gas-Titel.

Begrenzte Begeisterung für Russland

Die Russland-Begeisterung des Chefanlagestrategen der Dresdner Bank hält sich dagegen eher in Grenzen. Noch immer dominierten die Ölunternehmen die Entwicklung im russischen Aktienmarkt. Boschke hebt lieber den Heimatmarkt heraus. Anleger sollten deutsche Aktien in ihrem Portfolio weiterhin übergewichten. "Deutsche Aktien sind zwar nicht mehr billig, aber keineswegs überbewertet", argumentiert er. Obwohl ihm der geplante Film "Wall Street 2" schon zu denken gebe, bleibt Boschke bei seinem Kursziel für den deutschen Leitindex Dax: "8200 Punkte sind wegen der Entwicklung der Unternehmensgewinne ein fairer Wert zum Jahresende."

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