Geldanlage Das wache Geschlecht

Die Börsianer reagieren dünnhäutig, da der Dax immer häufiger schwankt. Kein Problem für Frauen, erklärt die Vermögensberaterin Svea Kuschel. Aufpassen müssen Mann und Frau allerdings gleichermaßen - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Dax  und Co. notieren auf und nahe Höchstständen, die Börse wird hektisch. Reagieren Frauen eigentlich anders auf so eine Situation als Männer?

Kuschel: Frauen kümmern sich wesentlich weniger um Höchst- oder Tiefstände der Indizes. Sie bauen von Anfang an Sicherheitspolster ein. Aktienfonds machen nur einen kleinen Teil ihres Depots aus. Sie bevorzugen nachhaltige Geldanlagen und stehen mit denen auch Kursschwankungen durch.

mm.de: Würden Sie männlichen Kunden in dieser Situation also etwas anderes raten als Ihren weiblichen Kunden?

Kuschel: Männer fragen jetzt schon häufiger an, ob jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, aus Aktien auszusteigen. Wir raten dann dazu, sich das Gesamtdepot anzuschauen und eine Streuung vorzunehmen, die auch über das Jahr 2009 hinaus sinnvoll ist. In vielen Fällen raten wir auch zu Gewinnmitnahmen – das gilt allerdings für Frauen und Männer.

mm.de: Sie sagen in Ihrem Buch, Frauen legen anders an als Männer - woher kommt dieser Unterschied und worin äußert sich das?

Kuschel: Während für sehr viele Männer ausschließlich die in Aussicht gestellte Rendite die Kaufentscheidung bestimmt, sind Frauen daran interessiert, dass ihr Geld sinnvoll angelegt wird, nicht in Waffen, keine Kinderarbeit und so weiter. Sie möchte die "Story" kennen und nicht die Benchmark.

mm.de: Nehmen Frauen Situationen anders wahr? Es heißt ja immer wieder, Frauen würden ihr Portfolio weniger oft drehen als Männer. Doch so etwas kann bei Männern als Selbstüberschätzung ausgelegt werden und bei Frauen als Desinteresse.

Kuschel: Desinteresse nein. Frauen brauchen im Vorfeld sehr viel Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Dann haben sie allerdings das Gefühl, jetzt nicht mehr ständig umschichten zu müssen. Das wirkt sich positiv auf die Depots der Frauen aus.

Hände weg von "Frauenfonds"

mm.de: Braucht es dazu "Frauenfonds" wie weiland von VMR?

Kuschel: Wir halten rein gar nichts von Frauenprodukten. Produkte gibt es mehr als genug. Es fehlt eher an individueller guter Beratung. Genau so wenig, wie es den Mann gibt, für den ein einziges Produkt passt, gibt es auch nicht die Frau.

mm.de: Brauchen Frauen eigentlich eine andere Sparrate als Männer und warum?

Kuschel: Frauen brauchen keine andere Sparrate als Männer. Sie sollten ebenfalls so viel wie möglich investieren. Sie suchen sich aber lieber eine Sparrate aus, von der sie sicher sind, dass sie diese in guten und schlechten Zeit zahlen können. Deshalb sind die Möglichkeiten der freiwilligen Zuzahlungen gerade für Frauen eine sehr gute Alternative, die gerne genutzt wird.

mm.de: Ihr Rat an Frauen in der aktuellen Situation?

Kuschel: So wie sich die Lebenssituation immer wieder verändert, so ist es auch mit den Angeboten für die finanzielle Unabhängigkeit. Es muss immer wieder in Abständen überprüft werden, ob die Geldanlagen noch zu der jetzigen Lebenssituation und den Zielen und Wünschen passen. Auch im Hinblick auf die Einführung der Abgeltungsteuer ist ein Depotcheck sehr wichtig.

mm.de: Setzen Sie eigentlich eher auf weibliche Fondsmanager?

Kuschel: Nein – Erfahrung und fundiertes Wissen sind wichtig.