Goldman-Sachs-Studie Grüne Welle

Goldman Sachs hat sich als Verkünder neuer Anlagetrends einen Namen gemacht. Nach Investments in Schwellenländern unter den Siegeln "BRIC" und "Next 11" empfiehlt die Bank jetzt eine Auswahl ökologisch und sozial zukunftsfähiger Aktien als "GS Sustain". Dafür gibt es sogar den Segen der Uno.

Hamburg - Wo Jim O'Neill draufsteht, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein verkaufsförderndes Schlagwort für die trendbewusste Fondsindustrie drin. Der Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs  ist der Schöpfer des Kürzels BRIC. Unter den vier Buchstaben, die für die größten und chancenreichsten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China stehen, gab es in den vergangenen Jahren einen wahren Investmentboom.

Zuletzt brachte O'Neill mit "Next 11" die nächste Welle ins Rollen - obwohl er selbst davor warnt, den von ihm vorhergesagten Aufstieg elf weiterer Länder mit Next-11-Aktienfonds zu beantworten. Ihm gehe es eher darum, langfristige Chancen und Perspektiven aufzuzeigen.

Langfristig gedacht ist auch eine neue Studie aus dem Hause Goldman Sachs, für die ebenfalls Jim O'Neill verantwortlich zeichnet. Das Schlagwort diesmal: GS Sustain. Darin hat die Investmentbank Unternehmen aufgelistet, die nach ihrer Analyse besonders gut auf die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Probleme der Zukunft vorbereitet sind.

"Der Markt belohnt diejenigen, die vorangehen", heißt es dort. Denn Trends wie die schnell wachsende Bevölkerung, der Drang in die Städte, größere Nachfrage nach Rohstoffen, veränderte Konsumwünsche und der Klimawandel würden alle treffen. Wer sich aber jetzt schon auf die Veränderungen einstelle, genieße einen Vorteil im Wettbewerb.

"Unser Hauptmotiv war, Firmen zu finden, die in zwei bis drei Jahren den Markt schlagen", sagt Sarah Forrest, Leiterin des GS-Sustain-Forscherteams. Als Tipp für Privatanleger will sie ihr Werk aber nicht verstanden wissen. Die ersten Adressaten der Studie seien institutionelle Investoren.

Die Thesen von "GS Sustain" sind aber durchaus für Privatanleger interessant. Denn die Autoren heben hervor, dass die von ihnen ausgewählten Aktien überdurchschnittlich gut liefen - seit 2005 seien ihre Kurse um 25 Prozent stärker gestiegen als der weltweite Aktienindex MSCI World, 72 Prozent der ausgewählten Unternehmen haben die Vergleichsaktien ihrer jeweiligen Branche geschlagen.

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Nachhaltiges Wirtschaften zahlt sich für die Aktionäre aus - diese Botschaft brachte den Hauptautor der Studie, Goldman-Sachs-Anlagechef Anthony Ling, jüngst auf die Bühne des UN-Gipfels zum "Globalen Pakt" Tausender Unternehmen für verantwortliches Handeln. Die Studie wurde mit dem Prädikat "bahnbrechend" und weihevollen Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon veröffentlicht.

Schließlich ist das die Sehnsucht der Nachhaltigkeitsaktivisten: ein Beleg, dass sich die Kosten des Engagements im Gegensatz zur herkömmlichen Vorstellung an der Börse auszahlen - wenn auch erst langfristig. Fast beiläufig erklärt Goldman Sachs sogar höhere Personalkosten zum Vorteil: "Je mehr man zahlt, desto mehr bekommt man." Forrest sieht einen Wandel im Denken der Marktakteure. "Nachhaltigkeit muss ein integraler Teil der Unternehmensberichte und Investmentanalysen sein."

Allerdings ist das Thema nicht ganz neu. Neben dem regulären Geschäftsbericht einen besonderen Nachhaltigkeitsbericht herauszugeben, gehört schon fast zum guten Ton. In der Diskussion um den Klimawandel hat die Fondsindustrie schon längst Anlagechancen entdeckt. Außerdem gibt es etablierte Konkurrenz: Das Traditionshaus Dow Jones  veröffentlicht bereits seit 1999 seinen Dow Jones Sustainability Index, die Briten von FTSE haben 2001 den FTSE4Good herausgebracht. Beide wählen die nachhaltigsten Unternehmen aus mehr als 2000 Firmen aus, während GS Sustain bislang nur rund 120 Unternehmen aus fünf Branchen untersucht.

Dennoch lässt Goldman Sachs kein gutes Haar an diesen Indizes. Die Kritik macht sich an deren "schlechtem Abschneiden" fest - ihre Entwicklung bleibe hinter den Aktienmärkten zurück. Den Hauptgrund sehen die Autoren darin, dass nachhaltiges Wirtschaften "einige Zeit braucht, um sich in finanziellen Ergebnissen niederzuschlagen". Auch die eigenen Indizes zum ökologischen, sozialen Handeln und der Führung der Unternehmen (ESG - Environment, Social and Governance) allein seien unzureichend.

Die GS-Sustain-Liste verbindet nun die ESG-Statistiken mit der Benotung branchenspezifischer Wettbewerbsvorteile und der Cash-Rendite. Erst weiche und harte Faktoren zusammen erlauben ein Urteil darüber, wie zukunftsfähig ein Unternehmen ist. Nach diesen Kriterien haben die Goldman-Sachs-Experten zunächst 21 Aktien aus fünf untersuchten "reifen Branchen" (Energie, Bergbau/Stahl, Nahrung/Getränke, Pharma und europäische Medien) ausgewählt. Zusätzlich stehen noch 23 junge Unternehmen aus den Wachstumsbranchen Alternative Energien, Umwelttechnik und Biotechnologie auf der Liste.

Deutsche Aktien als Nachzügler

Deutsche Aktien als Nachzügler

In der ersten Kategorie sind viele klassische Umweltsünder. Während klassische Ökofonds und -indizes vor allem auf das Ausschlussprinzip setzen, dass bestimmte Branchen wie Ölförderung oder Atomenergie gar nicht auf ihren Listen auftauchen, folgt Goldman Sachs dem Prinzip der Klassenbesten. Das ist logisch, weil in jeder Branche diejenigen hervorgehoben werden sollen, die am besten dastehen. So bekommen auch staatliche Ölkonzerne wie Petrobras  oder Statoil  das GS-Sustain-Siegel - nicht aber die anglo-amerikanischen Großverdiener Exxon Mobil  und BP , die einzelne Kriterien verfehlen. Am Aktienkurs gemessen, ist der österreichische Stahlkonzern Voestalpine  der Spitzenperformer der Liste.

Deutsche Aktien tauchen in der Auswahl "reife Branchen" überhaupt nicht auf. Das mag daran liegen, dass die untersuchten Branchen nicht gerade zu den Stärken des Dax zählen. Doch immerhin waren vier deutsche Aktiengesellschaften unter den Kandidaten, genügten aber nicht den von Goldman Sachs aufgestellten Kriterien: ThyssenKrupp  verdient zu wenig, Salzgitter  wirtschaftet nicht nachhaltig genug, Merck  verfehlt beide Ziele und Südzucker  fällt in der Nahrungsmittelindustrie komplett unter die "Nachzügler".

Dafür ist Deutschland umso stärker in der Kategorie "Wachstumsbranchen" vertreten - gleich mit fünf Titeln, allesamt aus der Solarindustrie: neben dem TecDax-Wert Ersol  die weniger bekannten Firmen Centrosolar , Phoenix Solar , Solar Millennium  und Sunways  - die meisten mit einem Börsenwert um 100 Millionen Euro.

Die Aufnahme in die Liste bedeutet aber nicht gleich eine Kaufempfehlung. Genau wie Goldman Sachs nicht jede Aktie aus den BRIC-Staaten empfiehlt, hält sie auch bei den GS-Sustain-Aktien an der Einschätzung ihrer Fachanalysten, die den Einzelwert beobachten, fest. So hält die Bank die Aktien des Pharmakonzerns Novo Nordisk  für zu teuer und empfiehlt "Verkaufen" - trotz Aufnahme in die GS-Sustain-Liste.

Nach und nach sollen alle wichtigen Branchen untersucht werden. Als eine der nächsten ist der Finanzsektor an der Reihe. Wie Goldman Sachs selbst da abschneidet? "Kein Kommentar."

Verwandte Artikel