Altersvorsorge Renten-Roulette

Wer auf eine private Rentenversicherung setzt, sollte die Wahl seines Anbieters genau überlegen. Map-Report hat versucht, den Dschungel zu lichten. Unter dem Strich können sich die Ablaufleistungen um bis zu 15 Prozent unterscheiden, schreibt der Branchendienst. Das Fazit fällt nicht gerade positiv aus.

Hamburg - Wer für das Alter vorsorgt, entscheidet sich zusehends öfter für eine Sparform, die ihm mit Beginn des Rentenalters eine lebenslange monatliche Zahlung garantiert. Einmalige Kapitalauszahlungen wie bei der klassischen Kapitallebensversicherung (KLV) treten zusehends in den Hintergrund. Das hat zum einen mit veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen zu tun. Zum anderen sind die staatlich geförderte Riester-Rente zum Großteil und die für Selbständige sowie gutverdienende Angestellte gedachte Rürup-Rente ganz zu verrenten.

Der Neugeschäftsanteil der privaten Rentenversicherung bei den Lebensversicherern dürfte mittlerweile mehr als 50 Prozent betragen, schätzt der Brancheninformationsdienst Map-Report. Um so wichtiger ist die Wahl des richtigen Anbieters. Denn die Summe gezahlter Renten kann um bis zu 15 Prozent abweichen, wie die von Map-Report jetzt erstmals verglichenen Ablaufleistungen privater Rentenversicherungsverträge zeigen.

Die Ergebnisse der Studie indes dürften für Kritik sorgen. Denn die verglichenen Policen sind nicht identisch, was im Gegensatz zu früheren entsprechenden Studien für die Kapitallebensversicherung vor allem der historisch schwachen Datenbasis geschuldet sein dürfte: Die Masse der Anbieter hat erst 1990 damit begonnen, Rentenversicherungen zu verkaufen, und nicht alle Anbieter waren von Anfang an mit gleichen Produkten auf dem Markt.

Das Problem der Datenbasis

So fließen Verträge, die steigende Renten (voll- oder teildynamisch) auszahlen, genauso in die Analyse ein wie Verträge mit konstanten Auszahlungen oder Verträge mit sinkenden Renten. Kritiker sehen zwar das Problem, sprechen gleichwohl von einem "Vergleich von Äpfel und Birnen". Zudem wenden sie ein, dass ein Versicherter seit dem Jahr 1990 - also dem Beginn des Untersuchungszeitraumes - die fällige einmalige Kapitalleistung seiner Lebensversicherung auch verrenten lassen konnte.

Darüber hinaus muss die Studie eine bislang weit verbreitete Form der Rentenpolice außen vor lassen: die aufgeschobene Rentenversicherung gegen laufenden Beitrag. In diesem Fall wird die Zahlung einer lebenslangen Altersrente zu einem in der Zukunft liegenden Termin vereinbart. Hat also im Jahr 1990 ein 30-jähriger Mann diesen Vertragstyp gewählt und will mit 60 in Rente gehen, endet der Sparvorgang im Jahr 2020. Angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung von dann noch mindestens 20 Jahren, ließe sich eine Ablaufanalyse für die aufgeschobene Rentenversicherung damit frühestens im Jahr 2040 erstellen, gesteht Map-Report-Chef Manfred Poweleit ein.

Deshalb hat das Fachmagazin bei den Gesellschaften die Ablaufleistungen für sofort beginnende Renten nach Einmalzahlung zwischen 1990 und 2007 abgefragt. Bei der sogenannten Sofortrente beginnt die Rentenzahlung unmittelbar nach Einzahlung eines hohen Geldbetrages. Wer 1990 mit 60 Jahren in Rente ging, hatte seinerzeit im statistischen Schnitt eine Lebenserwartung von rund 17 Jahren.

In dem von Map-Report vorgegebenen Beispielfall zahlt ein 65 Jahre alter Mann 50.000 Euro in eine private Rentenversicherung ein und entscheidet sich für eine Variante, die ihm zu Beginn der Rentenzahlungen eine möglichst hohe Leistung bietet - die Rente fällt also mit steigendem Alter. Dahinter steht der Gedanke, dass Senioren mit zunehmendem Alter immobiler werden, grundsätzlich also weniger Geld benötigen. Der Nachteil: Fallende Renten bieten keinen Inflationsausgleich. Zudem vereinbart der Musterkunde eine garantierte Rentenzahlung von zehn Jahren. Das heißt, stirbt der Versicherte früher, muss sein Anbieter die Zahlung bis zum zehnten Jahr an einen seiner Angehörigen fortsetzen.

Wer am meisten zahlt

Zum Ergebnis: Je nach Anbieter hätte der Musterkunde für den Zeitraum 1990 bis 2007 zwischen rund 78.000 und 90.400 Euro Rente insgesamt erhalten. Die Spitzenposition nimmt dabei die Allianz (90.400 Euro) ein, gefolgt von R+V und Iduna mit jeweils rund 90.000 Euro Rentensumme. Der Marktschnitt liegt laut Map-Report bei rund 86.000 Euro. Der alleinige Vergleich der Rentensummen weist also beträchtliche Unterschiede auf.

Kritik an Map-Report-Methode

Doch gerade hier setzt auch die Kritik an. Mark Ortmann, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge, hält die einfache Addition der ausgezahlten Renten finanzmathematisch nicht für korrekt.

Da es sich laut Map-Report um Verträge mit fallenden, steigenden oder auch konstanten Renten handelt, hätte streng genommen der Barwert der Renten zum Jahresbeginn 2007 miteinander verglichen werden müssen, wendet Ortmann ein.

Dahinter steht die einfache Erkenntnis, dass jeder im ersten Rentenjahr gezahlte Euro mehr wert ist als der im letzten Jahr gezahlte Euro - da man jeden Euro über die Restlaufzeit Gewinn bringend anlegen könne. Aus strenger finanzmathematischer Sicht müsste man also die im ersten Jahr gezahlten Renten mit einem Marktzins von beispielsweise 4 Prozent über die Restlaufzeit aufzinsen und desgleichen die Renten für jedes Folgejahr.

Ortmann räumt allerdings ein, dass Rentner in der Praxis ihre private Zusatzrente vermutlich nur zu einem geringen Anteil wieder anlegen dürften.

Die Vorgabe, dem Kunden zu Beginn die höchste Monatsrente auszuzahlen, hat laut Map-Report die Lebensversicherung 1871 aus München am besten erfüllt. Die ersten Monatsrenten im Jahr 1990 liegen hier bei 472 Euro, weit dahinter an zweiter Position die Allianz (432 Euro) mit der Variante einer konstanten Rente. Der mittlere Wert der meldenden Anbieter liegt bei rund 360 Euro und der niedrigste Wert bei rund 290 Euro. Gleichwohl erreicht die LV 1871 mit rund 84.600 Euro Rentensumme nicht einmal den oben zitierten Marktschnitt.

Vorsicht bei vermeintlich konstanten Renten

Ob eine fallende Rentenzahlung mit zunehmendem Alter wirklich ein Nachteil ist, muss letztlich der Versicherte selbst entscheiden. Doch Vorsicht bei den vermeintlich konstanten Renten. Die Allianz etwa hält die nach der LV 1871 zweihöchste Rentenauszahlung mit 432 Euro bis zum Jahr 2003 durch. Im Zuge des Börsencrash und fallender Kapitalmarktzinsen muss der Marktführer, wie viele Anbieter auch, die zusätzlich zur garantierten Rente ausgeschüttete Überschussbeteiligung deutlich senken: Im Jahr 2007 überweist sie dem Musterkunden schließlich nur noch rund 365 Euro.

Dem Boom der privaten Rentenversicherung in Deutschland begegnet Poweleit daher insgesamt mit Skepsis. Der Altersvorsorgeprozess eines Menschen erstrecke sich über mehrere Jahrzehnte. Kaum ein Versicherer aber könne über so einen langen Zeitraum verlässlich kalkulieren, zumal Aktuare seit 1990 gleich drei neue Sterbetafeln veröffentlicht haben, die ein ums andere Mal eine durchschnittlich höhere Lebenserwartung der Menschen prognostizieren. Diese im Grunde erfreuliche Nachricht zwingt die Anbieter, ihre Tarife neu zu kalkulieren und gegebenenfalls die Gesamtverzinsung laufender Renten zu kürzen - wie schon mehrfach in der Vergangenheit.

"Unglaublich riskantes Produkt"

In einem früheren Gespräch mit manager-magazin.de äußerte der Map-Report-Chef einmal die Erwartung, dass spätestens im Jahr 2015 mit neuen Sterbetafeln zu rechnen sei. Auch wenn die Versicherer zusehends dazu übergehen, den Kunden zu Anfang weniger Rente zu gewähren, dürften die dann gültigen Sterbetafeln so manchen Anbieter erneut vor Probleme stellen. In Zeiten steigender Lebenserwartung sei die Rentenversicherung daher ein "unglaublich riskantes" Produkt.

Unter dem frischen Eindruck der jüngsten Analyse attestiert Map-Report dem Segment der privaten Rentenversicherung in Deutschland zugleich ein "Marktchaos hinsichtlich Überschussbeteiligungen, Dynamik- oder Garantiesätze".

Mit der Studie hat Map-Report ein wenig Licht in das Dickicht der privaten Rentenversicherung gebracht - mehr nicht. Darum weiß man in Artlenburg an der Elbe indes sehr genau. Das Fazit überrascht daher nicht: "Eigentlich kann man keinem kundenorientierten Vermittler mit Sensibilität für Haftungsrisiken guten Gewissens raten, dieses Produkt zu vertreiben."

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