Aktienfonds Anleger fliehen vor Gewinnen

Trotz guter Performance stoßen Anleger in Scharen ihre Aktienfondsanteile ab. Mehr als acht Milliarden Euro wurden der Branche in diesem Jahr entzogen. Dabei erreichten viele Fonds Renditen über 30 Prozent. Beliebt sind dagegen sichere Geldmarktfonds, die nur magere Erträge abwerfen.

Hamburg - Fondsanleger haben 2007 allen Grund zur Freude. Denn Investmentfonds erzielten in den ersten sechs Monaten des Jahres im Schnitt ein Plus von 4,1 Prozent, wie jetzt eine Studie des Analysehauses E-Fundresearch ergab.

Demgegenüber stand im ersten Halbjahr 2006 noch ein Verlust von 1,4 Prozent. Untersucht wurden über 10.000 Fonds, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich sind. Wie gut es für Anleger derzeit läuft, zeigt auch die Tatsache, dass derzeit rund 74 Prozent aller Fonds im Plus liegen, während im Vorjahr nur 35 Prozent einen positiven Ertrag erzielten.

Die gute Wertentwicklung folgt der positiven Börsenbilanz in diesem Jahr. So legten Aktien gemessen am MSCI World Index seit Jahresbeginn um 6,9 Prozent zu, während vermeintlich sichere Euro-Staatsanleihen rund 1,7 Prozent verloren. Während sich Aktien aus Europa im Schnitt um 10,3 Prozent verteuerten und asiatische Werte sogar um 15,6 Prozent zulegten, waren es bei US-Aktien aus Sicht des Euro-Anlegers "nur" 4,4 Prozent.

Die besten Fonds-Anlageklassen waren im ersten Halbjahr Aktienfonds aus China (plus 33 Prozent) und Korea (plus 29,7 Prozent). Deutsche Standardwerte brachten im Vergleich dazu immerhin 17,9 Prozent. Die größten Verluste verbuchten Aktienfonds mit Nebenwerten aus Japan (minus 7,5 Prozent), US-Immobilienaktien (minus 5,4 Prozent) sowie Europa-Immobilienaktien (minus 4 Prozent).

Boom bei Geldmarktfonds

Boom bei Geldmarktfonds

Die gute Gesamtbilanz wird auch von der aktuellen Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) zur Wertentwicklung in den vergangenen zwölf Monaten bestätigt. Spitzenreiter waren danach Aktienfonds Deutschland mit einem Plus von 37,4 Prozent, gefolgt von Aktienfonds Europa (23,8 Prozent) und internationalen Aktienfonds (20,8 Prozent) und Mischfonds (12,1 Prozent).

Allerdings scheint so manchem die Entwicklung nicht geheuer, denn seit Jahresbeginn sind viele Anleger aus Aktienfonds geflüchtet. Allein in den ersten fünf Monaten wurden rund 8,1 Milliarden Euro aus Aktienfonds abgezogen. Eine eindeutige Ursache dafür weiß auch der BVI nicht. Möglicherweise seien einige Anleger, die in der Hausse 2000 investiert und jetzt wieder ihre Einstandskurse erreicht hätten, in risikoärmere Fondsprodukte gewechselt, sagte BVI-Experte Frank Bock. Auch Gewinnmitnahmen könnten ein Auslöser sein. "Offenbar befürchten viele Anleger zudem wohl eine Kurskorrektur", sagt Bock. Das Vertrauen in Aktien und Aktienfonds sei noch nicht so gefestigt wie es sein sollte, wenn man diese Anlageform als langfristiges Investment betrachte.

Für diese Annahmen spricht auch der Erfolg renditeschwacher aber sicherer Produkte. So flossen 2007 rund 21 Milliarden Euro in Geldmarktfonds, obwohl die in den letzten zwölf Monaten gerade einmal eine Rendite von 2,93 Prozent einbrachten. Damit haben die Anleger mehr als dreimal so viel in diese Fondsklasse investiert wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Entwicklung mache deutlich, dass für Anleger weiterhin das Motto gelte "Sicherheit ist Trumpf", sagt Bock. Und offenbar nutzten viele die Fonds als Parkplatz, um die Entwicklung an den Märkten abzuwarten.

Manfred Rolfsmeier, ap