Dax-Geflüster 21 Prozent sind nicht genug

Im ersten Halbjahr 2007 hat der Dax 21 Prozent zugelegt und damit sämtliche klassischen Industrienationen abgehängt. Zeit, umzuschichten und auf die Nachzügler zu setzen? Keine Eile. Experten sehen vier Gründe, warum deutsche Aktien ihren Vorsprung bis ins nächste Jahr verteidigen, vielleicht sogar ausbauen werden.

Der Dax  hat das Tempo verdoppelt. 2006 schwärmten Anleger von einem "exzellenten" Jahr, weil der Index binnen Jahresfrist um knapp 22 Prozent gestiegen war. Nun hat der deutsche Leitindex die gleiche Performance bereits im ersten Halbjahr 2007 gezeigt: Statt nach vier Jahren Rally langsam abzukühlen, geht es noch steiler bergauf.

Gegen die Halbjahresperformance des Dax (21,4 Prozent) nimmt sich die Leistung des EuroStoxx 50  (plus 9,0 Prozent) oder des Dow Jones  (plus 7,6 Prozent) geradezu bescheiden aus.

Sicher, mit einigen Dax-Überfliegern hätte man noch mehr Geld einstreichen können. Wer Anfang Januar statt auf ein Dax-Indexzertifikat auf einzelne Aktien wie Siemens , DaimlerChrysler  oder MAN  gesetzt hat, verzeichnet jetzt ein Kursplus zwischen 42 und 55 Prozent. Zwölf Aktien im Dax haben die Performance des Index übertroffen, doch das Stock-Picking einzelner Aktien ist nicht ohne Risiko.

Es ist unschön, wenn der Index schwungvoll klettert, man aber ausgerechnet auf Titel wie SAP , RWE  oder Deutsche Telekom  gesetzt und damit Geld verloren hat. Wie entspannt wäre dagegen das Investieren mit Indexzertifikaten, wenn das Finanzministerium sie nicht schon jetzt unter die neue Besteuerung stellen würde.

Glücklich in Deutschland, Kroatien und der Ukraine

Die Stärke des Dax ist umso eindrucksvoller, weil die meisten europäischen Indizes wie der britische FTSE 100 , der französische CAC 40  oder der spanische Ibex seit Jahresbeginn lediglich ein einstelliges Plus aufweisen. Der russische Index RTS, stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängig, weist für das erste Halbjahr sogar ein leichtes Minus auf.

Der Dax wird innerhalb Europas lediglich von einigen aufstrebenden und noch sehr volatilen Märkten in Osteuropa übertroffen. Der kroatische Crobex legte rund 50 Prozent zu, während sich die Kurse in der Ukraine mit ihrem Leitindex PFTS mehr als verdoppelten. Das Land steckt zwar politisch in der Krise, wächst aber in diesem Jahr um geschätzte 6,5 Prozent und trägt gemeinsam mit Polen die Fußball-Europameisterschaft 2012 aus.

Doch ein Anleger muss nicht nach Osteuropa schweifen, um vom Aufschwung in den Schwellenländern zu profitieren. Mit Investments in Dax sowie den MDax, der seit Januar rund 18 Prozent zugelegt hat, vollzieht er diesen Aufschwung mit.

Von Osteuropa profitieren

Von Osteuropa profitieren

"Die deutsche Wirtschaft ist der Hauptprofiteur des Industrialisierungsprozesses in Osteuropa und in Asien", sagt Trudbert Merkel, Fondsmanager bei Deka Investment. Die Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und verbesserten Transportwegen sei für die deutsche Exportindustrie "maßgeschneidert". Von den steigenden Investitionen in Osteuropa oder China profitierten vor allem deutsche Unternehmen, die ihre Investitionsgüter und Anlagen dorthin liefern.

Dieser starke Exportsog sei für das "sensationelle" Gewinnwachstum in Höhe von 45 Prozent im ersten Quartal verantwortlich. "So lange die globale Konjunktur stabil bleibt, werden deutsche Unternehmen ihren Gewinnvorsprung gegenüber anderen halten können", ist Merkel überzeugt.

Viele Anleger erwarten daher auch in den kommenden Monaten steigende Unternehmensgewinne.

Aufschwung gewinnt Eigendynamik

Zusätzlich ist die Nachfrage nach deutschen Spezialitäten nzwischen stark genug, um innerhalb Deutschlands für einen sich selbst tragenden Aufschwung zu sorgen. Die Auftragsbücher sind so voll, dass viele Unternehmen zusätzliche Leute einstellen und ihre Produktion aufrüsten, statt wie noch vor einigen Jahren nur das Nötigste zu investieren.

Das Ergebnis sind mehr als 700.000 neue Jobs in Deutschland und wieder leicht steigende Löhne: "Dies führt zu mehr Nachfrage und einer verbesserten Binnenkonjunktur, die über Jahre brachgelegen hat", sagt der Deka-Fondsmanager. Der deutsche Konsumstau löse sich langsam auf.

Das Institut für Weltwirtschaft rechnet inzwischen mit 3,7 Prozent Wachstum in Deutschland für dieses Jahr. Viele ausländische Investoren hätten verstärkt in deutsche Aktien investiert, da sie weiterhin auf die boomende deutsche Exportindustrie sowie die Eigendynamik des deutschen Aufschwungs setzten. "Der Aufschwung ist stark genug, um bis ins nächste Jahr hinein zu reichen", sagt Merkel.

Immer mal wieder M&A

Immer mal wieder M&A zur Stärkung

Steigende Zinsen dürften zwar dafür sorgen, dass es nach dem fulminanten Start ins Jahr auch für den Dax in der zweiten Halbzeit etwas rauer werde. Der weltweite Boom bei Fusionen und Übernahmen (M&A) könnte in einem steigenden Zinsumfeld ein wenig abflauen, doch sei der Impuls immer noch stark genug, um auch im zweiten Halbjahr die Märkte zu stützen. Sowohl die Dresdner Bank als auch die Deutsche Bank gehen davon aus, dass "eine neue Dosis M&A" dem Dax  auch künftig als Stärkungsmittel dienen werde.

"Solange die Gewinnrenditen der Unternehmen höher liegen als die Kosten für eine Fremdfinanzierung, bleiben Übernahmen attraktiv", sagt Deka-Fondsmanager Merkel. Der M&A-Boom werde daher auch durch steigende Zinsen nicht abrupt zum Erliegen kommen - weitere spektakuläre Deals seien auch in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten.

Niedrigere Steuern - höhere Gewinne

Mit der Reform der Unternehmensteuer sinkt ab 2008 die Steuerlast für deutsche Konzerne - eine Steilvorlage für weitere Gewinnsteigerungen. Die Abgeltungsteuer ab Januar 2009 dürfte zudem bis Ende 2008 für einen Nachfrageschub sorgen, da sich viele deutsche Aktionäre noch Steuerfreiheit sichern wollen. Damit könnte sich auch die deutsche Finanzpolitik zumindest kurzfristig als Kurstreiber erweisen.

"Nach mehr als vier Jahren Kursrally stünde dem Dax eine Verschnaufpause gut an", meint Merkel. Doch der Manager des Deka-Fonds rechnet damit, dass es bis Jahresende durchaus noch einmal einen kurzfristigen Ausreißer nach oben geben dürfte. "Es besteht kein Anlass, aus deutschen Aktien herauszugehen und an die Wall Street oder an den asiatischen Markt zu wechseln", meint Merkel. Deutsche Aktien dürften auf Jahressicht ihren Vorsprung verteidigen.

Die Einführung einer Mitarbeiterbeteiligung, wie sie von Union und SPD jetzt diskutiert wird, könnte langfristig auch dem deutschen Aktienmarkt helfen. In den USA wirken sich boomende Aktienmärkte sehr viel stärker auf die Binnenkonjunktur aus (Vermögenseffekt), da US-Bürger im Durchschnitt stärker am Aktienmarkt investiert sind als die Bundesbürger. Ein Investivlohn - so er denn kommt - könnte die durchschnittliche Aktienquote auch in Deutschland erhöhen. "Da haben wir viel nachzuholen", meint Merkel.

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