Unterhalt Weniger Geld für Trennungskinder

Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte bekommen unterhaltsberechtigte Kinder weniger Geld. Ab dem 1. Juli sinken die Sätze um knapp 1 Prozent. Grund ist der Rückgang der Nettolöhne, auf deren Grundlage die Beträge berechnet werden.

Düsseldorf - Die Unterhaltssätze für minderjährige Trennungskinder sind erstmals in Deutschland gesunken. Ursache sind die gesunkenen Nettolöhne, auf deren Grundlage die Sätze berechnet werden. "So etwas hat es noch nie gegeben", sagte Familienrichter Jürgen Soyka vom Düsseldorfer Oberlandesgericht am Mittwoch bei der Vorstellung der bundesweit geltenden neuen "Düsseldorfer Tabelle", die ab 1. Juli in Kraft tritt. Der Rückgang liegt etwa bei 1 Prozent. Durch die geplante Unterhaltsreform drohten den Trennungskindern noch weit größere Abstriche beim Mindestunterhalt, sagte Soyka.

Das alle zwei Jahre vom OLG Düsseldorf überarbeitete Zahlenwerk gilt bundesweit als Richtschnur für die Festlegung von Kindesunterhalt. Je nach Alter des Kindes und Einkommen des Unterhaltspflichtigen schwanken danach die künftigen Zahlungen je Kind in Westdeutschland zwischen 202 und 662 Euro.

Dass dabei die Abwägung zwischen Kindeswohl und Finanzkraft des Unterhaltspflichtigen ein schwieriges Unterfangen ist, zeigt schon ein Blick auf die Tabelle: In Westdeutschland definierte das Gericht insgesamt 52 verschiedene mögliche Unterhaltssätze für ein Kind - abhängig vom Alter des Kindes und dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen. In Ostdeutschland werden wegen der geringeren Einkommen und der niedrigeren Lebenshaltungskosten sogar noch zwei niedrigere Einkommensgruppen vorgeschaltet. Bei Großverdienern mit einem Nettoeinkommen von mehr als 4800 Euro greift die Tabelle ohnehin nicht mehr: Es wird nach Einzelfall entschieden.

Väter mit einem Einkommen bis 1300 Euro haben danach für ein Kind im Alter bis fünf Jahren 202 Euro zu zahlen, für Sechs- bis Elfjährige 245 Euro, für Zwölf- bis 17-Jährige 288 Euro und für über 18-Jährige 389 Euro. Väter mit einem Netto-Einkommen knapp unter 4800 Euro zahlen in den ersten drei Altersgruppen exakt das Doppelte, für die über 18-Jährigen 662 Euro.

Der Neuregelung dürfte allerdings nur eine sehr begrenzte Lebensdauer - von vielleicht nur einigen Monaten - haben. Mit der anstehenden Unterhaltsreform werde auch eine grundlegende Überarbeitung der seit Jahrzehnten von den Gerichten verwendeten Düsseldorfer Tabelle verbunden sein, betonte Soyka. Dann müssen unterhaltsberechtigte Kinder nach Angaben des Richters mit weiteren Einschnitten von teilweise mehr als 10 Prozent rechnen, da sich die neue Tabelle voraussichtlich am steuerlichen Existenzminimum orientieren werde.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa-afx