Lebensversicherer Die Prognosen taugen nichts

Prognosen haben oft einen Makel, sie treffen nur selten zu. Die Anbieter von Kapitallebensversicherungen überweisen ihren Kunden deutlich weniger Geld als Beispielrechnungen dies zu Vertragsbeginn erwarten ließen, hat der Branchendienst Map-Report errechnet. Haftungsrechtlich bewegten sich die Versicherer damit auf dünnem Eis.

Hamburg - Wer für das Alter spart, fragt sich selbstverständlich, was er am Ende zu erwarten hat. Das gilt auch für die in Deutschland noch am stärksten verbreitete Altersvorsorgeform: die Kapitallebensversicherung. Alle Lebensversicherer erstellen Beispielrechnungen, die eine Ablaufleistung der Kundenpolice zum Tag X ausweist. Wer allerdings diese Prognosen für bare Münze nimmt, kann mit seiner Vorsorgeplanung unter Umständen schwer daneben liegen, wie jetzt eine Studie des Map-Report zeigt.

Erstmals hat der Branchendienst für einen Vertrag mit zwölf Jahren Laufzeit die hochgerechneten Ablaufleistungen aus Beispielrechnungen der Versicherer mit den tatsächlich erreichten Ablaufleistungen zwischen 1996 und 2007 verglichen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Überweisungen der Anbieter an ihre Kunden fielen deutlich geringer aus als die ursprünglich erwarteten Ablaufleistungen.

Wirklich überraschen darf dieser Befund allerdings nicht. Denn während und in Folge der Aktienbaisse an den Börsen haben die Versicherer zwischen 2001 und 2004 ihre Deklarationen drastisch zurückgeschraubt. In dieser Zeit rutschte die durchschnittliche Gesamtverzinsung der Verträge - bestehend aus Garantiezins und nicht garantierter Überschussbeteiligung - von einst mehr als 7 Prozent auf 4,5 Prozent.

Als die Prognosewelt noch in Ordnung war

Dabei schien die Prognosewelt der Versicherer bis zum Beginn der Kursschmelze an den Aktienmärkten noch halbwegs in Takt zu sein, konnten die Anbieter ihre Prognosen doch sogar übertreffen: Im Marktschnitt hatten die Lebensversicherer für eine 1988 abgeschlossene Kapitallebensversicherung mit zwölf Jahren Laufzeit zum Fälligkeitstermin im Jahr 2000 eine Ablaufleistung von 21.663 Euro vorausgesagt, mit einer Rendite von 6,14 Prozent. Tatsächlich erreichten die Ablaufleistungen im Schnitt aber 21.775 Euro, die durchschnittliche Rendite betrug laut Map-Report 6,22 Prozent.

Ein völlig anderes Bild zeigt sich jedoch bei Verträgen, die im Jahr 1995 mit Fälligkeit 2007 abgeschlossen wurden - diese Policen bekamen den Crash an den Aktienmärkten voll zu spüren. Seinerzeit hatten die Lebensversicherer im Schnitt 21.731 Euro Ablaufleistung prognostiziert bei einer durchschnittlichen Rendite von 6,19 Prozent. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Im Marktschnitt konnten die Anbieter ihren Kunden lediglich 18.868 Euro überweisen bei einer mageren Durchschnittsrendite von 4,09 Prozent.

Von derlei Fehlprognosen blieb auch der Marktführer Allianz Leben nicht verschont: Wie aus dem rund 135 Seiten starken Grafikwerk der Studie hervorgeht, hatte der Konzern im Jahr 1995 für eine Kapitallebensversicherung mit einer monatlichen Einzahlung von 100 Euro eine Ablaufleistung von 21.500 Euro prognostiziert, der Kunde hatte laut Map-Report tatsächlich aber lediglich 19.100 Euro ausgezahlt bekommen. Zwischen Prognose und tatsächlich erreichter Ablaufleistung lag also ein Minus von 11,02 Prozent - eine schmerzhafte Lücke für jenen, der sich zu Vertragsabschluss auf die Beispielrechnungen verlassen hat.

Zum Vergleich: Die Alte Leipziger weist laut Map-Report in der entsprechenden Vergleichsrechnung ein Minus von 15,75 Prozent aus, bei der Hannoversche liegt die Lücke gar bei 18,51 Prozent. Mit einem Minus von 7,34 Prozent reicht die Asstel bei der tatsächlich erreichten Ablaufleistung (19.860 Euro) noch halbwegs an die Prognose (21.430 Euro) ihrer Bespielrechnung heran.

"Haftungsrechtlich auf dünnem Eis"

"Haftungsrechtlich auf dünnem Eis"

"Diese Zahlen sind ein Paradebeispiel dafür, dass sich derjenige haftungsrechtlich auf dünnem Eis bewegt, der Kunden Beispielrechnungen als Prognosen verkaufen will", warnt Analyst Reinhard Klages von Map-Report. Der Kunde muss sich also über eines immer im Klaren sein: Von Versicherern aufgemachte Beispielrechnungen sind Zeitpunktinformation über die Gewinnsituation des Unternehmen im jeweiligen Jahr - nicht mehr und nicht weniger.

Zugleich zeigt die Studie, die Versicherer sind mit ihren Beispielrechnungen vorsichtiger geworden. Map-Report verdeutlicht dies wiederum an der Allianz Leben und ihren Prognosen für Verträge mit 30 Jahren Laufzeit.

Die Versicherer werden vorsichtiger

Zwischen 1996 und 2001 lag der Marktführer für diese Vertragsform mit seinen prognostizierten Ablaufleistungen unter dem Marktschnitt. Für eine im Jahr 1998 abgeschlossene Kapitallebensversicherung zum Beispiel sagte die Allianz Leben eine Ablaufleistung von 102.000 Euro voraus - das sind satte 10.000 Euro weniger als im Schnitt der anderen Anbieter. Anders ausgedrückt: Die Allianz prognostizierte zu jenem Zeitpunkt lediglich 91 Prozent der im Markt durchschnittlich vorausgesagten Ablaufleistungen.

Für eine in diesem Jahr abgeschlossene Kapitallebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit (siehe Tabelle im nächsten Teil) sagt die Allianz Leben laut Map-Report eine Ablaufleistung von 71.912 Euro voraus - und damit 7 Prozent mehr als im Marktschnitt. Spitzenreiter Europa prognostiziert in ihren Beispielrechnungen knapp 91.000 Euro, gefolgt von Asstel (rund 81.400 Euro) und Debeka (rund 81.000 Euro).

Doch dies sind - man kann es nicht oft genug sagen - alles Zeitpunktinformationen. Was am Ende tatsächlich herauskommt, bleibt abzuwarten. Wunsch und Wirklichkeit können deutlich von einander abweichen, wie der Vergleich der prognostizierten und tatsächlichen Ablaufleistungen für Policen mit zwölf Jahren Laufzeit gezeigt hat.

Die besten Ablaufleistungen in 30 Jahren

Kapitallebensversicherungen - erwartete Erträge

Rang UnternehmenMarktdurchschnitt Ablaufleistungin Euro67.470 Renditein Prozent3,79
1 Europa 90.979 5,46
2 Asstel 81.423 4,85
3 Debeka 80.991 4,82
4 WGV-Schwäbische 78.304 4,63
5 Cosmos 77.911 4,60
6 R+V 74.573 4,36
7 Öffentliche Braunschweig 74.193 4,33
8 Volkswohl Bund 73.698 4,29
9 CiV 73.071 4,24
10 HUK-Coburg 72.715 4,22
11 Neue Leben 72.490 4,20
12 Allianz 71.912 4,15
13 InterRisk 71.771 4,14
14 BHW 71.755 4,14
15 Dialog 70.827 4,07
16 Stuttgarter 70.676 4,05
17 Karlsruher 70.503 4,04
18 Neue Bayerische Beamten 69.935 4,00
19 Provinzial Rheinland 69.904 3,99
20 Hamburg-Mannheimer 69.470 3,96
21 DEVK a.G. 69.357 3,95
22 Continentale 68.874 3,91
23 LVM 68.286 3,86
24 Provinzial NordWest 67.661 3,81
25 DEVK Allgemeine 67.406 3,79
26 Condor 66.908 3,74
27 Öff. Sachsen-Anhalt 66.889 3,74
28 VHV 66.860 3,74
29 Hannoversche 66.663 3,72
30 Sparkassen Sachsen 66.607 3,72
31 Itzehoer 66.527 3,71
32 Basler 66.346 3,70
33 Württembergische 66.266 3,69
34 Mamax 66.227 3,69
35 VGH 66.213 3,69
36 LV 1871 66.135 3,68
37 Öffentliche Oldenburg 65.960 3,66
38 Volksfürsorge 65.488 3,62
39 Saarland 65.381 3,61
40 AachenMünchener 65.296 3,61
41 Süddeutsche 65.169 3,59
42 Iduna 64.908 3,57
43 Generali 64.772 3,56
44 Barmenia 64.740 3,56
45 Gothaer 64.253 3,51
46 Swiss Life 63.649 3,46
47 Ideal 63.511 3,45
48 PB Leben 63.299 3,43
49 DBV-Winterthur 63.231 3,42
50 Zürich Deutscher Herold 63.172 3,41
51 Familienfürsorge 62.325 3,34
52 Mecklenburgische 62.089 3,32
53 Münchener Verein 61.892 3,30
54 Alte Leipziger 61.796 3,29
55 SV Sparkassenversicherung LV 61.533 3,26
56 WWK 61.431 3,25
57 Concordia 61.154 3,23
58 VPV 58.851 3,01
59 Victoria 58.738 2,99
60 Inter 57.919 2,91
61 ARAG 57.317 2,85
62 Bayerische Beamten 56.094 2,72
* Hochgerechnete Ablaufleistungen und Vorsteuerrenditen aus Beispielrechungen; 30 Jahre Laufzeit, Mann, 100 Euro Monatsbeitrag, Vertragsbeginn 1. Januar 2007;
Quelle: Map-Report 2007, Nr.: 650-652: