Geschlossene Fonds Ebay für Schiffe

Für geschlossene Schiffsfonds gelten neue Regeln. Anleger können sich dank des boomenden Zweitmarkts leichter von ihren Anteilen trennen. Auf manchen Plattformen funktioniert der Handel wie bei Ebay. Transparent ist er aber noch lange nicht.

Hamburg - Ein Schiff soll möglichst für die Ewigkeit halten. Ähnlich lang ist eine Schiffsbeteiligung angelegt. Dafür sorgt weniger seemännischer Aberglaube als die Konstruktion der Fonds. Idealerweise läuft es so: Die Zeichner bringen gemeinsam das nötige Kapital auf, um das Schiff zu bauen und verdienen gemeinsam an den Erträgen, bis der Fonds liquidiert wird. In jedem Prospekt für geschlossene Fonds findet sich der Hinweis, dass die Anteile bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden müssen, weil es keine Abnehmer gibt.

Diese der gebotenen Vorsicht geschuldeten Warnungen sind von der Realität allerdings längst überholt. Der Zweitmarkt, an dem gebrauchte Anteile geschlossener Immobilien-, Schiffs- oder Medienfonds den Besitzer wechseln, ist mit mehreren elektronischen Plattformen zu einer Institution herangereift. Kaum ein Anlagesegment in Deutschland wächst so schnell wie der Zweitmarkt.

Branchenkenner Stefan Loipfinger schätzt das 2006 erreichte Handelsvolumen auf 600 Millionen Euro - doppelt so viel wie im Vorjahr. In diesem Jahr scheint sich das exponentielle Wachstum fortzusetzen. Die Nische Zweitmarkt wird zum Milliardengeschäft. Ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Gut 100 Milliarden Euro sind in geschlossene Fonds investiert, davon mehr als 20 Milliarden in Schiffe. Der Großteil dieses Kapitals lagert dort bisher unbewegt.

Dabei ist die Emission neuer Fonds in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Seit 2005 akzeptieren die Finanzämter nicht mehr das Kombimodell, das Schiffsbeteiligungen in den Ruf des Steuersparmodells für vermögende Freiberufler gebracht hatte: erst hohe Verlustvorträge zur Finanzierung des Schiffs, dann niedrige Steuern auf die Erträge des Fonds.

Die "Zahnarztdampfer" haben ausgedient. Jetzt müssen Fondsanbieter und Anleger zwischen beiden Möglichkeiten wählen. Fast durchweg entscheiden sie sich für die Tonnagesteuer, die eine fast steuerfreie Ausschüttung der Erträge ermöglicht. Das bedeutet immer noch Milliardenausfälle für den Fiskus. Doch arm rechnen kann man sich mit Schiffsbeteiligungen nicht mehr. Dafür rückt die Rendite in den Vordergrund.

Vor allem das Interesse institutioneller Investoren bringt nun Schwung in den Zweitmarkt - und manchem Steuersparer die Gelegenheit, sich von nicht mehr gebrauchten Anteilen zu trennen. Der Schiffsmarkt gilt immer noch als attraktiv, obwohl die Charterraten von ihren vor zwei Jahren erreichten Rekordniveaus gefallen sind. Gleichzeitig werden neue Schiffe teurer, weil die Werften auf Jahre ausgelastet sind. Da bietet es sich an, auf gebrauchte Schiffe auszuweichen.

Edelsegment Zweitmarkt

Edelsegment Zweitmarkt

Jürgen Wollny, Geschäftsführer der Handelsplattform Deutsche Sekundärmarkt (DSM), bezeichnet den Zweitmarkt als "Edelsegment". Die dort gehandelten Schiffe sind zumeist schon seit Jahren in Betrieb. Also ist, anders als bei einem neu aufgelegten Fonds, bekannt, welche Erträge sie liefern und wie hoch die Betriebskosten sind. Die Schulden sind abgetragen, die Rendite ist nicht mehr nur ein Hoffnungswert aus dem Prospekt.

Ein Problem für verkaufswillige Anteilseigner wie für Kaufinteressenten besteht aber darin, dass der Markt stark zersplittert ist. Mehrere große Emissionshäuser geschlossener Schiffsfonds haben eigene Handelsplattformen im Internet eingerichtet, auf denen die Fondsanteile wie bei Ebay versteigert werden. Manche, wie Maritim Invest, treten mit eigenen Zweitmarktfonds als Käufer auf. Als jüngster Anbieter hat nun Lloyd Fonds eine eigene Plattform angekündigt.

Chefanalyst Wilfried Tator von der Ratingagentur Scope sieht ein großes Ungleichgewicht der Information: Die Verkäufer sind in der Regel Laien, denen auf der Käuferseite Profis von institutionellen Investoren gegenüberstehen. Die können den fairen Preis für die Schiffsanteile sehr genau bestimmen. Die Verkäufer dagegen lassen sich oft von dem Kurs, in dem der Fonds zum Nennwert notiert, beeindrucken, obwohl der wenig aussagekräftig ist. Insider berichten von Callcentern, die aus dem Handelsregister gesuchte Fondszeichner anrufen und den Chartermarkt schlechtreden, um günstig an Anteile zu kommen.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Darauf setzt auch Tator seine Hoffnung: "Durch die wachsende Liquidität kommt der private Verkäufer zu einem guten Preis", sagt er. Abnehmer für die Anteile gibt es genug. Es kostet allerdings noch einigen Suchaufwand, herauszufinden, wo die guten Preise gezahlt werden.

Die DSM, nach eigenen Angaben Marktführerin im Zweitmarkt für Schiffsbeteiligungen, verzeichnete im vergangenen Jahr gerade einmal rund 1000 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 30,5 Millionen Euro. Den Löwenanteil daran hatten Fonds des Mutterhauses Nordcapital, obwohl die DSM zu den Marktplätzen zählt, die auch Fonds anderer Emissionshäuser auf dem Kurszettel haben.

Als neutrale Marktplätze unter Aufsicht von Wertpapierbörsen treten die Fondsbörse Deutschland (Börse Hamburg-Hannover) und die neugegründete Zweitmarkt Plus (Börse Berlin-Bremen) auf. Doch auch dahinter stehen einzelne Initiatoren, die beispielsweise als Premiumpartner an den Maklergesellschaften beteiligt sind. Wettbewerber ziehen die Neutralität in Zweifel. Es gebe Berichte von Bietern, die nach offiziellem Auktionsschluss noch überboten worden seien. Wollny nennt das Börsenetikett gar einen "Marketing-Gimmick".

Ein zentraler und neutraler Handelsplatz, der die Liquidität bündelt, würde den Zweitmarkt für Verkäufer attraktiver machen. "Ich wünsche mir, dass eine Vereinheitlichung stattfindet und Börsen auch eine Überwachung einstellen", sagt Tator. Wollny sieht da durchaus Chancen. Einige Jahre werde es aber schon noch dauern.