Rohstoffe Schaufeln und scheffeln

Rohstofffirmen verdienen aktuell viel Geld. So viel, dass sie Konkurrenten ohne Weiteres schlucken können, sagt Fondsmanagerin Joanne Warner gegenüber manager-magazin.de. Doch es kommen auch wieder härtere Zeiten.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Frau Warner, im Goldrausch sind jene reich geworden, die Schaufeln verkauft haben und nicht die Goldgräber. Ist das eine Idee für das Management von Rohstofffonds wie dem First State Global Resources  - quasi schaufeln und scheffeln?

Warner: Diversifikation ist sicherlich ein wichtiges Werkzeug, um Risiken in einem Portfolio zu verwalten. Die Ausrichtung auf verschiedene Rohstoffe, Serviceanbieter, Geografien und unterschiedlich reife Unternehmen helfen daher dabei, sich zum Beispiel gegen Abschwünge des Marktes zu sichern.

mm.de: Wie hängen denn die Minengesellschaften und zum Beispiel die Serviceanbieter zusammen?

Warner: Nun, eine Korrelation zwischen den beiden besteht, allerdings ist sie nicht so stark wie die zwischen den Minenunternehmen selbst.

Tatsächlich ist der Servicesektor das zweite Derivat der Rohstoffpreise. Immerhin prägen sie ja das Maß an Abbauaktivität, das zum Beispiel Minengesellschaften an den Tag legen können. Und das wiederum beeinflusst die Preise der Rohstoffe.

mm.de: Rechnen Sie eigentlich weiterhin mit steigenden Preisen?

Warner: Nun, der Rohstoffmarkt ist sehr zyklisch. Die Preise können also sehr volatil sein und sind entsprechend schwer vorherzusagen. Auch wenn wir daher so eine Vorhersage nur ungern machen, neigen wir doch dazu, zu glauben, dass die Preise irgendwann einmal fallen werden. Vor allem wegen der Industriekonsolidierung und der technischen Verbesserungen. In der Vergangenheit wurden die Märkte nämlich vor allem durch leere Lager und das beschränkte Angebot geprägt.

Eigentlich sind Rohstoffe eine einfache Sache der Ökonomie. Wenn die Nachfrage weiterhin hoch bleibt, sollten die Preise auch hoch bleiben. Wie auch immer - hohe Rohstoffpreise ermutigen die Anbieter, das Angebot zu erhöhen, und das mündet wiederum in niedrigeren Preisen.

Eine Frage der Währung

mm.de: Welche Rolle spielt eigentlich der Dollar in dieser Rechnung - viele Rohstoffe werden ja in der US-Währung gehandelt, doch die wird gegenüber dem Euro immer schwächer.

Warner: Wer in Rohstoffe investiert, bekommt ein natürliches Hedging. Denn jene Länder der Welt, die viele Rohstoffe fördern, haben tendenziell starke Währungen in den Hochzeiten der Rohstoffe. Aber auch auch umgekehrt. Nehmen Sie Kanada, Australien oder Südafrika als Beispiel.

mm.de: Und von diesem Trend sollen Anleger nach Jahren der Preissteigerungen noch immer profitieren können?

Warner: Wir glauben, sich auf günstige Produzenten zu konzentrieren, kann einigen Schutz gegen sinkende Rohstoffpreise bieten. Wir prüfen daher sehr genau, ob ein Unternehmen in der Lage ist, starke Erträge durch den gesamten Zyklus zu liefern. Eine Gesellschaft, deren Gewinne schneller steigen dürften als die der Konkurrenz, ist da natürlich von besonderem Interesse. Wichtig ist es aber, dass das Unternehmen dieses über einen langen Zeitraum schafft.

mm.de: Sie sagen es selbst, in der Vergangenheit haben Rohstofffirmen viel Geld verdient - sind sie da nicht ideale Übernahmeziele zum Beispiel für Private-Equity-Fonds?

Warner: Es gab tatsächlich einige Windfall-Profite in der Vergangenheit, aber ich glaube nicht, dass die andauern werden. Der Basismetallsektor zum Beispiel hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren eine gewaltige prozentuale Veränderung mitgemacht. Aber das lag auch daran, dass die Lager leer waren, das Angebot so unter Druck kam, und Rohstoff-Trader die Preise bestimmen konnten.

mm.de: Und Unternehmensübernahmen?

Warner: Die M&A-Aktivität hat in den vergangenen Jahren kräftig angezogen. Denn die hohen Rohstoffpreise haben dazu geführt, dass die Bilanzen der Unternehmen über sehr viel Cash verfügten. Und die kühner gewordenen Manager nach Wegen suchten, dieses Geld auszugeben. Statt also neue Projekte zu bauen, haben die großen Gesellschaften lieber Kapazitäten zugekauft. Der Trend wird auch andauern.

Gegen das "schmutzige Gold"

mm.de: Inwiefern ist die gute Wertentwicklung der Fonds in der Vergangenheit eigentlich durch billiges Geld beeinflusst worden, das in die Finanzprodukte strömte - und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle die Party zur gleichen Zeit verlassen wollen?

Warner: Die hohe Volatilität einiger Rohstoffe zieht Spekulanten an. Aber diese Spekulationen sind schwer vorherzusagen. Wir glauben, dass das Investment in günstige Unternehmen da einen gewissen Schutz bietet.

mm.de: Zuletzt kam durch Filme wie "Blutdiamanten" wieder die Erinnerung daran hoch, dass wertvolle Materialien auch zur Finanzierung von Kriegen in Afrika genutzt werden. Welche Rolle spielen also Aspekte wie "schmutziges Gold" für Sie als Fondsmanager?

Warner: First State Investments ist Teil von Colonial First State Global Asset Management. Und die haben die United Nations' Principles for Responsible Investment (UN PRI) unterzeichnet. Das ist ein freiwilliges Programm, das zum Beispiel zu bestimmtem sozialen Verhalten anhält. Eine ganze Reihe davon berücksichtigen wir bereits seit Jahren.