Private Altersvorsorge Jedem Dritten fehlt das Geld

Trotz staatlicher Zuschüsse und vielfach angemahnter Rentenlücke: Nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger sorgt privat für den Ruhestand vor. Dabei fehlt es nicht an der Einsicht. Knapp ein Drittel der vermeintlichen Sparmuffel kann sich keine private Altersvorsorge "leisten", hat jetzt eine repräsentative Umfrage ergeben.

Hamburg - Altersvorsorge bleibt ein Dauerbrenner. Zusehends entdecken auch angelsächsische Investmentgesellschaften für sich das Thema als Gegenstand repräsentativer Umfragen. Nach einer umfangreichen Erhebung zur finanziellen Alterssicherung zuletzt durch Fidelity hat jetzt JPMorgan Asset Management die Deutschen zu ihrem Vorsorgverhalten befragt - zwar weniger tiefschürfend und detailliert, im Kern aber zeigt sich das gleiche Bild: Zu wenig Menschen in Deutschland sorgen finanziell für das Alter vor. Und jene die es tun, legen monatlich zumeist nur geringe Beträge zur Seite.

Für das von JP Morgan erstmals erhobene "Altersvorsorge-Barometer" hat die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mehr als 2000 Frauen und Männer ab 14 Jahren befragt, wie viel Geld sie monatlich für das Alter zurücklegen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Befragten das Geld nun in Fondsparpläne, staatlich geförderte Riester- oder Rürup-Produkte, Renten- oder Lebensversicherungen stecken, alternativ mit dem Geld auch einen Immobilienkredit tilgen oder es schlicht auf ein Sparbuch überweisen.

Der repräsentativen Umfrage zufolge sorgen 42,9 Prozent der Deutschen privat überhaupt nicht für das Alter vor, 41,7 Prozent dagegen tun dies - das Gros allerdings mit monatlichen Beiträgen, die 100 Euro nicht überschreiten. Rund 15 Prozent der Befragten wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

Der hohe Anteil der privaten Vorsorgemuffel muss erneut überraschen. Denn ähnlich wie bei anderen Erhebungen zu diesem Thema zeigt sich, dass sich nur eine Minderheit für das Alter finanziell abgesichert fühlt: Laut JPMorgan-Umfrage sind dies rund 13 Prozent der Befragten. Sie glauben, mit Zahlungen aus der gesetzlichen Rente allein oder in Kombination mit Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge im Ruhestand gut über die Runden zu kommen.

Bedenklich stimmt zudem, dass 30,2 Prozent - also rund ein Drittel der Befragten - der Ansicht sind, sie hätten kein Geld für die private Altersvorsorge übrig. Warum das so ist, bleibt in der Umfrage weitgehend unklar.

Es ist gut möglich, dass dem 17-jährigen Gesellen oder der allein erziehenden Mutter schlicht die finanziellen Ressourcen für zusätzliche private Altersvorsorge fehlen. Eine konkretisierende Nachfrage an dieser Stelle hätte man sich allerdings schon gewünscht - etwa, wofür das zur Verfügung stehende Einkommen im Wesentlichen ausgegeben wird oder ob womöglich die seit 2005 wieder anziehende Abgaben- und Steuerlast es den Menschen erschwert, Geld für das Alter zurückzulegen.

Vor allem Jüngere legen keinen Cent zurück

Mit dem Einkommen steigt die Sparneigung

Für diese These könnte die im Grunde wenig überraschende Umfrageerkenntnis sprechen, dass besonders viele Menschen mit niedrigem Einkommen zu den Nichtsparern zählen, mit steigendem Einkommen hingegen steigt auch die Sparneigung: Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1500 Euro legen knapp 60 Prozent der Deutschen Geld für das Alter zurück, bei einem Monatseinkommen von 2500 Euro sind es rund 67 Prozent, mit 3000 Euro netto und sorgen knapp 73 Prozent der Befragten für das Alter vor.

Fakt ist: Vor allem jüngere Menschen legen keinen Cent für das Alter zurück, genau genommen 63,2 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und immerhin auch knapp die Hälfte der 20- bis 29-Jährigen. Dabei dürfte insbesondere unter der letzten Altersgruppe schon ein Großteil der Menschen im Berufsleben stehen. Dennoch sparen sie "Nichts", wie die Befragten angaben und dies - "bis auf wenige Ausnahmen", weil eben kein Geld dafür übrig sei, heißt es in der Studie.

Früh anfangen und den Zinseszinseffekt nutzen

Dabei empfiehlt es sich in der Tat, möglichst früh mit der Altersvorsorge anzufangen - und sei es mit kleinsten Beträgen. Denn im jungen Alter arbeitet die Zeit angesichts des Zinseszinseffektes über einen langen Anlagehorizont für den Sparer. Nur wer früh beginnt, kann von diesem Effekt überproportional profitieren. Wer sehr spät mit dem Sparen anfängt, muss dagegen deutlich höhere Beträge und womöglich auch noch mit erhöhtem Risiko anlegen, um zum Renteneintritt über das gleiche Kapital verfügen zu können.

Doch auch die Gruppe der über 60-Jährigen bekennt sich mehrheitlich als Sparmuffel. Etwas mehr als die Hälfte der 60- bis 69-Jährigen und rund zwei Drittel der über 70-Jährigen legen laut Umfrage ebenfalls keinen Cent zur Seite - angesichts der steigenden Lebenserwartung, stagnierender gesetzlicher Renten und der Tatsache, dass die Kaufkraft des zur Verfügung stehenden Geldes im Alter von Jahr zu Jahr durch die Inflation abnimmt, könnte sich dieses Verhalten als falsch erweisen.

"Selbst in der Rentenphase gilt es, das angesparte Kapital sinnvoll und umsichtig zu verwalten", schreiben die Experten von JPMorgan Asset Management. Eine Option könnten hier Lebenszyklus-Fonds sein, die sich der aktuellen Lebensphase und dem jeweiligen Chancen- und Risikobedürfnis des Anlegers anpassen.

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